13.06.2022, 16:52 Uhr

Themenfeld „Trans*Gender“ beschäftigt Gleichstellungsbeauftragte

Anlässlich der Aktionen zum „Pride Month“ haben die Gleichstellungsbeauftragten der Region Weser/Ems-Süd an einem Seminar unter der Leitung von Freyja Pe* von Rüden und Markus Chmielorz teilgenommen. Foto: Stadt Nordhorn

Anlässlich der Aktionen zum „Pride Month“ haben die Gleichstellungsbeauftragten der Region Weser/Ems-Süd an einem Seminar unter der Leitung von Freyja Pe* von Rüden und Markus Chmielorz teilgenommen. Foto: Stadt Nordhorn

Zu einer Fortbildung mit dem Thema „Trans*Gender in der Gleichstellungsarbeit“ haben sich die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten der Region Weser/Ems-Süd getroffen. Eingeladen hatte Anja Milewski, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nordhorn und Regionalkoordinatorin. Anlass waren die weltweiten Aktionen zum „Pride Month“ im Juni, an denen sich unter anderem das Jugendzentrum der Stadt Nordhorn beteiligt.

Das Seminar wurde von Freyja Pe* von Rüden und Markus Chmielorz geleitet. Beide sind für die Trans*Beratung Weser-Ems des Vereins Trans*Recht tätig. Die Trans*Beratung Weser-Ems ist eine der wenigen hauptamtlich arbeitenden Beratungsstellen im ländlichen Raum. Von Rüden und Chmielorz informierten die Gleichstellungsbeauftragten über zentrale Begriffe und Definitionen im Zusammenhang mit Transgeschlechtlichkeit. Außerdem ging es um die Bedeutung gendersensibler Sprache. Dazu gehört unter anderem der Einsatz des sogenannten „Gendersternchens“ als Platzhalter für alle Geschlechtsidentitäten in der Schriftsprache.

Ein weiterer wichtiger Themenbereich für die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten war die rechtliche Einordnung der Transgeschlechtlichkeit. Laut Rechtsprechung fällt die Diskriminierung aufgrund von Transgeschlechtlichkeit unter das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Solche Fälle gehören daher auch zum Aufgabenbereich der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten.

Im Rahmen der Fortbildung wurde deutlich, dass die Gleichstellungsbeauftragten der Region bisher kaum praktische Erfahrungen mit Transpersonen gemacht haben. „Es herrscht eine große Unsicherheit darüber, wie diesen Personen kompetent und angemessen begegnet werden sollte“, stellt Milewski fest. Im Rahmen der eintägigen Fortbildung wurden daher auch die Bedürfnisse und möglichen Anliegen von Transpersonen im Arbeitsalltag thematisiert. „In den vergangenen Jahren ist das Thema Transgender in der Öffentlichkeit zunehmend sichtbarer geworden“, sagt Milewski. Jedes Jahr würden in der Region Weser-Ems rund 50 Personen ihren amtlichen Geschlechtseintrag ändern lassen. Die Akzeptanz der Gesellschaft für Menschen, die sich als transsexuell oder trans* bezeichnen, sei glücklicherweise ebenfalls gestiegen.

Dass Diskriminierungserfahrungen für Transpersonen aber nach wie vor Alltag sind, stellten die Referenten von Rüden und Chmielorz eindrucksvoll dar. Trotz überdurchschnittlicher Bildung hätten sie im Schnitt niedrigere Einkommen. Ausgrenzung am Arbeitsplatz sei ebenfalls ein Thema. In einigen Betrieben sollen Transpersonen keinen Kontakt mit den Kunden haben. Auch Kündigung aufgrund von Transgeschlechtlichkeit seien bereits vor Gericht gelandet. „Es ist ein wichtiges Themenfeld, mit dem sich nicht nur die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten auseinandersetzen müssen“, stellte Anja Milewski fest.

Weitere Informationen und Kontakte zu Beratungsstellen vermittelt Anja Milewski unter Telefon 05921 878-237 oder per E-Mail an anja.milewski@nordhorn.de.