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17.09.2019, 15:00 Uhr

Theater der Obergrafschaft zeigt „Aus dem Nichts“

Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Film von Fatih Akin.

Theater der Obergrafschaft zeigt „Aus dem Nichts“

Anna Schäfer spielt die kämpferische Katja. Foto: Bernd Brundert

„Aus dem Nichts“ ist ein meisterhafter Rachethriller vor dem Hintergrund der deutschen NSU-Morde, der auf ein provozierendes Ende hinausläuft. Die Parallelen zu der Mordserie von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sowie zum anschließenden NSU-Prozess liegen auf der Hand. Die rechtsradikalen Terroristen ermordeten zehn Menschen und verübten Raubüberfälle und drei Sprengstoffanschläge. Die Polizei tappte jahrelang im Dunkeln und suchte im Umkreis der sowieso schon traumatisierten Opfer nach den Tätern, oder - noch schlimmer - machte die Opfer zu Tätern. Niemand vermutete die Täter im rechten Milieu.

Es gab in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nur vier Prozesse, die international für Aufsehen sorgten und als Meilensteine der Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit gelten: die Nürnberger Prozesse, die Auschwitz-Prozesse, die Stammheim-Prozesse und der Münchner NSU-Prozess 2013-2018. Der renommierte Filmemacher Fatih Akin brachte 2017 die rechtsextremistisch motivierten (NSU)-Morde in Deutschland aus Sicht der Hinterbliebenen in die Kinos. Jetzt erobert dieser emotional berührende Stoff über den Umgang des deutschen Rechtsstaats mit Opfern und Tätern von Neonazi-Verbrechen die Theater.

An einem Nachmittag bringt Katja ihren kleinen Sohn Rocco ins Büro ihres deutsch-kurdischen Mannes Nuri. Als sie am Abend zurückkehrt, sind beide tot. Eine vor dem Büro deponierte Nagelbombe hat alles zerfetzt. Katjas Welt hat sich aus dem Nichts heraus für immer verändert.

Vor dem Anschlag hatte sie am Tatort eine junge Frau gesehen, die ihr mit einem schwarzen Behälter bepacktes Fahrrad an einer Laterne abstellte. Doch, statt diese Spur zu verfolgen, stürzt sich die Polizei lieber auf Nuris Dealer- beziehungsweise Gefängnis-Vergangenheit und ermittelt im Rotlichtmilieu. Doch dann gehen ihnen zufällig die wahren Täter ins Netz. Aber trotzdem entwickelt sich der Prozess anders als Katja erhofft. Durch eine perfide Strategie gelingt es dem Verteidiger der Angeklagten, die eindeutigen Indizien infrage zu stellen und den Prozess zu deren Gunsten zu entscheiden. Die Angeklagten werden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Gedemütigt und entsetzt beschließt Katja, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen.

„Aus dem Nichts“ zieht den Zuschauer in einen seelischen und moralischen Konflikt von schier antiker Wucht hinein und macht das Thema zu einem eindringlichen berührenden Drama. Der erste OSCAR-nominierte Film als Theaterstück erhielt 2018 den Golden Globe und den Deutschen Filmpreis für das beste Drehbuch und das Prädikat: besonders wertvoll.

Am Donnerstag, 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit), 19.30 Uhr, kommt das Stück im Theater der Obergrafschaft zur Aufführung.

Karten gibt es in den Vorverkaufsstellen in Schüttorf im Pluspunktbüro und in der Buchhandlung Moldwurf, in Bad Bentheim in der Touristikinformation, in Nordhorn in Georgies LP-CD-Laden sowie im Internet unter www.theater-der-obergrafschaft. de.