17.03.2022, 16:05 Uhr

Tierpark Nordhorn versorgt erste Grafschafter Otterwaisen

Der junge Otter „Otto“ bedurfte intensiver medizinischer Betreuung, da er zahlreiche Verletzungen aufwies. Bis zur vollständigen Heilung muss sein Schwanz noch verbunden bleiben. Foto: Frieling/Tierpark Nordhorn

© Franz Frieling 48527 Nordhorn

Der junge Otter „Otto“ bedurfte intensiver medizinischer Betreuung, da er zahlreiche Verletzungen aufwies. Bis zur vollständigen Heilung muss sein Schwanz noch verbunden bleiben. Foto: Frieling/Tierpark Nordhorn

Nordhorn Erst seit kurzem gibt es wieder Fischotter in der Grafschaft Bentheim. Der Beweis, dass die Rückkehr der Fischotter erfolgreich ist, lebt nun übergangsweise in der Wildtierauffangstation des Tierpark Nordhorn. „Ottilie“ und „Otto“, zwei waschechte Grafschafter Jungotter wurden dort vor kurzem dank aufmerksamer Bürger aufgenommen. „Die ersten echten Grafschafter Otterjunge sind natürlich eine tolle Botschaft für die Biodiversität und den Lebensraum Grafschaft Bentheim!“ so Zoodirektor Dr. Nils Kramer. „Losgelöst von allen zukünftigen Herausforderungen ist die Nachricht, dass eine Tierart die Region wieder als Lebensraum entdeckt, sehr positiv!“ Erst knapp 8 Wochen alt, würden die Jungtiere normalerweise von der Mutter geführt. Diese schien jedoch, vermutlich durch Krankheit, größeres Raubtier oder Unfall, verendet zu sein, so dass die Jungtiere nicht mehr adäquat versorgt wurden. In diesem Alter werden die Jungen gesäugt und sind noch nicht in der Lage, sich selbstständig zu ernähren. Eine Ottermutter führt ihre Jungen in der Regel bis zu 14 Monate. Entsprechend geschwächt ging es in den vergangenen Wochen im Tierpark vordringlich darum, die beiden Jungtiere tiermedizinisch zu stabilisieren und zu versorgen. Insbesondere das männliche Jungtier war schwer erkrankt und musste intensiv betreut werden. „Die Notfallbehandlung scheint erfolgreich! Beide Tiere sind nun im Alter von etwa vier Monaten stabil, auch wenn die Ausheilung insbesondere beim männlichen Jungtier noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird!“ so Zootierärztin Dr. Heike Weber und weist scherzend auf die anstrengende Versorgung der beiden hin. „Alle paar Stunden mussten die beiden mit einer Art Milchersatzbrei mit hohem Fischanteil gefüttert werden! Bei Fischfressern eine fürchterlich stinkende Angelegenheit!“

Zoodirektor Nils Kramer, Christian Kerperin (Untere Naturschutzbehörde), Hermann Kramer (Zoologischer Leiter Tierpark Nordhorn) und Zootierärztin Heike Weber begutachten den Zustand der Otter bei einem Termin in der Zootierarztpraxis. Foto: Frieling

© FRANZ FRIELING 48527 NORDHORN

Zoodirektor Nils Kramer, Christian Kerperin (Untere Naturschutzbehörde), Hermann Kramer (Zoologischer Leiter Tierpark Nordhorn) und Zootierärztin Heike Weber begutachten den Zustand der Otter bei einem Termin in der Zootierarztpraxis. Foto: Frieling

Erst in den letzten Jahren sind u.a. bei Erfassungen im Rahmen des „Aktionsplan Fischotter südwestliches Niedersachsen“, an dem sich die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises mit 20.000 Euro finanziell beteiligt hat, erste Spuren der scheuen marderartigen Raubtiere wieder in der Grafschaft gefunden worden. „Wir freuen uns, dass wir mit dem Gemeinschaftsprojekt zur Fischotterbestandserfassung wertvolle Erkenntnisse gewinnen konnten und mit den Grafschafter Jungottern nun auch den Erfolg dieses Projektes sehen“, so Paul Uphaus, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Dank der Verbesserung der Wasserqualität und des Lebensraums an Vechte und Dinkel finden die Tiere hier wieder Versteck- und Jagdmöglichkeiten. „In den 2000er Jahren wurden auf niederländischer Seite Fischotter aus Zoos in Wiederansiedlungsprojekte gegeben!“ so Dr. Nils Kramer und weist damit auf die wichtige Rolle von Zoos bei Wiederansiedlungsprojekten von Tieren hin. „Vielleicht sind die beiden bei uns in der zooeigenen Auffangstation nun die Nachkommen dieser Artenschutzbemühungen!“ Während sich die beiden Jungtiere nun gesundheitlich gut entwickeln, haben die Verantwortlichen im Zoo zusammen mit der Artenschutzabteilung des Landkreises Grafschaft Bentheim bereits ein Konzept für die Wiederauswilderung gestrickt. Das oberste Ziel aller Beteiligten ist, dass die beiden Otter auch wieder in der Grafschaft ausgewildert werden.

Dabei ist es recht kompliziert junge Otter so aufzuziehen, dass sie später auch wieder ausgewildert werden können. Die mehrmonatige Aufzucht muss ohne größeren Menschenkontakt erfolgen um spätere Fehlprägungen zu vermeiden. „Die beiden müssen ja nun mühsam all das lernen, was die Mutter ihnen sonst beigebracht hätte!“ so Dr. Weber. „Diese Lernphase dauert bei Ottern mindestens neun Monate, bis sie fit für ein selbstständiges Leben sind!“ Deshalb werden die beiden nach Abschluss der tiermedizinischen Behandlung vorübergehend für einige Monate ins Otterzentrum nach Hankensbüttel umziehen um dann später wieder in die Grafschaft zurückzukehren und hier die letzten Wochen auf die Auswilderung in ihrem ursprünglichen Lebensraum vorbereitet zu werden. Damit die Erfolgsgeschichte der Rückkehr dieser bedrohten Tierart in der Grafschaft Bentheim fortgeschrieben werden kann.