27.11.2019, 16:43 Uhr

Zoll kontrolliert 180 Baufirmen im ersten Halbjahr

IG BAU fordert: Grafschafter Betriebe genauer unter die Lupe nehmen.

Besuche des Zolls auf der Baustelle enden oft mit Ermittlungsverfahren und Bußgeldern. Mit Blick auf das Ausmaß von Schwarzarbeit und Lohn-Prellerei fordert die IG BAU noch mehr Kontrollen in der Branche. Foto: IG Bau

Besuche des Zolls auf der Baustelle enden oft mit Ermittlungsverfahren und Bußgeldern. Mit Blick auf das Ausmaß von Schwarzarbeit und Lohn-Prellerei fordert die IG BAU noch mehr Kontrollen in der Branche. Foto: IG Bau

Im Kampf gegen illegale Machenschaften auf dem Bau fordert die Gewerkschaft IG BAU mehr Zoll-Kontrollen im Kreis Grafschaft Bentheim. Obwohl die Zöllner einen Schwerpunkt auf die Branche legten, gerate nur ein kleiner Teil der 135 Baufirmen im Landkreis ins Visier der Beamten, kritisiert Herbert Hilberink.

Der stellvertretende Bezirksvorsitzende der IG BAU Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim verweist auf eine aktuelle Statistik der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS). Im gesamten Bereich des Hauptzollamts Osnabrück wurden demnach zwischen Januar und Juni 180 Bauunternehmen kontrolliert. Dabei deckten die Beamten einen Schaden von rund 2,3 Millionen Euro wegen nicht gezahlter Steuern und Sozialabgaben auf. Dies geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Arbeitsmarktpolitikerin Beate Müller-Gemeke (Grüne) hervor.

„Das Ausmaß des Steuer- und Sozialbetrugs zeigt, wie viel kriminelle Energie bei einigen Firmen am Werk ist“, betont Gewerkschafter Hilberink. Leidtragende seien nicht nur geprellte Bauarbeiter und der Staat, sondern auch sauber wirtschaftende Unternehmen. Denn wer die Vorschriften umgehe, könne Bauvorhaben weitaus billiger anbieten als die Konkurrenz. „Hier hilft nur eine höhere Kontrolldichte durch den Zoll. Je größer die Gefahr, bei illegalen Praktiken erwischt zu werden, desto eher werden Firmen die Finger von Dumping-Angeboten lassen – und damit von Schwarzarbeit und Lohn-Drückerei.“

Ein entscheidendes Instrument, um einen fairen Wettbewerb und ein einheitliches Lohngefüge auf dem Bau zu sichern, seien die speziellen Mindestlöhne in der Branche, so die Gewerkschaft. Ihre Einhaltung wird ebenfalls vom Zoll kontrolliert.

Nach Informationen der IG BAU stattete der Osnabrücker Zoll im ersten Halbjahr insgesamt 563 Firmen einen Besuch ab – darunter im Reinigungs-, Transport und Gaststättengewerbe. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging die Zahl der Kontrollen um 8,5 Prozent zurück.

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