16.12.2020, 11:10 Uhr

Turmwächter in Veldhausen pflegen uralte Tradition

An den Weihnachtsfeiertagen wird wieder gebeiert. Foto: Münchow

© Münchow, Manfred

An den Weihnachtsfeiertagen wird wieder gebeiert. Foto: Münchow

Veldhausen Alle Jahre wieder: Am Heiligabend um 17 Uhr erklingt von dem über 500 Jahre alten Turm der reformierten Kirche für zwei Stunden ein besonderes Glockengeläut über das Dorf. Es wird wieder gebeiert. Dieses besondere Geläut unterscheidet sich völlig vom bekannten Glockenläuten. Beim Beiern werden die drei Glocken in einem Rhythmus „angeschlagen“, so dass eine kleine Melodie entsteht. Das Anschlagen geschieht, indem die Glocken vorher gespannt, das heisst in einer Schräglage festgezurrt werden und der Klöppel dann zirka drei Zentimeter vom Glockenmantel entfernt hängt. Am Klöppel wiederum wird ein Seil befestigt und waagerecht über die Beierleute hinweggeführt. Ein Beiermann bedient dann zwei Glocken, während der zweite Beiermann die dritte Glocke bedient und dabei in den Takt seines Kollegen „einschlagen“ muss.

Während in früheren Jahrhunderten das Beiern im gesamten nordeuropäischen Raum bekannt war, hat sich diese Tradition nur in einigen Orten der Niedergrafschaft, in Denekamp und im Rheinland gehalten. In Veldhausen ist diese Tradition des Beierns fest verwurzelt, und für viele Bürger ein „Muß“, an den Feiertagen den Kirchturm aufzusuchen und sich aktiv am Beiern zu beteiligen. So wundert es auch nicht, dass man an solchen Tagen viele ehemalige Veldhauser trifft, die schon vor Jahren oder Jahrzehnten weggezogen sind und zum Familienbesuch wieder in der alten Heimat sind.

Leider wird in diesem Jahr diese schöne Tradition durch die Corona-Pandemie zunichte gemacht, und ist an eine solche öffentliche Veranstaltung nicht zu denken. Daher hat die Turmwächtergemeinschaft einen Schichtplan erstellt, um mit wenigen Personen an Heiligabend, am 1. und 2. Weihnachtstag sowie zu Silvester jeweils von 17 bis 19 Uhr die Glocken festlich erklingen zu lassen und für ein kleines Stückchen Normalität in diesen schwierigen Zeiten zu sorgen. Der Kirchenrat der reformierten Kirchengemeinde hat diesem Vorhaben zugestimmt, und in enger Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt der Stadt Neuenhaus wurde ein detaillierter Hygieneplan erstellt. Während des Beierns ist daher in diesem Jahr der Turm verschlossen und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.