27.04.2022, 15:55 Uhr

„Uns reicht’s!“ - neues Verkehrsprojekt geht an den Start

Bei Kontrollen an Orten tödlicher Unfälle konfrontiere die Polizei angehaltene Verkehrsteilnehmer mit den aktuellen Unfallzahlen in der Region. Foto: Polizei

Bei Kontrollen an Orten tödlicher Unfälle konfrontiere die Polizei angehaltene Verkehrsteilnehmer mit den aktuellen Unfallzahlen in der Region. Foto: Polizei

Grafschaft Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim hat am Dienstag ihr neues Verkehrsprojekt „Uns reicht’s!“ gestartet. Der Titel des Projektes „Uns reicht’s!“ ist dabei abgeleitet von den Erfahrungen und den schlimmen Bildern, mit denen vor Ort Beteiligte belastet werden. Außerdem soll er auf die schweren Situationen aufmerksam machen, mit denen Beamtinnen und Beamte sowie die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Rettungsdienste an Unfallorten und in der Folgezeit konfrontiert werden. „Uns reicht´s!“, steht zudem für die schwierige und kräftezehrende Aufgabe, Todesbenachrichtigungen an die Familien zu überbringen.

So gab es im Jahr 2021 32 Verkehrsunfälle mit 34 tödlich verletzten Personen im Inspektionsbereich. Das sind sechs Personen mehr als noch im Vorjahr. Zudem stieg auch die Zahl der Personen die bei Unfällen schwer verletzt wurden um 15 an. Anlässlich dieser Zahlen führt die Polizeiinspektion im Rahmen des neuen Projektes schwerpunktmäßig Kontrollen an Unglücksorten tödlicher oder schwerer Verkehrsunfälle in den beiden Landkreisen durch. Unterstützung erhält die Polizei dabei insbesondere vom Landkreis Emsland und der niedersächsischen Landesverkehrswacht. Sowie vom Landkreis Grafschaft Bentheim bei der Durchführung der Maßnahmen. Zum Auftakt des Projekts am 26. April besuchten Landrat Marc-André Burgdorf und die Inspektionsleiterin Nicola Simon eine der speziell ausgestatteten Kontrollstellen. Die Beamtinnen und Beamten führten hier nicht nur Geschwindigkeitsmessungen durch. Die Verkehrssünder wurden zudem angehalten und direkt an Ort und Stelle im Rahmen von Aufklärungsgesprächen mit den Beamtinnen und Beamten sowie durch Plakate (siehe Fotos) mit den dort geschehenen tödlichen oder schweren Verkehrsunfällen konfrontiert. Wie schnell es zu einem Unfall kommen kann, konnten die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zudem an der Kontrollstelle an dem sogenannten Aufprall-Simulator der Verkehrswacht Lingen testen.

„Wir möchten mit diesem Projekt nicht nur die Bürgerinnen und Bürger sensibilisieren, sondern auch allen Einsatzkräften eine Stimme geben. Ob Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst - die Kräfte werden regelmäßig bei Unfällen mit belastenden Situationen konfrontiert, die sie zu verarbeiten haben. Mit ‚Uns reicht’s!‘ wollen wir darauf aufmerksam machen und somit dem Trend der steigenden Zahl der schweren Verkehrsunfälle entgegenwirken. Es liegt in der Hand jedes Einzelnen, durch das eigene vorausschauende und rücksichtsvolle Verhalten im Straßenverkehr dazu beizutragen“, erklärt Nicola Simon. Auch Landrat Marc-André Burgdorf bestätigt: „Uns reicht´s wirklich! Jeder schwere Verkehrsunfall ist einer zu viel. Dieses Projekt geht über die klassischen Geschwindigkeitskontrollen hinaus. Durch die Gespräche mit den Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern direkt an den Kontrollstellen, erhoffen wir uns, dass bei den Leuten ein Umdenken stattfindet.“

Im Jahr 2021 war überhöhte Geschwindigkeit weiterhin die Hauptunfallursache bei tödlichen und schweren Verkehrsunfällen. Und auch viele der am Dienstag in beiden Landkreisen kontrollierten Fahrzeuge waren deutlich zu schnell unterwegs. So wurden in den Koordinierungsbereichen Meppen, Lingen und Papenburg und Nordhorn insgesamt rund 3933 Fahrzeuge überprüft, bei den in 172 Fällen ein Geschwindigkeitsverstoß festgestellt wurde. Zu den Spitzenreitern gehörten im Nordhorner Bereich ein Fahrzeug, dass bei erlaubten 70 km/h mit 103 km/h sowie im Raum Papenburg ein Pkw, der bei erlaubten 100 km/h mit 145 km/h unterwegs waren. „Ein Großteil der kontrollierten Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zeigten sich sehr verständnisvoll und waren sehr offen für die Gespräche an den Kontrollstellen. Besonders bei der Konfrontation mit den Zahlen der tödlich und schwer verletzten Personen war Einsicht zu erkennen“, berichtet Sabine Dickebohm vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim. Bis zum Ende des Jahres sind weitere, regelmäßige Kontrollen im gesamten Inspektionsbereich geplant.