12.08.2019, 09:00 Uhr

Vietnam-Sikahirsche im Tierpark sind die neuen Stars

Mit ihrem gefleckten Sommerfell sehen sie nicht nur hübsch aus, sondern lassen sich gerne von den Besuchern füttern und streicheln. Dabei sind sie vor allem auch Artenschutzbotschafter, denn in freier Wildbahn ist diese Hirschart ausgestorben.

Die Vietnam-Sikahirsche sind im Nordhorner Tierpark in kurzer Zeit zu Publikumslieblingen geworden. Foto: Franz Frieling

Die Vietnam-Sikahirsche sind im Nordhorner Tierpark in kurzer Zeit zu Publikumslieblingen geworden. Foto: Franz Frieling

„Mit der neuen Tierart haben wir bewusst zwei unserer Hauptanliegen miteinander verbunden“, so Zoodirektor Dr. Nils Kramer. „Artenschutz und Besuchernähe können wir so ideal verbinden.“ Der Vietnam-Sikahirsch ist in freier Wildbahn durch Lebensraumzerstörung und illegale Jagd ausgerottet. Es gibt ihn nur noch in menschlicher Obhut in drei Nationalparks in Vietnam und in wenigen Zoos in Europa und Nordamerika. Die Zoos in Europa haben ihre Zuchtbemühungen in einem EEP (Europäischen Erhaltungszuchtprogramm) gebündelt und managen ihre Tiere gemeinsam. „Als Zoos haben wir hier eine Arche-Funktion“, so Kramer weiter. „Ohne die Erhaltungszucht in Menschenhand hätten diese faszinierenden Tiere keine Überlebenschance.“

Das Artensterben hat weltweit eine dramatische Beschleunigung erfahren. Von 105.000 Arten gelten mittlerweile 28.000 als direkt vom Aussterben bedroht. Die IUCN hat in der neuesten Version der „Roten Liste“ 7000 bedrohte Arten hinzugefügt. Auch der Vietnam-Sikahirsch ist eine der Arten, die in der Wildnis längst ausgerottet worden wären, würde der Mensch sich nicht für den Erhalt einsetzen. „Wir hoffen natürlich, dass für den Vietnam-Sikahirsch eines Tages weitere Lebensräume in seiner Heimat gesichert werden können,“ so Kramer. „Zurzeit ist die Realität aber eine andere.“

Damit die neue Gruppe in Nordhorn einen Beitrag im Erhaltungszuchtprogramm leisten kann, wurde auch der Nordhorner Tierbestand eng mit dem Zuchtbuch abgestimmt. So stammen die drei Hirsche aus Berlin, zwei der Weibchen aus dem Tierpark Görlitz und zweiweitere Weibchen aus dem tschechischen Usti. Durch die Mischung der Gruppe wurden verschiedene Tiere mit unterschiedlicher Genetik zusammengesetzt, die in den kommenden Jahren hoffentlich auch für Nachwuchs sorgen. Die Tiere haben innerhalb von wenigen Tagen ihre Scheu verloren und lassen sich mittlerweile nicht nur von den Besuchern füttern, sondern fast komplett durchkraulen. Durch diese emotionale Tiernähe hofft der Tierpark, bei den Besuchern einen dauerhaften Eindruck zu hinterlassen und möglichst viele Fans dieser Rasse zu gewinnen. Die ersten Wochen waren dabei ein voller Erfolg.

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