19.03.2021, 09:11 Uhr

Tierische Neuzugänge im Nordhorner Familienzoo

Amurleopard „Baikal“ aus dem Tiergarten Schönbrunn in Wien. Foto: Franz Frieling

Amurleopard „Baikal“ aus dem Tiergarten Schönbrunn in Wien. Foto: Franz Frieling

Nordhorn Neben der neuen Tierart „Litschi-Wasserböcke“ auf der Afrikaanlage gibt es zwei weitere interessante tierische Neuigkeiten im Tierpark am Heseper Weg. So zog vor etwa vier Wochen der Amurleopard „Baikal“ aus dem Zoo Schönbrunn von Wien in die Grafschaft Bentheim.

Die Wiener suchten dringend ein neues Zuhause für den drei-jährigen Kater, da dieser aus dem „Revier“ seiner Eltern weichen musste. Es ist typisch für die überwiegend einzelgängerisch lebenden Leoparden, dass Jungtiere, egal ob männlich oder weiblich, mit Eintritt der Geschlechtsreife aus dem elterlichen Revier vertrieben werden – häufig schon mit 1,5 bis 2 Lebensjahren. Die beiden Großkatzen in Österreich, die sogar einträchtig als Paar zusammenleben, haben es somit schon lange zusammen mit ihrem Sprössling ausgehalten. Mit der Ankunft von „Baikal“ beginnt nun im Tierpark Nordhorn eine neue Leoparden-Ära.

In den vergangenen Jahren hat sich der Zoo sehr erfolgreich um die Haltung und Zucht der Nordpersischen Leoparden bemüht – einer bedrohten Leopardenunterart aus Vorderasien. Einen in der Zoogemeinschaft viel beachteten Erfolg konnte im Jahr 2014 erzielt werden. Zum ersten Mal weltweit wurden im Tierpark Nordhorn zwei junge Nordpersische Leoparden nach künstlicher Besamung geboren.„Nachdem das recht betagte Nordpersische Zuchtpaar 2019 beziehungsweise 2020 kurz hintereinander gestorben war, stand für uns fest, dass wir uns weiterhin an der Erhaltungszucht von bedrohten Leoparden beteiligen wollen. Allerdings wechselten wir nun auf eine andere Unterart, die im Freiland unmittelbar vor der Ausrottung stehenden Amurleoparden“,erklärt Kurator und Inspektor Dr. Dirk Wewers weiter. Mit nur etwa 100 Exemplaren, die ausschließlich noch im Grenzgebiet von Sibirien und China leben, ist der Amurleopard die seltenste Großkatzenart der Erde.

Fast wäre sie durch starke Bejagung und Lebensraumverlust ganz verschwunden, denn vor 20 Jahren zählte man keine 30 Tiere mehr. Nur durch ein strenges Schutzprogramm und die Gründung eines Nationalparks gelang es, die Zahl bis heute fast zu vervierfachen. Auch die Zoos weltweit beteiligen sich an dem Schutz dieser schönen Großkatze. So haben sich global etwa 100 Zoos mit knapp über 200 Amurleoparden dem Erhaltungszuchtprogramm angeschlossen. Über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm kam nun der junge Kater „Baikal“ in den Tierpark Nordhorn. Er bezog die alte Leopardenanlage, die ein wenig umgebaut wurde. So konnte zum Beispiel die Trennung in zwei Außengehege entfernt werden, da „Baikal“ das Gehege alleine bewohnen wird. Im Rahmen einer Leopardenkampagne sammeln der Tierpark und der Förderverein Tierpark Nordhorn bereits seit einigen Jahren Spenden für den teuren Neubau einer Leopardenanlage als Ersatz für das in die Jahre gekommene Gehege. Der Neubau wird auf einem Teil der Afrikaanlage realisiert werden. Die ersten Baumaßnahmen in Form von Rückbau wurden bereits getätigt. Durch die Corona-Pandemie musste dieArbeit auf der Baustelle vorübergehend eingestelltt werden. Wenn der Tierpark aber hoffentlich länger für Besucher geöffnet bleibt, wird in absehbarer Zeit mit den Wegebaumaßnahmen begonnen. Sobald die neue Leopardenanlage fertiggestellt ist, wird der hübsche, junge Kater eine Partnerin aus einem anderen europäischen Zoo erhalten und die beiden werden hoffentlich in Nordhorn zur Erhaltung der Amurleoparden beitragen.

Neben dem neuen Kater gab es weiteren männlichen Raubtierzuwachs im Familienzoo. In diesem Fall bei den Wasserraubtieren – den Seehunden. Nachdem das eigentliche Zuchtmännchen „Arjen“ an den Folgen einer Lungenentzündung im vergangenen Jahr verstarb, waren die beiden Seehunde-Damen „Rita“ und „Didi“ alleine. Während „Rita“ mit 35 Jahren schon ziemlich betagt ist, befindet sich „Didi“ mit ihren 25 Jahren noch im besten Seehundealter. Damit es zukünftig wieder Seehundenachwuchs in Nordhorn geben kann, zog nun mit „Jolo“ ein junger Seehundebulle aus Augsburg in die Wohngemeinschaft im Seehundebecken. Da der Bulle erst ein Jahr und acht Monate alt ist, hat er noch einen gewissen Jungtierschutz und wurde von den beiden Damen neugierig begrüßt. Bis er sich zum Zuchtbullen mausern wird, dauert es voraussichtlich noch zwei bis drei Jahre, denn männliche Tiere werden in der Regel erst im Alter von fünf Jahren geschlechtsreif. Zur Zeit macht „Jolo“ den Tierpflegern und Besuchern eine Menge Freude. Er zeigt sich gerne an der Unterwasserscheibe und ist auch am Training durch die Pfleger sehr interessiert. „Mit „Jolos“ Ankunft in Nordhorn ist die alte Gruppengröße von einem Männchen und zwei Weibchen bei uns endlich wieder erreicht und durch den quirligen Bullen richtig Leben in der Bude. Es macht viel Spaß, dem Jungbullen beim Training die ersten Dinge beizubringen. Er ist sehr gelehrig“, berichtet der niederländische Tierpfleger und Revierleiter Tom ten Tusscher. Auch die Seehundeanlage in Nordhorn gehört zu den älteren Anlagen, die in Zukunft vergrößert und modernisiert werden soll. Da für den Neubau der Leoparden- und Seehundeanlagen jedocheine Summe in siebenstelliger Größenordnung benötigt wird, wird sich die Umsetzung noch ein paar Jahre hinziehen. Auch die Coronapandemie hat leider durch die massiven Einnahmeverluste zu Verzögerungen bei den Baumaßnahmen geführt. An den Vorhaben hält die Geschäftsleitung des Zoos aber unbeirrt fest. Möglichkeiten zur Unterstützung des Tierparks sind auf einer eigenen „Unterstützerseite“ aufgeführt und auf www.tierpark-nordhorn.de/wir-sind-zoounterstuetzung- fuer-den-tierpark/ zu finden.

Der Familienzoo ist seit dem 8. März wieder für Besucher geöffnet. Für einen Besuch ist der Kauf eines Onlinetickets für den Vormittag oder Nachmittag erforderlich. Alle erforderlichen Details sind auf der Homepage des Familienzoos auf www.tierpark-nordhorn.de zu finden. Tickets können im Onlineshop auf https://shop.tierpark-nordhorn.de/ erworben werden.

Seehundbulle „Jolo“ aus dem Augsburger Zoo. Foto: Franz Frieling

Seehundbulle „Jolo“ aus dem Augsburger Zoo. Foto: Franz Frieling

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