28.10.2019, 16:30 Uhr

Auch in Emlichheim wird gebeijert

In einem Gespräch mit der Gemeinde Emlichheim erläutern Hans-Dieter Maathuis, Heinz Stegink und Gerd Koopsingraven die Technik des Beijerns und worum es dabei geht.

Erinnerungstafel 1999/2000 (von links): Gerd Koopsingraven, Hans-Dieter Maathuis und Heinz Stegink. Foto: Lindschulte

Erinnerungstafel 1999/2000 (von links): Gerd Koopsingraven, Hans-Dieter Maathuis und Heinz Stegink. Foto: Lindschulte

„Im Gegensatz zum normalen Läuten der Glocken, bei dem die Glocke in Bewegung gesetzt wird, bleibt die Glocke in ihrer Position hängen. Um die Klöppel der drei Glocken werden Taue gelegt und in Position gebracht. In abwechselnd schneller und langsamer Folge wird an den Tauen gezogen und die Klöppel schlagen in rhythmischer Bewegung gegen die Glocken“, erläutert Maathuis die Technik. Im Alter von 16 Jahren hatte er im Jahr 1982 mit dem Beijern begonnen und hat bis heute kein einziges Mal gefehlt. Auf eine längere Dienstzeit kann sein Beier-Kollege Heinz Stegink zurückblicken.

Sein erster Einsatz war 1964 und nur zu Silvester 2018 musste er einmal aussetzen. Ein Jahr nach Stegink wurde Gerd Koopsingraven Mitglied der Beier-Truppe und hat bis heute kein einziges Mal gefehlt.

Neben uns drei wirken noch sieben weitere Beijer-Löö mit. Aber nicht jeder kann in jedem Jahr teilnehmen und muss absagen. Dann kann es für die Leute im Turm und unten in der Kirche schon anstrengend werden, da die Leute sich nicht abwechseln können“, berichten die drei. Daher suchen sie Nachwuchs, um die über 150 Jahre währende Tradition weiter zu pflegen. Das Beijern beginnt am Silvestertag um 17 Uhr – bis 19 Uhr werden die Klöppel geschlagen. Dann setzt eine zweistündige Pause ein. Die nächste Beierrunde ist von 21 bis 24 Uhr und geht um 0 Uhr in das Einläuten des neuen Jahres über. Beim Einläuten werden die Klöppel rund 15 bis 30 Minuten im schnellen Rhythmus gegen die Glocken geschlagen.

Dann setzt eine Pause ein und von 4 bis 8 Uhr ist die letzte Beijerrunde. Im Anschluss treffen sich die Beijer-Löö zum gemeinsamen Frühstück und stärken sich für den Rundgang zum Bürgermeister, zu den beiden stellvertretenden Bürgermeistern und zur Gemeindedirektorin. Gegen Mittag genießt die Truppe ein Abschlussessen in geselliger Runde im „Et Möppken“.
In dem Gespräch mit der Gemeinde Emlichheim verweisen sie auf zwei Erinnerungstafeln im Turm der Kirche. Auf diesen Tafeln sind die Namen der Beijer-Löö zum Jahrhundertwechsel 1899/1900 und zum Jahrtausendwechsel 1999/2000 verewigt. Koopsingraven, Maathuis und Stegink verweisen mit Stolz auf ihre Namenseinträge auf der zweiten Tafel. „Sollte das Beijern in Zukunft einmal zu Silvester ausfallen, wäre das das Ende des alten Brauches. Daher sollte es bewahrt werden, damit zum nächsten Jahrhundertwechsel – auch wenn dieser noch in weiter Ferne liegt – eine dritte Erinnerungstafel im Kirchturm aufgehängt werden kann“, merkt Maathuis an.

Aber nicht nur das Beiern hat eine Geschichte – mit geschichtlichem Hintergrund können auch die Glocken in der reformierten Kirche aufwarten. Ihre erste Glocke erhielt das Gotteshaus im Jahr 1487. Hergestellt wurde sie von dem damals berühmten und bis nach Russland bekannten Glockengießer Gerard von Wou aus dem niederländischen Kampen. Er hatte sich einen Namen gemacht mit dem Guss der Domglocken und war im Raum zwischen Utrecht und Braunschweig ein gefragter Glockengießer, der es verstand, durch seine Gußtechnik den Glocken die vorbestimmte Tonlage zu geben. Im Zweiten Weltkrieg schien das Schicksal der drei Emlichheimer Kirchturmglocken besiegelt. Sie standen schon auf einem Platz in Hamburg mit vielen anderen Glocken aufgereiht und waren zum Einschmelzen bestimmt. Das Ende des Krieges bewahrte die Glocken vor diesem Schicksal und sie gelangten wieder nach Emlichheim.

Nähere Informationen: www.emlichheim.de

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