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07.08.2020, 11:34 Uhr

SPD-Politiker zu Besuch im Tierheim Lingen

Trafen sich zum Informationsaustausch (von links): Stephan Mathias, Sonja Rolfes, Dr. Daniela De Ridder, Karin Logemann, Rene Esser und Michael Reisüber. Foto: privat

Trafen sich zum Informationsaustausch (von links): Stephan Mathias, Sonja Rolfes, Dr. Daniela De Ridder, Karin Logemann, Rene Esser und Michael Reisüber. Foto: privat

Lingen Die SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mittelems, Dr. Daniela De Ridder, besuchte gemeinsam mit ihrer Landtagskollegin Karin Logemann das Tierheim in Lingen. Dort ließen sie sich vom Vorsitzenden des Tierschutzvereins Lingen und Umgebung, Stephan Mathias, und der zweiten Vorsitzenden, Sonja Rolfes, über die aktuelle Situation des Tierheims in Zeiten der Corona-Krise informieren. Im Fokus des Gesprächs, bei dem auch Rene Esser und Michael Reisüber vom SPD-Ortsverein Lingen anwesend waren, standen insbesondere die Themen Katzenkastrationspflicht und“ Listenhunde“.

Bei ihrem Besuch bellt, miaut und zwitschert es der Delegation entgegen – zahlreiche Hunde, Katzen und Kleintiere suchen ein neues Zuhause. Rund 800 Tiere werden jährlich im Lingener Tierheim aufgenommen. Bis sie vermittelt werden können, werden sie von den hauptamtlichen Beschäftigten und den vielen ehrenamtlich tätigen Tierfreunden umsorgt, gepflegt, gefüttert und tierärztlich betreut.

Dass Menschen wegen der Coronakrise ihre Haustiere abgeben oder vermehrt aussetzen, kann Sonja Rolfes im Gespräch mit den Politikern bisher nicht bestätigen. „Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickelt. Die Zahl der Vermittlungen ist durch das Besuchsverbot deutlich zurückgegangen. Auch die finanziellen Auswirkungen sind zu spüren. Zum einen hat die Spendenbereitschaft erheblich abgenommen, zum anderen fallen die zusätzlichen Einnahmen aus der tierheimeigenen Cafeteria weg“, beschreibt Rolfes die Situation.

Kastrationspflicht gegen Katzenelend

Zurzeit beherbergt das Tierheim Lingen rund 100 Katzen, die Tendenz ist Rolfes zufolge jedoch steigend. Täglich gebe es Anrufe von Bürgern, die etwa am Waldrand Katzenwelpen gefunden haben. Häufig erhält das Tierheim 50 Anfragen zur Aufnahme von Katzenbabys pro Tag. „Das Tierheim Lingen hat das Ende seiner Aufnahmekapazität erreicht, zumal es zwischen Lingen und Papenburg die einzige Einrichtung ist, die sich der herrenlosen Katzen annimmt“, führen Mathias und Rolfes besorgt aus.

Eine wichtige Maßnahme, die immer weiter anwachsende Katzenpopulation einzudämmen, ist für die Tierschützer die flächendeckende Einführung einer Kastrations-, Kennzeichnungs-, und Registrierungspflicht für Katzen. „Eine Katze bekommt zweimal im Jahr Nachwuchs, pro Wurf überleben im Schnitt drei Welpen, die sich nach sieben Monaten auch jeweils wieder vermehren. So hat eine nicht kastrierte Katze nach zehn Jahren rechnerisch mehr als 240 Millionen Nachkommen gezeugt“, veranschaulichen Mathias und Rolfes.

De Ridder nimmt den Faden auf: „In Deutschland gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine bundeseinheitliche Regelung. Daher müssen alle Städte und Gemeinden selbst entscheiden, ob eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen eingeführt wird. Inzwischen gehen Schätzungen von etwa zwei Millionen frei lebenden Katzen aus. Angesichts dieser deutlichen Überpopulation nehmen auch die damit verbundenen Schmerzen, Leiden oder Schäden der Katzen durch Unterernährung, Infektionskrankheiten und Verwilderung zu“, so die Bundestagsabgeordnete. Diese Auffassung teilt auch ihre Landtagskollegin Logemann. „Es ist dringend geboten, dass alle Kommunen hier tätig werden. Damit verhindern wir viel Tierleid und leisten einen enorm wichtigen Beitrag zum Tierschutz“, ergänzt sie.

Vom Welpen zum „Listenhund“

Ein weiteres, immer häufiger auftretendes Problem sind Mathias und Rolfes zufolge die private Zucht und der Verkauf von sogenannten „Listenhunden“. Manche private Züchter verkaufen Welpen ohne die entsprechende Sachkenntnis und ohne Impfung, und manch neuer Besitzer ist mit der Erziehung der Hunde überfordert. Die Folge können Beißvorfälle mit Kindern oder anderen Hunden sein. „Das Ordnungsamt des Landkreises verhängt in diesen Fällen eine Gefährlichkeitseinstufung. Die Tierheime können die als gefährlich eingestuften, sogenannten ,Listenhunde‘ nicht mehr aufnehmen – stattdessen werden sie auf Pflegehöfe abgeschoben. Bedauerlich ist, dass es dabei auch Einrichtungen gibt, in denen die Hunde in erbärmlichen Zuständen leben müssen“, beklagen die Tierschützer vom Lingener Tierheim. „Die SPD in Niedersachsen setzt sich beim Erwerb von Welpen aus dem Ausland für eine Kastrations- und Registrierungspflicht ein. Zudem soll es künftig nicht mehr möglich sein, Hundewelpen aus dem Ausland über das Internet zu bestellen“, weiß Karin Logemann zu berichten und De Ridder ergänzt: „Tiere sind Lebewesen, die unseres Schutzes bedürfen. Daher ist es unser Ziel als SPD, die Lebensbedingungen für Nutz-, Haus- und Wildtiere nachhaltig zu verbessern. Der Tierschutz ist als Staatsziel im Grundgesetz verankert und damit eine verbindliche Leitlinie für unser sozialdemokratisches Regierungshandeln. Die zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Mitglieder des Tierschutzvereins Lingen leisten eine unverzichtbare und wichtige Aufgabe, die meinen großen Dank und meine volle Unterstützung findet.“

Weitere Informationen zum Tierheim gibt es auf der Homepage www.tierheim-lingen.de.

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