30.08.2021, 15:55 Uhr

THW Nordhorn im Einsatz in der Eifel

Mitglieder des THW beim Betanken der Netzersatzanlage. Foto: THW

Mitglieder des THW beim Betanken der Netzersatzanlage. Foto: THW

Nordhorn Kurz nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Mitte Juli errichtete das Technische Hilfswerk (THW) unter anderem am Nürburgring einen Bereitstellungsraum (BR) für Einsatzkräfte.

Einen BR zu errichten ist ein übliches Vorgehen bei Großschadenslagen, um gebündelt eine große Anzahl an Einheiten in der Nähe unterbringen zu können. Von dort aus fuhren hunderte Helferinnen und Helfer rund um die Uhr in die Einsatzgebiete, zum Beispiel ins Ahrtal. Nach zirka drei Wochen musste das Camp auf nahe gelegene Parkplatzflächen des Nürburgrings umziehen, da mit einer noch längeren Einsatzdauer gerechnet wird und die bisherigen Flächen nicht mehr zur Verfügung standen. Im laufenden Betrieb des BR und der Einsätze wurde nun eine neue Zeltstadt errichtet.

Hierzu kamen vor Kurzem zehn Helfer vom THW Ortsverband (OV) Nordhorn zum Einsatz, um die Infrastruktur des Camps mit auszubauen. Der allgemeine Einsatzschwerpunkt des THW hat sich von der Gefahrenabwehr zur temporären Wiederherstellung von Infrastruktur verlagert. In der Region sind täglich noch immer hunderte Helferinnen und Helfer im Einsatz. Diese helfen unter anderem bei der Reparatur von Versorgungsleitungen, stellen Trinkwasser bereit und bauen Behelfsbrücken.

Nach regelmäßigen Abfragen der Einsatzbereitschaft auch für den Ortsverband Nordhorn war es dann so weit soweit. Am Vormittag fuhren sechs Nordhorner Helfer der Fachgruppe Elektroversorgung (Fgr. E) in Richtung Eifel. Mit dabei der Lastwagen der Fachgruppe und eine Netzersatzanlage 200 kVA sowie ein Mannschaftstransportwagen (MTW) mit einem Lichtmastanhänger. Der Einsatzauftrag lautete: Ausbau der Infrastruktur und Elektroversorgung im Feldlager des Bereitstellungsraumes.

Die Helfer wurden der Stelle „Infrastruktur“ des Camps unterstellt, deren Aufgabe es war, die elektrische Versorgung der Zeltstadt zu planen und auszuführen. Da der Bereitstellungsraum noch für mehrere Wochen zur Verfügung stehen soll, war es notwendig, elektrische Leitungen in den jeweiligen erforderlichen Dimensionen zu verlegen. Verschiedene THW-Fachgruppen können dank bundesweit gleichem Aufbau problemlos überregional zusammenarbeiten, wie hier die Fachgruppen „Elektroversorgung“ und „Infrastruktur“. Diese Vorteile ließen sich bei der Errichtung des Bereitstellungsraumes ebenfalls in allen Bereichen nutzen.

Zusammen mit Elektrofachkräften aus anderen Ortsverbänden verlegten die Helfer in den ersten zwei Tagen mehrere100 Meter Leitungen in der Stärke von 150 Quadratmillimetern in Einzeladern zu mehrfachen Bündeln. Die Leitungen waren als Rohlänge auf in diesem Bereich handelsüblichen Holzkabeltrommeln angeliefert worden, von denen einzelne je über zwei Tonnen wogen. Diese konnten nur mit der Hilfe eines Radladers bewegt werden. Die Leitungen wurden zu Stücklängen von zu je 50 Metern verarbeitet und mit wasserdichten Steck-Dreh-Verbindern, welche beispielsweise auch in der Industrie und Veranstaltungstechnik zum Einsatz kommen, versehen. Bei Temperaturen um 30 Grad Celsius kein einfacher, aber am Ende erfolgreicher Auftrag für die Helfer. Nach Verlegung der Leitungen konnten die Verteilerschaltschränke des Camps bestückt und letztendlich alle Bereiche mit Strom versorgt werden. Für die Dauer dieser Arbeiten wurde zuvor die Nordhorner Netzersatzanlage als Überbrückung zwischengeschaltet.

Neben regelmäßigen Überwachungsaufgaben der elektrischen Anlagen des Bereitstellungsraumes wurde als nächster Auftrag eine Überdachung für die Warenannahme des Küchenzeltes errichtet. In der Zwischenzeit waren für diese und andere Aufgaben zusätzlich Helfer der Fachgruppe Notversorgung/Notinstandsetzung (Fgr. N) aus Nordhorn im Bereitstellungsraum eingetroffen. Zusammen mit Helferinnen und Helfern der Ortsverbände Papenburg und Meppen wurde aus dem Einsatzgerüstsystem (EGS) ein Tragwerk für ein späteres Dach vorbereitet. Dieses sollte den Bereich zwischen einem großen Küchenzelt, der Essensausgabe sowie den Kühl- und Lagercontainern vor Witterung schützen. Auf der Gerüstkonstruktion wurde ein Dach aus Holzbalken, Bohlen und Holzplatten errichtet. Abgedichtet wurde dieses mit einer dicken Kunststofffolie.

Als die Aufgaben im Feldlager abgearbeitet waren, ging es für die Nordhorner und einige Papenburger Helfer per Einsatzauftrag direkt in das Hochwasserschadensgebiet nach Bad Neuenahr. Im Keller eines Schulgebäudes fanden Arbeiten zur Wiederinbetriebnahme eines Fernwärme-Netzes statt, dessen Anlagen mehrere Schulgebäude und öffentliche Einrichtungen verbindet. Die Helfer unterstützen hier bei der Entfernung von Isolation an den Rohrleitungen. Diese war durch das Hochwasser nass und unbrauchbar geworden und musste komplett entfernt werden. Des Weiteren schalteten sie auch die Fernwärme an dem Gebäudekomplex wieder frei, um eine bessere Trocknung der Räume zu ermöglichen.

Nachdem diese Arbeiten erledigt waren, wurde an einer anderen Schule in er Nähe noch eine Regenwasserzisterne ausgepumpt, damit diese beim nächsten Regen weiteres Wasser aufnehmen kann. Die dazugehörige Steuerungselektronik war durch Wasser und Schlamm zerstört worden, und neue Regenmengen drohten, weitere Schäden an den noch bestehenden Gebäuden zu verursachen.

Am vergangenen Wochenende kehrten alle Nordhorner Helfer wieder nach Hause zurück. Im Nachgang wurden die Fahrzeuge und die eingesetzte Ausrüstung wieder einsatzbereit gemacht. Der Einsatz des THW im Landkreis Ahrweiler dauert immer noch an. Weitere Einsatzaufträge für die Helferinnen und Helfer des THW OV Nordhorn sind daher nicht ausgeschlossen.

Bereitstellungsraum

Das Bilden eines Bereitstellungsraumes ist ein übliches Vorgehen bei Großschadenslagen. Das System „Bereitstellungsraum 500 (BR 500)“ des Technischen Hilfswerks (THW) ist ein Konzept zur Unterbringung von 500 und mehr Einsatzkräften bei länger andauernden Großschadenslagen. Das System besteht aus mehreren Komponenten, deren Kernelement die Herrichtung von Übernachtungsmöglichkeiten für Helferinnen und Helfer, aber auch für andere Einsatzkräfte, ist. Hierbei kann im Ernstfall ein Feldlager, bestehend aus Zelten und Containern, auf „der grünen Wiese“ errichtetet werden.

Je nach Situation und Erkundungsergebnissen im Anforderungsfall, können aber auch Messehallen, Schulen oder andere öffentliche Einrichtungen genutzt werden. Im ersten Fall bringen die zugehörigen THW-Einheiten von Verpflegungszelt über Sanitärcontainer und Werkstätten bis hin zur Trinkwasseraufbereitung alles mit. Somit bietet das System ein Basislager für Einsatzkräfte, die von dort in einen Einsatz fahren. Im aktuellen Fall im Landkreis Ahrweiler kamen bereits tausende Einsatzkräfte im Bereitstellungsraum am Nürburgring unter. Dieses Camp wurde nun verlegt und weiter ausgebaut, da mit einer länger andauernden Einsatzzeit gerechnet wird.

Das System kann auch in Teilbereichen zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel in der Vergangenheit beim „Moorbrand“ in Meppen im Jahr 2018 oder zu Übungszwecken beim THW-Bundesjugendzeltlager 2019 in Rudolstadt (Thüringen).

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