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12.05.2019, 00:02 Uhr

Tatort: Das Monster von Kassel

Im neuen „Tatort“ muss Frankfurts Ermittlerduo nach Kassel. Doch der Krimi mit Provinz-Witzen verwandelt sich schnell in einen Psychothriller. Das liegt vor allem an einem der Darsteller.

Tatort: Das Monster von Kassel

Constanze Lauritzen (Christina Große, l-r), Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) in einer Szene des Krimi "Tatort: Das Monster von Kassel". Foto: Umut Dag/HR/ARD

dpa Kassel/Frankfurt Eine Schnitzeljagd mit Leichenteilen, Witze über die nordhessische Provinz und die „MeToo“-Debatte: Mit diesem ungewöhnlichen Mix schickt der Hessische Rundfunk sein Ermittlerduo Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) in den nächsten „Tatort“ aus Hessen.

Dass sich daraus trotzdem gute Krimi-Kost entwickelt, liegt am niederländischen Darsteller Barry Atsma, der vielen Zuschauern im vergangenen Jahr schon in der preisgekrönten ZDF-Serie „Bad Banks“ aufgefallen ist. Diesmal liefert er sich als Talkshowmoderator Maarten Jansen ein packendes Psychoduell mit Hauptkommissarin Janneke.

Das „Monster von Kassel“ heißt die „Tatort“-Folge, die das Erste am Sonntag (12. Mai) um 20.15 Uhr zeigt. Wer das Monster ist, wird schon nach wenigen Minuten klar: Im strömenden Regen zerhackt eine Gestalt eine Leiche. Die Teile des Körpers tauchen kurz darauf an verschiedenen Orten auf: einige in Frankfurt, andere später in Nordhessen. Schnell finden die Ermittler heraus, dass es sich bei dem Opfer um den 17-jährigen Stiefsohn des bekannten Kasseler Talkmasters Maarten Jansen handelt.

Für das Frankfurter Ermittlerduo bedeutet das: „Auf nach Kassel“ wie es der Chef der Mordkommission Fosco Cariddi (Bruno Cathomas) formuliert - in Anlehnung an den Ruf „Ab nach Kassel“, mit dem einst Napoleon III. nach Nordhessen geschickt wurde.

Zuvor wird allerdings noch das Klischee von „Hessisch-Sibirien“ bedient. Weil es in Nordhessen angeblich stets kalt ist und regnet, versorgt Brix' Vermieterin Fanny (Zazie de Paris) die Ermittler mit Regenschirmen. In Kassel erwartet die Polizisten dann allerdings eine Hitzewelle.

Ermittelt wird fortan mit Schweißfleck auf dem Hemd. Im Polizeipräsidium in Kassel drehen sich unentwegt die Ventilatoren. Dort finden Janneke und Brix auch Unterstützung durch die Kasseler Polizistin Constanze Lauritzen (Christina Große), die das Interesse von Brix weckt. Die Ermittlungen treibt der Hauptkommissar vor allem auf dem Fahrrad voran.

Da für den Zuschauer die Frage nach dem „Wer?“ schnell beantwortet ist, konzentriert sich der „Tatort“ auf die Frage „Warum?“. Dabei verlagert Regisseur Umut Dağ, der 2018 den Tatort „Sonnenwende“ inszenierte, das Geschehen vor allem auf zwei Orte: In der Villa des Talkmasters zeigen sich Risse in der heilen Familienwelt, während die Presse das Haus belagert. Und in einem Verhörraum vernimmt Kommissarin Janneke den Talkmaster.

Jansen-Darsteller Atsma spielt den TV-Star als Soziopathen. Er ist nach außen ein beliebter TV-Star mit viel Empathie, im Inneren aber eiskalt. Jansen ist es gewohnt, jede Situation zu kontrollieren und zu manipulieren. Selbst aus dem Verhör er Jansen eine Talkshow-Situation.

Doch bei Ermittlerin Janneke trifft er auf eine ebenbürtige Kontrahentin. Das ist vor allem mit Blick auf die Auflösung bedeutsam. Denn der Fall greift mit der „MeToo“-Debatte eines der größten gesellschaftlichen Themen der vergangenen zwei Jahre auf. Unter dem Schlagwort hatten vor allem Frauen weltweit Informationen über Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe veröffentlicht.

Dass der Zuschauer die Auflösung dennoch erst spät erahnt, ist das Verdienst des Drehbuchs von Stephan Brüggenthies und Andrea Heller. Das Finale ist dagegen nicht sehr realistisch - aber trotzdem fesselnd. Denn am Ende lässt das „Monster von Kassel“ alle Masken fallen.