04.04.2022, 18:20 Uhr

Viel Veränderung: Tierpark Nordhorn plant die Zukunft

Die historische Schmiede ist Teil des Vechtedorfes im Tierpark Nordhorn. Foto: Franz Frieling/Tierpark Nordhorn

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Die historische Schmiede ist Teil des Vechtedorfes im Tierpark Nordhorn. Foto: Franz Frieling/Tierpark Nordhorn

Nordhorn „Nach zwei Corona-Jahren und sieben Monaten kompletter Schließung stimmt uns die aktuelle Entwicklung im Tierpark für das vor uns liegende Jahr sehr zuversichtlich“, erklärt Zoodirektor Dr. Nils Kramer. „Wir freuen uns, wenn wir unseren Gästen wieder einen Tag Glück schenken können.“

Konnten vor der Pandemie rund eine halbe Millionen Gäste jährlich im Nordhorner Familienzoo, begrüßt werden, sank die Zahl durch die coronabedingten Maßnahmen und die lange Parkschließung in 2020 auf 278.085 Besucher sowie 359.197 im vergangenen Jahr. Für einen Betrieb, der sich nahezu ausschließlich aus Besucherumsätzen finanziert, ein drastischer Rückgang an Einnahmen. Mehr als zwei Millionen Euro Umsatzeinbußen musste der Tierpark verkraften. Dank der guten wirtschaftlichen Aufstellung und eines strikten Sparkurses konnte der Familienzoo dieser Krise aktiv begegnen. Geholfen hat natürlich auch die große Solidarität der Menschen in der Region. Viele Spenden, Patenschaften v, der Förderverein, aber auch die Lokal- und Landespolitik haben mit ihrer Unterstützung bei der Bewältigung der zurückliegenden Herausforderungen geholfen.

„Die Gesundheit und der Erhalt der Arbeitsplätze standen immer an erster Stelle“, blickt Kramer auf die Pandemiejahre zurück. „Dafür mussten wir zwar die Bauplanung komplett umstellen, aber angesichts der Situation war das genau die richtige Entscheidung.“ In den vergangenen Jahren sei viel an inhaltlichen Konzepten und der Digitalisierung des Unternehmens gearbeitet worden.

Expressgate

Der kurz vor der Pandemie erfolgte Kassenumbau hat sich bereits bewährt. Im neu geschaffenen „Servicepoint“ können zukünftig zweitaufwendige Kundenwünsche, wie neue Jahreskartenanträge oder Patenschaften bearbeitet werden. Das neue „Expressgate“ soll hingegen die Wartezeit für Besucher mit gültigen Karten verkürzen. Hierzu zählen die Mitgliedskarten des Fördervereins, die gültigen Jahreskarten und die Onlinetagestickets.

„Wir wollen unseren Gästen beim Betreten des Parks mehr Komfort und weniger Schlange stehen anbieten“, erklärt Gerd Winter, Abteilungsleiter für Kasse und Zooshop. „Die Gültigkeit der Jahreskarte kann nun auch ganz einfach im Internet bei uns geprüft werden.“

Vechtewelt

Eine wesentliche Weichenstellung im Tierpark war die Vorstellung des neuen Tierparkareals „Vechtewelt“. Mit dem „Vechtehof“ und dem entstehenden „Vechtemarkt“ sowie dem „Vechtedorf“ als Teilbereiche, soll in den kommenden Jahren eine neue Attraktion rund um die Regionalhistorie der Grenzregion, ihre Nutz- und Wildtiere entstehen.

Schon jetzt gibt es hier viel zu erleben: Trotz der Änderungen im Bauzeitenplan konnte der Tierpark historischen Schmiede, der Dorfmetzgerei und dem „Vechtemarkt“ samt Bistro bereits 2021 neue Besuchermagneten eröffnen, welche der neuen Themenwelt ein Gesicht geben.

Aktuell im Bau ist, Dank der finanziellen Unterstützung der Neuenhauser Unternehmensgruppe, das „Nijnhuuser Schöppken“. Die Bastelwerkstatt soll im Sommer den Ehrenamtlichen eine neue Anlaufstelle im „Vechtedorf“ bieten soll.

In der Planungsphase befindet sich zudem mit dem „Vechtehafen“ ein weiteres Element der zukünftigen „Vechtewelt“. „Als Tierpark sind wir Teil der Wasserstadt Nordhorn und ihrer Geschichte, die eng mit der Schifffahrt auf der Vechte verbunden ist. Auch dieser Teil der Geschichte soll auf Dauer in unserer Themenwelt erlebbar werden,“ erklärt der Zoodirektor.

Artenschutz

Der Tierpark Nordhorn ist aktuell dabei, sein Engagement im Arten- und Naturschutz weiter auszubauen. „Neben dem Klimawandel ist das weltweite Artensterben eine der größten Katastrophen der Menschheit. Den Zoos kommt dabei leider immer mehr die Funktion einer „Arche Noah“ zu: Wir retten Arten, deren natürliche Lebensräume oder -grundlage immer weiter zerstört werden“, sagt Kramer. In den europaweit koordinierten Zuchtprogrammen (EEPs) hätten diese Tiere eine Chance auf Überleben, bis die Lebensgrundlagen hoffentlich wieder gesichert seien.

So hat der Tierpark seine Haltung von Tieren aus europaweiten Erhaltungszuchtprogramm deutlich ausgebaut. 14 dieser bedrohten Arten werden mittlerweile im Tierpark gehalten. Die Blaulatzsittiche und die Kafue-Litschi-Wasserböcke hielten erst im letzten Jahr Einzug. „Mit dem Amurleoparden halten wir mittlerweile die seltenste Großkatze der Welt. Es gibt im natürlichen Lebensraum nur noch sehr wenige Tiere. Ohne Erhaltungszucht in den Zoos wird diese faszinierende Katzenart nicht überleben,“ berichtet Kurator Dr. Dirk Wewers.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Mit der Auszeichnung als „Außerschulischer Lernort nach BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung)“ durch den niedersächsischen Kultusminister Anfang 2020 wurde die gute Bildungsarbeit der Zooschule anerkannt. „Wir sind stolz, als erste und bisher einzige Einrichtung im Landkreis diese Auszeichnung zu tragen“, freut sich Zooschulleiterin Ina Deiting.

Ein weiterer Meilenstein für die Bildungsarbeit des Tierparks an steht demnächst an: Mit dem Programm „Zooschule-To-Go“ wolle man das Angebot auch an die Schulen bringen, um noch mehr Schüler für Natur und Artenschutz zu begeistern. „Wir hoffen zum neuen Schuljahr mit ersten Programmen beginnen zu können“, erklärt Deiting.

Vorbereitungen auf die Hauptsaison

Aktuell laufen im Tierpark die Vorbereitungen auf die Hauptsaison. Nachdem in den vergangenen Jahren fast alle Veranstaltungen abgesagt wurden, hofft der Tierpark, in diesem Jahr wieder mehr Veranstaltungen durchführen zu können.

Das Programm beginnt traditionell mit dem Besuch des Osterhasen, der an Ostersonntag mit einer kleinen Überraschung im Eingangsbereich auf die Kinder wartet. Fans von Oldtimer-Blaulichtfahrzeugen kommen hingegen am 24. April voll auf ihre Kosten. Im Mai und Oktober werden die Falkner vom „de Valkenhof“ aus den Niederlanden ihre Greifvögel mitbringen und über Vechtewiese fliegen lassen. Die großen Arbeitspferde der IG Arbeitspferd rücken hingegen vom 17. bis 19. Juni an und werden ihr Können zur Schau stellen. Der „Kindertag“ ist nach der coronabedingten Pause in Kombination mit der „Stofftierklinik“ für den 3. Juli geplant. Neu im Programm ist die „Zoonacht“, die in den Sommerferien am Samstag, den 6. August stattfinden.

Regelmäßige Informationen gibt es auch auf der Homepage des Familienzoos unter www.tierpark-nordhorn.de.