03.12.2021, 14:40 Uhr

Städtische Galerie zeigt Fotografie aus Indien

Dieser Mann mit einem Beatmungsgerät an seiner Seite ist an Covid 19 erkrankt und später gestorben. Foto: Tashi Tobgyal/IndianExpress

© TASHI

Dieser Mann mit einem Beatmungsgerät an seiner Seite ist an Covid 19 erkrankt und später gestorben. Foto: Tashi Tobgyal/IndianExpress

Nordhorn Gemeinsam mit der deutschen Fotografin Helena Schätzle, die seit Längerem auch in Indien zuhause ist, stellt die Städtische Galerie Nordhorn 10 Fotografinnen und Fotografen aus Indien vor und schafft ein Panorama von aktuellen Fotografien aus dem Alltag von Menschen, die sowohl in den großen Metropolen als auch auf dem Land leben. Diese Bilder zeigen sehr persönliche Blicke auf Menschen und ihr Umfeld sowie ihre Geschichten.

Der Begriff “dokumentarisch„ verrät bis heute die ungebrochene Lust, sich beim Betrachten von Fotos dem fotografischen Versprechen einer wahrheitstreuen Abbildung der sichtbaren Welt hinzugeben. Einiges an Überwindung kostet dagegen der Gedanke, dass man dabei jeweils die ganz spezielle Perspektive der fotografierenden Person einnimmt, mehr noch, dass Bilder ganz wesentlich von der jeweiligen wechselseitigen Beziehung zwischen den fotografierenden und fotografierten Menschen geprägt sind. Unter anderem deshalb hatten die Menschen in Europa und Nordamerika über viele Jahrzehnte keinen Zweifel daran, dass Bilder aus allen Erdteilen, die von Fotografinnen und Fotografen übermittelt wurden, ein unverstelltes, authentisches und allgemein verständliches Bild globaler Kulturen übermitteln können.

Doch diese Perspektiven blieben zumeist ‚westliche‘, weil in der Regel vom Entstehen des Bildes vor Ort bis zur Auswahl in den Bildredaktionen die gesamte Produktionskette die eigenen ästhetischen Vorstellungen ebenso wie die kulturellen Klischees bewusst oder unbewusst mit einbrachte.

Mit dieser Ausstellung macht die Städtische Galerie Nordhorn den Blick auf Land und Leute aus unmittelbarer Nähe sichtbar. Die Themen sind so vielfältig und engagiert wie die fotografierenden Persönlichkeiten. Sie reichen von der Situation von Frauen in der indischen Gesellschaft über das Schicksal von einfachen Arbeitskräften aus niedrigen Kasten, die Pflege von alten Ritualen oder die Träume von jungen Menschen bis hin zu aktuellen Beobachtungen des Alltags mit Covid-19. Im Ausstellungspavillon entsteht daraus ein räumliches Layout, das zum Flanieren einlädt, mit Lust auf persönliche Entdeckungen jenseits einer bloßen Suche nach kulturellen oder soziologischen Informationen. „Close Contact“ zeigt Bilder, die mehr als eine Berichterstattung sind, nämlich vielschichtige ästhetische Dialoge, die zu einer sensitiven Wahrnehmung herausfordern – und zur Bereitschaft, sich auf die Nähe des anderen Blicks einzulassen.

Die beteiligten Fotografen: Taha Ahmad, Deepti Asthana, Sharbendu De, Anuja Gupta, Indrajit Khambe, Palani Kumar, Sankar Sarkar, Taniya Sarkar, Tashi Tobgyal und Chinky Shukla.

Ausstellungsdauer: 11. Dezember bis 6. Februar 2022. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag 14 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Für Ausstellungsbesuche gilt aktuell die Regel 2G+. Weitere Informationen zu den Corona-Schutzmaßnahmen erfolgen auf www.staedtische-galerie.nordhorn.de