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14.10.2020, 11:49 Uhr

Verwaltungsgericht Osnabrück: Kein Recht auf Homeschooling

Das Verwaltungsgericht Osnabrück lehnt einen Eilantrag auf Befreiung vom Präsenzunterricht und Anspruch auf „Homeschooling“ ab. Symbolfoto: dpa

Das Verwaltungsgericht Osnabrück lehnt einen Eilantrag auf Befreiung vom Präsenzunterricht und Anspruch auf „Homeschooling“ ab. Symbolfoto: dpa

Osnabrück Die dritte Kammer des Verwaltungsgerichts Osnabrück hat mit Beschluss vom Mittwoch den Eilantrag zweier Schülerinnen abgelehnt, mit dem diese anlässlich der Corona-Pandemie eine Befreiung vom Präsenzunterricht und damit das sogenannte Homeschooling erreichen wollten.

Die Antragstellerinnen sind Geschwister und Schülerinnen der 9. und 10. Klasse einer Oberschule im Emsland, in der der Unterricht pandemiebedingt in Form des Präsenzunterrichts in festgelegten Gruppen, dem Kohortenprinzip, erfolgt. Seit Ende August wurden sie zu Hause beschult, sollten jedoch ab dem 10. September nach einer Aufforderung durch ihre Schule (Antragsgegnerin) wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Dagegen wandten sie sich mit ihrem Eilantrag mit der Begründung, ihre Mutter gehöre einer Risikogruppe an, weshalb ihrer Befreiung von der Schulbesuchspflicht zuzustimmen sei.

Der Antrag hatte keinen Erfolg. Das Gericht führte zur Begründung aus, grundsätzlich gelte die Schulpflicht, die eine Teilnahme am Präsenzunterricht umfasse. Da die Antragstellerinnen nicht selbst unter einer längerfristigen Erkrankung litten, greife auch die im Niedersächsischen Schulgesetz geregelte Ausnahme nicht. Eine darüber hinaus gehende Befreiung vom Präsenzunterricht liege im Ermessen der Schule, das diese hier fehlerfrei ausgeübt habe. Nach einer vom zuständigen Kultusministerium erlassenen Handlungsanweisung komme eine Befreiung vom Präsenzunterricht bei gefährdeten Angehörigen nur in Betracht, wenn – erstens – glaubhaft gemacht werde, dass die Angehörigen zu einer Risikogruppe gehörten und der Schüler oder die Schülerin mit dieser Person in einem räumlich nicht trennbaren Lebensbereich dauerhaft wohne und – zweitens – an der Schule ein nachgewiesener Fall einer Neuinfektion mit dem Coronavirus durch das zuständige Gesundheitsamt bestätigt worden sei. Letzteres sei hier nicht der Fall. Im Übrigen sei die (Vor-)Erkrankung der Mutter auch nicht hinreichend glaubhaft gemacht worden, da die vorgelegte ärztliche Bescheinigung unzureichend sei.

Die Kammer hatte auch keine rechtlichen Bedenken an der geschilderten Verwaltungspraxis. Neben dem aus Artikel 7 des Grundgesetzes (GG) folgenden Bildungsauftrag des Staates und dem Bildungsanspruch des einzelnen Kindes seien hier auch der grundgesetzlich garantierte Schutz der Familie sowie das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit zu berücksichtigen. Diese Grundrechte habe die ausgeübte Verwaltungspraxis verfassungskonform zum Ausgleich gebracht. Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit werde hier aufgrund der von der Schule getroffenen Schutzvorkehrungen nicht verletzt. Sämtliche Personen, die die Schule beträten, hätten eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen, die Pflicht gelte auch für die Schülerinnen und Schüler außerhalb von Unterrichts- und Arbeitsräumen sowie auf Schulhöfen. Es seien Laufwege eingezeichnet worden, Regenpausen müssten im Klassenraum verbracht werden, die zudem regelmäßig gelüftet würden. Die aktuellen Fallzahlen lägen zwar im Landkreis Emsland inzwischen bei über 50 Infizierten je 100.000 Einwohner, ließen sich jedoch im Wesentlichen auf regionale, nicht schulische Hotspots zurückführen. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig.

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