16.09.2019, 22:00 Uhr

Studierhäuschen von Pastor Visch in neuem Glanz

Gebäude beim Pastorat ist aufwendig saniert worden.

Hier ist vermutlich die erste zusammenhängende Schrift zur Geschichte der Grafschaft Bentheim entstanden. Bei der offiziellen Vorstellung war auch die Urururenkelin von Pastor Visch, Dr. Ellen Lögters anwesend. Foto: Meistermann

Hier ist vermutlich die erste zusammenhängende Schrift zur Geschichte der Grafschaft Bentheim entstanden. Bei der offiziellen Vorstellung war auch die Urururenkelin von Pastor Visch, Dr. Ellen Lögters anwesend. Foto: Meistermann

Im kleinen Dorf Wilsum, in dem Pastor Wessel Friedrich Visch gewirkt hat, gibt es ein paar stumme Zeugen der Geschichte. Dazu gehört die große steinerne Grabplatte, die neben der reformierten Kirche liegt. Der Name des 1860 gestorbenen Pastors ist noch etwas zu lesen, der Rest der Inschrift nur noch in Fragmenten erhalten. Der Heimatverein hat vor vielen Jahren hier eine Gedenktafel angebracht.

Im Garten des Pastorats steht das kleine Häuschen, in dem Pastor Wessel Friedrich Visch viel studiert und geschrieben hat. Hier hat er offenbar sowohl die „Geschiedenis van het Graafschap Bentheim“ geschrieben als auch die meisten seiner etwa 6500 Predigten.

Am vergangenen Freitag ist das renovierte Häuschen mit einem kleinen Festakt der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Die Begrüßung der Gäste erfolgte durch Pastor Tjabo Müller von der evangelisch-reformierten Gemeinde Wilsum.

In seiner Ansprache würdigte er die Renovierung des Studierhäuschens als Beitrag zur Bewahrung des kirchlichen und kulturellen Lebens in der Gemeinde und zur Erinnerung an eine bedeutende Persönlichkeit, die im 18. und 19. Jahrhundert prägend für Wilsum war. Pastor Wessel Friedrich Visch war neben seiner Tätigkeit als Pastor auch als Heimatforscher, Archäologe, Schulinspektor und Streitschlichter tätig.

Darüber hinaus setzte er sich für die Errichtung einer Papiermühle ein und half in der Kartoffelkrise, als viele Menschen zu verhungern drohten, mit Hilfslieferungen aus den benachbarten Niederlanden. Die Kosten für die Renovierung, die im vergangenen Jahr unter der Regie des Architekten Johannes Hensen begonnen wurden, und in diesem Jahr ihren Abschluss fanden, betrugen 30.000 Euro. 9000 Euro steuerte die Volksbank Niedergrafschaft bei, jeweils 4000 Euro die Denkmalbehörden des Landkreises und des Landes Niedersachsen, und 8000 Euro das Geistliche Rentamt mit Sitz in Nordhorn. 5000 Euro kamen durch Spenden zusammen.

Aus Familienbesitz wurden zum Studierhäuschen Handschriften, eine Originalausgabe über die Grafschafter Geschichte, Fotos und Bibeln zur Verfügung gestellt, die in einer Vitrine aufgestellt worden sind. Nähere Informationen: tjabo.mueller@reformiert.de