04.01.2020, 09:00 Uhr

Tierpark Nordhorn baut Artenschutzaktivitäten weiter aus

Zu seinem 70. Geburtstag baut der Tierpark Nordhorn seine schon jetzt umfassenden Arten- und Naturschutzaktivitäten weiter aus. Hierzu führt der Tierpark den sogenannten „Artenschutzeuro“ ein.

Fast ausgerottet, nun auf einem guten Weg – das inoffizielle „Wappentier“ der Grafschaft Bentheim, das Bunte Bentheimer Schwein. Foto: Franz Frieling

Fast ausgerottet, nun auf einem guten Weg – das inoffizielle „Wappentier“ der Grafschaft Bentheim, das Bunte Bentheimer Schwein. Foto: Franz Frieling

Mit dem im Eintritt integrierten Artenschutzeuro beteiligt sich in Zukunft jeder Besucher direkt am Schutz von Umwelt und Natur. Weltweit verschwinden Tierarten für immer von der Bildfläche. Das Artensterben ist neben den Klimaveränderungen die große Umweltkatastrophe unserer Zeit. Oftmals geschieht die Ausrottung dieser Arten still und schleichend. Auch deshalb, weil viele dieser hochgefährdeten Tierarten klein und unscheinbar sind. Aber auch echte Charaktertierarten sterben aus. Im März 2018 starb mit „Sudan“ das letzte männliche nördliche Breitmaulnashorn. Und jetzt im November 2019 starb auch noch das letzte Sumatra-Nashorn auf Malaysia. Damit gibt es dort keine Nashörner mehr.

Aber man muss nicht in die Ferne schweifen, auch hierzulande gibt es Tierarten, die es schwer haben und die nach Ansicht des Tierpark Nordhorn deutlich mehr Aufmerksamkeit und Schutz bekommen sollten. So engagiert sich der Tierpark seit Jahren für die bedrohten Wildbienen und Insekten und die Bodenbrüter, die es auch in der Grafschaft schwer haben. Die natürlichen Lebensräume vieler Tiere werden für Straßen und Ackerflächen zurückgedrängt. Illegale Jagd und Wilderei dezimieren die Bestände vieler Arten zusätzlich. Im kürzlich vorgelegten Bericht des Weltbiodiversitätsrates IBPES wird dargelegt, dass von den acht Millionen Tier- und Pflanzenarten rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind. Jeder Mensch verursacht einen gewissen Verbrauch an Ressourcen. Oftmals liegt dieser Verbrauch über der Nachhaltigkeitsgrenze. Deshalb möchte der Tierpark seine Anstrengungen auf dem Gebiet des Arten- und Naturschutzes zusammen mit den Besuchern ausweiten und konkrete Artenschutzprojekte umsetzen.

„Artenschutz ist unser Auftrag“, formuliert Zoodirektor Dr. Nils Kramer sein strategisches Ziel. „Mit dem Artenschutzeuro können wir gemeinsam noch mehr erreichen. Wir müssen die Tiere und ihre Lebensräume schützen und ihnen echte Perspektiven geben.“ Aus Sicht des Nordhorner Familienzoos ist es deshalb dringend erforderlich, die bereits bestehenden Maßnahmen weiter zu verstärken und die Besucher in diese Aktivitäten mit ein zu beziehen. Mehrere hunderttausend Euro wendet der Tierpark Nordhorn schon jetzt jährlich für seine Arten- und Naturschutzaktivitäten außerhalb des Zoos auf. In diese Summe ist die Tierhaltung und Erhaltungszucht hoch bedrohter Arten wie dem Nordpersischen Leoparden im Zoo selbst noch nicht mal mit eingerechnet, sondern betrifft vor allem die Aktivitäten im internationalen und regionalen Arten- und Naturschutz.

Insbesondere der regionale Arten- und Naturschutz ist ein großer Schwerpunkt der inhaltlichen Arbeit des Tierpark Nordhorn. Mit rund 170 Hektar betreut der Tierpark eine sehr große Fläche an schützenswerten regionaltypischen Lebensräumen. Nur durch die stetige Beweidung kann eine Kulturlandschaft wie die Wacholderheide für die Pflanzen und Tiere erhalten und damit wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen bleiben. Auch das „inoffizielle Wappentier“ der Grafschaft Bentheim, das Bunte Bentheimer Schwein, oder das Bentheimer Landschaf sind bedrohte Tierarten, um deren Erhalt sich der Tierpark stark bemüht. Neben seinen Aufgaben als regionalem Arten- und Naturschutzzentrum engagiert sich der Tierpark auch international. Sei es durch die Erforschung der Erhaltungszucht bedrohter Tierarten wie der Erfolg beim Nordpersischen Leoparden, als 2014 weltweit das erste Mal mittels künstlicher Besamung Jungtiere zur Welt kamen oder bei Projekten wie dem „Zootier des Jahres“ oder „Rettet den Drill“, die den natürlichen Lebensraum der Tiere in deren Heimat schützen.

Besonders froh ist man im Nordhorner Familienzoo, dass die Tierpark Nordhorn gGmbH wirtschaftlich gut aufgestellt ist. So können trotz der allgemeinen Kostensteigerungen die eigentlichen Eintrittspreise für 2020 stabil gehalten werden, sodass tatsächlich nur der neue „Artenschutzeuro“ fällig wird. Der Tierpark Nordhorn möchte mit dem Artenschutzeuro seine Schwerpunkte im regionalen und auch internationalen Artenschutz ausbauen, gleichzeitig auch neue ermöglichen und fördern. Darüber hinaus sollen im Hinblick auf den Artenschutz auch die Themen Bildung und Forschung weiter vorangetrieben werden, um das Wissen über die Tiere und ihre Lebensräume zu vergrößern. Die Besucher sollen ebenfalls eigene Schwerpunkte für die Verwendung des Artenschutzeuros setzen können und so aktiv am Schutz der Umwelt teilnehmen. „Mit dem Artenschutzeuro stellen wir zum 70. Geburtstag des Tierparks eine wichtige Weiche für unsere inhaltliche Arbeit der nächsten Jahre“, so Dr. Nils Kramer. Weitere Informationen zum „Artenschutzeuro“ gibt es unter www.tierpark-nordhorn.de.

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