05.05.2021, 15:05 Uhr

Tierpark-Gesellschaft warnt vor „Zoosterben auf Raten“

Die niedersächsische Landesregierung plant eine generelle Testpflicht für Zoobesucher. Foto: Frieling

Die niedersächsische Landesregierung plant eine generelle Testpflicht für Zoobesucher. Foto: Frieling

Nordhorn Die Deutsche Tierpark-Gesellschaft kritisiert Pläne, in Niedersachsen eine von der Inzidenz unabhängige Testpflicht für Zoobesucher einzuführen. „In den letzten Wochen haben die Zoos in Niedersachsen gezeigt, dass sie eine wichtige soziale Funktion in der Überwindung der Pandemie haben und sehr verantwortungsvoll mit der Öffnung umgehen“, betont Dr. Nils Kramer, Vizepräsident der Deutschen Tierparkgesellschaft (DTG) und fügt hinzu: „Zoos haben bewährte Hygienekonzepte und das Infektionsrisiko an der frischen Luft ist nahezu Null.“

Aus diesem Grund reagieren die Zoovertreter in Niedersachsen laut Kramer auch „mit Entsetzen und großer Verwunderung“ darauf, dass die Landesregierung angesichts der geplanten Lockerungen nun bei den Zoos und Tierparks das genaue Gegenteil umsetzen will.

Strenger als die „Notbremse“

Sah die Landesverordnung seit der Öffnung der Zoos Anfang März keine Testpflicht für das Betreten von Zoos vor, soll dies nun, wo Lockerungen für viele Bereiche eingeführt werden sollen, als völlig neue Maßnahme bei den Zoos aus dem Hut gezaubert werden. Dabei sieht die bundesweite „Notbremse“ bereits eine Testpflicht bei Inzidenzen über 100 vor. „Im nun vorliegenden Entwurf der geplanten vermeintlichen Lockerungen soll nun plötzlich bei jedem Besuch ein Test vorgeschrieben werden. Dies ist eine echte und völlig unnötige Verschärfung der Maßnahmen für Zoos zur Unzeit“, kritisieren die Zoovertreter, die sich in einem offenen Brief an die Landesregierung gewandt haben. „Diese Maßnahme ist weder angemessen noch verhältnismäßig“, heißt es darin.

„Testpflicht gefährdet die Wirtschaftlichkeit“

Vor allem stelle sie die Zoos vor „unlösbare“ wirtschaftliche Probleme. „Die Erfahrungen in Niedersachsen und in den anderen Bundesländern zeigen, dass mit Einführung der Testpflicht die durch die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung eh schon sehr stark reduzierten Besucherzahlen auf fünf bis 30 Prozent zurückgehen“, zeigt Kramer auf. Damit sei kein Zoo wirtschaftlich zu betreiben, „zumal die Zoos sich aktuell eigentlich in ihrer Hochsaison befinden und als Saisonbetriebe auch die Reserven für den Winter anlegen müssten“. Der Aufwand, einen Zoobetrieb zu öffnen, sei immens, auch wenn nur ein Besucher kommt.

„Aufgrund der Vorgaben kommen dann jeden Tag viel zu wenig Gäste, und die Zoos und Tierparks haben dadurch keine Chance auch nur den jeweiligen Tag wirtschaftlich zu überstehen“, sind sich die Zoovertreter einig.

Deshalb fordern die niedersächsischen Zoos, die bisherigen Regelungen beizubehalten und damit eine wirtschaftliche Perspektive zu geben, und betonen: „Ansonsten bedeuten die vermeintlichen Lockerungen ein Zoosterben auf Raten.“

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