23.03.2021, 14:10 Uhr

Stolpersteine mit QR-Codes: Geschichte zum Hören und Lesen

Machen auf die Aktion aufmerksam (von links): Lars Klukkert (Grafschafter Sparkassenstiftung), Lehrer Thorsten Wesker (GBS Grafschaft Bentheim), Schüler Tim Beniermann, Projektleiterin Erika Klanke und die stellvertretende Bürgermeisterin Jutta Bonge. Foto: privat

Machen auf die Aktion aufmerksam (von links): Lars Klukkert (Grafschafter Sparkassenstiftung), Lehrer Thorsten Wesker (GBS Grafschaft Bentheim), Schüler Tim Beniermann, Projektleiterin Erika Klanke und die stellvertretende Bürgermeisterin Jutta Bonge. Foto: privat

Nordhorn Seit vielen Jahren halten die Stadt Nordhorn und das Forum Juden/Christen die Erinnerungen an die Verbrechen der Nazi-Diktatur an den jüdischen Bürgern in Nordhorn aufrecht und organisieren Stadtführungen zu ihrer Geschichte. Anlaufpunkte sind jeweils die sogenannten Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. 2019 haben Schüler der Berufsfachschule „Informationstechnische Assistenten“ der Gewerblichen Berufsbildenden Schulen (GBS) Grafschaft Bentheim mit Unterstützung ihren Lehrern Inka Rohe, Thorsten Wesker und Kolja Strauss QR-Codes für fast alle Stolpersteine erstellt, die auf eine Webseite mit verschiedenen Informationen und einer interaktiven Karte führen. Diese digitalen Inhalte sind vor Kurzem erweitert worden. Wer sein Smartphone auf die QR-Codes richtet, erfährt nun auch in einer Hör- und Lesefassung inklusive Fotoreihen vom Leben, Leid und der Ermordung der jüdischen Bürger und Widerstandskämpfer. Für diese Erweiterung stellt die Grafschafter Sparkassenstiftung, die auch das erste QR-Code-Projekt gefördert hat, erneut mehr als 2800 Euro zur Verfügung.

Zukunftsfähige Informationsvermittlung

„Die Informationen als Hör- und Lesefassung mit Bebilderung zu integrieren, bedeutet, dass das Projekt nun nachhaltig ausgerichtet ist. Interessierte sind nicht mehr an die Zeiten der Stadtführungen gebunden“, verdeutlicht Lars Klukkert, Stiftungsrat der Grafschafter Sparkassenstiftung, bei der Spendenübergabe an Projektleiterin Erika Klanke. Sie freut sich über das Resultat des Gemeinschaftsprojektes mit den GBS, besonders über den ehrenamtlichen Einsatz des Schülers Tim Beniermann, der alle Daten für die Webseite der Stadt Nordhorn vorbereitet hat, dem Forum Juden/Christen im Kloster Frenswegen, der Stadt und der Sparkassenstiftung. „Die Informationen sind nun für die Zukunft gespeichert, können später einmal auch auf aktuellere Medien übertragen werden und bleiben so lange erhalten“, berichtet Klanke, die die Inhalte zu den Hör- und Lesebeispielen sowie Fotoreihen zu den Nordhorner Familien erarbeitet hat. Gerhard Naber hat die Daten zu den Gedenkorten hinzugefügt. Klanke und Naber sowie Mitglieder des Forums haben die Texte eingelesen.

Niederländische Übersetzung geplant

„Der Ort der Spendenübergabe wurde bewusst gewählt“, erzählt Klanke. „An der Prollstraße 5 in Nordhorn steht das sogenannte ,Judenhaus‘. Im ehemaligen Wohnhaus der jüdischen Familie Frank lebten die letzten sechs jüdischen Mitbürger Nordhorns, bevor sie sich am 11. Dezember 1941 auf die für sie ungewisse Reise in das Ghetto Riga machen mussten – dem sogenannten ,Ersten Bielefelder Transport“, der allen sechs Nordhornern den Tod brachte.“ Auch hierüber gibt es nun eine Hör- und Lesefassung mit Bebilderung.

Geplant ist laut Klanke, die eingesprochenen Texte auch ins Niederländische zu übersetzen, sodass auch grenzüberschreitend die „fatalen Beispiele aus unserer Lokalgeschichte medial zum Lesen, zum Hören und zum Ansehen für unsere niederländischen Nachbarn bereitgestellt werden können“, so die Projektleiterin.

Weitere Informationen sind auf www.nordhorn.de zu finden.

Die „Stolpersteine“ werden mit QR-Codes erweitert. Diese ermöglichen Stadtführungen zur jüdischen Geschichte während des Nationalsozialismus als Hör- und Lesefassung. Foto: privat

Die „Stolpersteine“ werden mit QR-Codes erweitert. Diese ermöglichen Stadtführungen zur jüdischen Geschichte während des Nationalsozialismus als Hör- und Lesefassung. Foto: privat

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