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09.08.2019, 06:02 Uhr

Wut und Weltschmerz - Düsteres neues Slipknot-Album

Trauer, Wut, Rache. Das neue Album der Masken-Metaller von Slipknot ist ganz schön aggressiv und düster geworden - sogar für Slipknot-Verhältnisse.

Wut und Weltschmerz - Düsteres neues Slipknot-Album

Laut, aggressiv und voller Wut: Slipknot. Foto: Steve C Mitchell/EPA

Von Britta Schultejans, dpa

dpa Berlin Schmerz und Tod, Lügen und Enttäuschung: Die US-Metaller von Slipknot haben ihr spektakuläres neues Album „We Are Not Your Kind“ veröffentlicht.

Es ist so gnadenlos, so bitter, so wütend und brutal geworden wie lange keins mehr. Harter Tobak. „You've killed the saint in me“ heißt es in der Single-Auskopplung „Unsainted“. Du hast den Heiligen in mir getötet.

„Ich bin zu jener Zeit durch eine sehr dunkle Phase gegangen, habe echte körperliche Schmerzen gespürt, physisch manifestierte Depression“, sagt Sänger Corey Taylor im Interview der Zeitschrift „Metal Hammer“. „Mir wurde klar, dass ich nicht am richtigen Ort war, dass ich da rausmusste - aber wie? Ich stand mit mir selbst im Konflikt darüber, wer ich in Zukunft sein wollte. Zum Glück gab es die Musik, in der ich aufgehen konnte. Meine Geschichte drückt sich in der Musik, den Songs und diesem Album aus.“

Taylor ist nicht der Einzige, der schlimme Zeiten hinter sich hat. Der Perkussionist der Band, Shawn „Clown“ Crahan, verlor im Mai seine jüngste Tochter. Sie starb im Alter von nur 22 Jahren. „Mit gebrochenem Herzen und in tiefstem Schmerz“ teilte der Musiker die traurige Nachricht damals mit.

Manchmal haben die neuen Slipknot-Songs melodische Episoden, die kurz zumindest die theoretische Möglichkeit der Erlösung anzudeuten scheinen wie in „Unsainted“. Manchmal sind sie auch einfach nur hart und laut und voller Wut. „A Liar's Funeral“ beginnt überraschend melodisch, fast sanft - nur um das Wort „Liar“ (Lügner) umso lauter, enttäuschter und hasserfüllter in die Welt zu brüllen. Die Forderung: Verbrennt den Lügner! Auch Rache ist ein Thema auf dem Album.

Das weniger als einminütige „What's Next“ und das nachfolgende „Spider“ sind untermalt von einer albtraumhaften Melodie wie aus einer alten Spieluhr. Noch eindringlicher ist „Death Because of Death“ (etwa: Tod durch Sterben), ein angedeuteter depressiver Endlos-Zirkel, in dem sich dieser eine Satz immer und immer wiederholt: „Death Because of Death Because of You“ (etwa: Tod durch Sterben wegen Dir).

Vier Jahre hat die Band sich Zeit gelassen für ihr sechstes Album. „Noch nie hat die von uns gemachte Kunst ein so erfüllendes Gefühl verschafft, ganz einfach, weil so viel Zeit darin steckt“, sagt Crahan nach Angaben der Plattenfirma. „Fast vier Jahre, um diese Emotion und Temperatur entstehen zu lassen - und der Lohn ist nicht weniger als Erlösung.“ Ein Gefühl, das sich beim Hörer allerdings nicht so recht einstellen mag.

Denn die kraftvolle, schnelle, harte, aggressive und kämpferische Single „All Out Life“, die im vergangenen Jahr auf den Markt kam und mit der Zeile „We Are Not Your Kind“ den Albumtitel lieferte, hat es nicht auf die Platte geschafft - weil der Song nicht mehr so recht dazu gepasst habe. Dem „Metal Hammer“ sagte Taylor: „All Out Life“, das Fans auf der ganzen Welt begeistertet, wohne „eine viel positivere Einstellung inne“. Jetzt entlässt die Band ihre Fans mit dem 14. Song „Solway Firth“ aus dem Alptraum. Darin brüllt Taylor von einem „Schlachthaus getränkt mit Blut und Verrat“.