28.01.2021, 13:17 Uhr

Tierpark Nordhorn: Krokodil ist „Zootier des Jahres“

Junges Kubakrokodil. Die seltenen Reptilien sind Teil eines Artenschutzprojektes. Foto: Zoo Hoyerswerda

Junges Kubakrokodil. Die seltenen Reptilien sind Teil eines Artenschutzprojektes. Foto: Zoo Hoyerswerda

Nordhorn „Nach Fell und Feder ist im Jahr 2021 die Schuppe wieder dran“, schmunzelt Dr. Nils Kramer bei der Vorstellung des neuen Zootieres des Jahres, dem Krokodil. Der Leiter des Nordhorner Tierparks und Vizepräsident der Deutschen Tierparkgesellschaft (DTG) ist Mitinitiator des Projektes „Zootier des Jahres“. Nach dem Gibbon im Jahr 2019 und dem Beo 2020 steht nun für ein Jahr das Krokodil im Fokus der Zoowelt.

Keine Krokodile im Tierpark

„Im Tierpark Nordhorn sind Krokodile kein Thema, da er einen ganz anderen zoologischen Schwerpunkt ausgeprägt hat, aber Reptilien wie die Bartagamen und Königspythons im Foyer der Zooschule können sicherlich eine Brücke zu den interessanten urzeitlichen Tieren schaffen“, erläutert Kramer. „Der klare Vorteil unserer Zooschulreptilien ist die mögliche hautnahe Begegnung. Unser Konzept der Tiernähe ließe sich mit Krokodilen nur schwer umsetzen.“ Der Zoodirektor hofft, dass die Reptilien des Tierparks die Besucher animieren, eine Spende für das neue „Zootier des Jahres“ zu leisten, um den Artenschutz zu unterstützen.

Schutzprojekte

So sollen bei der diesjährigen Kampagne mit den gesammelten Geldern vorrangig drei Projekte unterstützt werden, die sich um den Erhalt der Kuba-, Siam- und Philippinenkrokodile kümmern. „Da in der Natur nur noch knapp 100 Philippinenkrokodile leben, soll auf den Philippinen der Bau neuer Auswilderungsanlagen für Krokodile und einer weiteren Nachzuchtstation direkt im Auswilderungsgebiet finanziert werden“, heißt es von den „Zootier des Jahres“-Initiatoren. Zudem soll ein Zentrum für Umweltbildung entstehen und ein Konzept für nachhaltigen Tourismus in der Region umgesetzt werden.

In den Süßwassersümpfen Kubas haben Kubakrokodile ihr kleines Verbreitungsgebiet. Weil die Nachzuchtbemühungen der seltenen Krokodile erfolgreich verliefen, sollen nun wieder Kubakrokodile unter kontrollierten Bedingungen ausgewildert werden. Um die Biologie der Tiere weiter zu erforschen und sie vor illegaler Wilderei zu schützen, erhalten einige der Krokodile GPS-Sender.

Auch Siamkrokodile existieren nur noch in kleinen Populationen in Kambodscha, Laos und Thailand. Derzeit wird ein weiteres Restvorkommen auf Borneo vermutet, was nun mittels Umwelt-DNA aufgedeckt werden soll. Nur so können laut DTG noch rechtzeitig Schutzmaßnahmen für die bedrohten Krokodile eingeleitet werden.

Nützling mit Imageproblem

Krokodile leben bereits seit rund 200 Millionen Jahren nahezu unverändert auf der Erde. Die erfolgreichen Jäger haben es als vermeintliche „Menschenfresser“ schon in so manchen Hollywoodfilm geschafft, dabei übernehmen sie in ihren Ökosystemen eine wichtige Rolle für ihre Umwelt. „Da sie unter anderem Aas fressen, reinigen sie die Gewässer und anliegende Landflächen von Kadavern. Wenn sie jagen, haben sie es besonders auf schwache, verletzte und kranke Tiere abgesehen“, erklärt Viktoria Michel, Projektkoordinatorin der „Zootier des Jahres“-Kampagne. „Zudem regulieren sie die Bestände räuberischer Welse oder Piranhas, die sich ihrerseits von für den Menschen bedeutenden Speisefischen ernähren“, führt Michel aus. Entferne man Krokodile aus diesem Kreislauf, gerate das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen. „Durch den Ausfall der großen Jäger nehmen die Populationen der Raubfische zu und viele andere Organismen wie Bakterien, Algen, Krebstiere, Weichtiere oder Wasserinsekten verschwinden, weil sie auf die Hinterlassenschaften der Krokodile spezialisiert sind. Die bereits jetzt erkennbaren, negativen Auswirkungen auf die Ökosysteme in den Heimatländern der Krokodile machen ihren Schutz daher besonders wichtig“, betont Michel.

„Keine schwimmenden Handtaschen“

„Krokodile sind keine schwimmenden Handtaschen, sondern haben eine immens wichtige Aufgabe in ihren Ökosystemen“, meint auch Dr. Sven Hammer, stellvertretender Vorsitzender der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) und wird deutlich: „Es ist Zeit zu handeln, denn ohne akute Schutzmaßnahmen werden einige Krokodilarten bald gänzlich von unserem Planeten verschwinden. Die Menschen dringen bis heute immer weiter in den Lebensraum der Krokodile ein und töten sie, weil sie die Tiere als Gefahr für sich und ihre Haustiere ansehen. Ihr Fleisch und die Eier werden verzehrt, die Moschusdrüsen der Krokodile werden zur Parfümherstellung genutzt und weil Krokodile Fische fressen, gelten sie als darüber hinaus als Konkurrenten der Fischer.“

Zusätzlich dezimiere der Lebensraumverlust, etwa durch den Bau von Dämmen, sowie die zunehmende Wasserverschmutzung die Krokodilbestände. „An den Rand der Ausrottung brachte die Krokodile jedoch insbesondere die wachsende Nachfrage nach ihrer Haut, weil die Mode-Industrie anfing, daraus Handtaschen, Schuhe, Koffer, Gürtel und andere Waren herzustellen“, führt Hammer aus. „Viele Krokodilarten gelten daher als gefährdet und sechs Arten werden von der Weltnaturschutzunion bereits als ,von der Ausrottung bedroht‘ eingestuft.“

Das Philippinenkrokodil ist in freier Natur auf rund 100 Artgenossen geschrumpft. Foto: Ziegler/Kölner Zoo

Das Philippinenkrokodil ist in freier Natur auf rund 100 Artgenossen geschrumpft. Foto: Ziegler/Kölner Zoo

Die Kubakrokodile haben ihren natürlichen Lebensraum in den kubanischen Süßwassersümpfen. Foto: Zoo Hoyerswerda

Die Kubakrokodile haben ihren natürlichen Lebensraum in den kubanischen Süßwassersümpfen. Foto: Zoo Hoyerswerda

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