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28.07.2020, 13:56 Uhr

Zoo Osnabrück hofft auf Stabilisierung der Schimpansengruppe

Schimpansenweibchen „Vakanga“ führt derzeit die Schimpansengruppe an. Foto: Zoo Osnabrück

Schimpansenweibchen „Vakanga“ führt derzeit die Schimpansengruppe an. Foto: Zoo Osnabrück

Osnabrück Nach Unruhen und Auseinandersetzungen in der Gruppe der Westafrikanischen Schimpansen im Osnabrücker Zoo sollen zwei neue männliche Artvertreter die Gruppe stabilisieren. „Der notwendige Schritt ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung. Bis 2018 lebte eine harmonische Schimpansengruppe bei uns am Schölerberg. Die Hierarchien waren klar und es gab keine Probleme“, berichtet Tobias Klumpe vom Zoologischen Leitungsteam. „Allerdings kam es ab 2018 zu Unruhe in der Gruppe, denn Männchen ,Tatu‘ war hin- und hergerissen zwischen seiner Pflegemutter ,Lady‘, die in der Hierarchie der Weibchen am höchsten stand und dem für ihn sexuell attraktivsten Weibchen ,Vakanga‘, das ,Lady‘ den Rang streitig machen wollte.“

Der Schimpansen-Mann stand zwischen den Damen und konnte den Konflikt nicht lösen. „Daher war eine Veränderung notwendig. Wir standen immer in engem Kontakt mit dem Koordinator des Erhaltungszuchtprogramms, um zu klären, wie diese Änderung aussehen kann“, so der Biologe weiter. „Um die Karten neu zu mischen und den Machtkampf zwischen ,Lady‘ und ,Vakanga‘ möglicherweise abzuschwächen, kamen zwei neue Weibchen zu uns in den Zoo“, erklärt er. Da Schimpansen charaktergeprägte Individuen sind, war Klumpe zufolge jedoch nicht vorhersehbar, wie jeder einzelne auf die neue Situation reagiert. „So konnten auch die beiden neuen Weibchen den Konflikt zwischen ,Lady‘ und ,Vakanga‘ nicht auflösen, haben sich jedoch gut in die Gruppe integriert. Da ,Tatu‘ einfach völlig überfordert war mit der Situation und eine gefestigte Sozialstruktur für Schimpansen sehr wichtig ist, fiel die Entscheidung ,Tatu‘ abzugeben und dafür zwei neue Männchen an den Schölerberg zu holen“, so Klumpe.

Herausfordernde Zusammenführung

So verließ „Tatu“ im vergangenen Jahr den Schölerberg. Nun wurden zwei Männchen gefunden, die Klumpe zufolge charakterlich gut in die Gruppe passen. „Wir hoffen, dass sie sich mit ihren Artgenossen gut verstehen. Das weiß man vorher nie – wie beim Menschen gibt es bei ihnen Sympathien und Antipathien, die man vorher nicht absehen oder ausschließen kann. Die Zusammenführung von Schimpansen ist ein komplexer Prozess, der meist mit physischen Auseinandersetzungen der Tiere einhergeht. Schimpansen sind generell sehr rabiate Tiere, die Konflikte oft mit körperlicher Gewalt lösen – in der Wildbahn wie in menschlicher Obhut. Für uns sind augenscheinliche Verletzungen ein ungewohntes Bild, für Schimpansen aber nicht ungewöhnlich“, beschreibt Klumpe die Herausforderung. Doch für den Biologen steht fest: „Die Ankunft von neuen Männchen ist unumgänglich, um wieder eine natürliche Sozialstruktur in die Gruppe zu bringen.“ Denn auch wenn „Lady“ im November an Altersschwäche gestorben ist und „Vakanga“ inzwischen deren Rolle in der Gruppe übernommen hat, fehlen dem Sozialgefüge erwachsene Männchen für die Sozialisierung der jüngeren Männchen, dem elf Monate alten Mshangao und dem sechsjährigen Helmut. Diese Aufgabe kommt nun den beiden Neuzugängen zu.

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