Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
11.06.2019, 15:03 Uhr

Soulige Stimmgewalt: Mavis Staples und Shayna Steele

Eine Gospel-Legende singt Protestlieder mit trauriger Aktualität, eine jüngere Soul-Jazz-Sängerin schafft den Durchbruch: Neue Alben von Mavis Staples und Shayna Steele - und einige Tipps zum Weiterhören.

Soulige Stimmgewalt: Mavis Staples und Shayna Steele

Mavis Staples legt ein beeindruckendes Spätwerk vor. Foto: ANTI-/Myriam Santos

Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin 80 Jahre alt wird MAVIS STAPLES am 10. Juli - und was hat die große Dame des Blues und Soul in dieser Zeit nicht alles erlebt... Vieles davon lässt sie in ihr neues Abum einfließen, das ein fantastisches Spätwerk erweitert.

„We Get By“ (Anti-/Indigo) setzt die Serie toller Platten fort, die Staples - schon in den 50ern Sängerin der Gospel-Truppe Staple Singers - während der vergangenen 15 Jahre mit Hilfe jüngerer Produzenten und Songwriter aufgenommen hat. „We’ll Never Turn Back“ von 2007 (mit Ry und Joachim Cooder), „You Are Not Alone“ von 2010, „One True Vine“ von 2013, „If All I Was Was Black“ von 2017 (alle mit Jeff Tweedy von Wilco), „Livin’ On A High Note“ von 2016 (mit M. Ward): Mavis ließ ihre gewaltige Stimme stets von den richtigen Leuten ins beste Licht setzen.

Diesmal ist es der Grammy-dekorierte Gitarrist und Sänger Ben Harper, der alle elf Lieder geschrieben und das Album produziert hat. Das Albumcover ist ein Bild des berühmten US-Fotografen Gordon Parks: „Outside Looking In“ - afroamerikanische Kinder, die durch einen Zaun sehnsüchtig auf einen Rummelplatz schauen, von den Vergnügungen ihrer weißen Mitbürger ausgeschlossen.

Ein altes Foto, das heute noch oder wieder traurige Aktualität besitzt. Und davon singt Mavis Staples, die immer ein wichtiger Bestandteil der US-Bürgerrechtsbewegung war, auch in ihren neuen Stücken mit ungeheurer Intensität. „Change“, „We Get By“, „Brothers And Sisters“, „Heavy On My Mind“, „Sometime“ - das sind Songs voller Empörung über Rassismus und Benachteiligung farbiger Menschen in den USA, zugleich aber auch Lieder, in denen die Hoffnung auf bessere Zeiten immer mitschwingt.

„Ich bin die Botin“, sagt Staples über ihr Engagement für Gleichberechtigung. „Das ist mein Job, ich war es während meines ganzen Lebens. Ich kann einfach nicht aufhören, solange der Kampf gekämpft wird.“ Wie die freundliche und humorvolle Dame aus Chicago dieses Ringen um Gerechtigkeit mit ihrer weiterhin so festen, charaktervollen Stimme in wunderbar erdigen Blues-, Soul-, Folk- und Gospel-Tracks vorantreibt, macht ihr elftes Studio-Soloalbum zu einem besonderen Ereignis.

Dies gilt - weniger politisch, aber künstlerisch ebenso eindrucksvoll - auch für ein anderes bärenstarkes Black-Music-Album des ersten Halbjahres 2019. Der Begriff Stimmgewalt ist fast noch untertrieben für die orkanartige Performance von SHAYNA STEELE auf ihrem dritten Album „Watch Me Fly“ (Membran).

Soul, Funk, Blues und viel Jazz enthält dieses Werk der in Kalifornien geborenen, in New York lebenden Künstlerin, die sich im Opener „Be“ gleich selbstbewusst vorstellt: „I am outrageous, larger than life“ („Ich bin unerhört, überlebensgroß“). Sie kann es sich leisten.

Als Background-Sängerin unter anderem für Rihanna, Bette Midler oder Steely Dan und nach Kooperationen mit dem Jazz-Trompeter Chris Botti, der Fusionband Snarky Puppy und Moby („Disco Lies“) hat Steele schon einiges vorzuweisen. Diese Erfahrung bündelt sie nun in zehn exquisiten, teilweise zusammen mit Ehemann David Cook geschriebenen Songs, die ihre enorme stimmliche Technik und zugleich ihre brodelnde Emotionalität in den Mittelpunkt rücken.

Zum Abschluss singt Shayna Steele voller Gefühl „Home“, eine wunderbare Ode an ihre zeitweilige Heimat Biloxi/Mississippi. Ein herausragendes Album.

Im September kommt die Sängerin für fünf Konzerte nach Deutschland: 02.09. München - Unterfahrt, 03.09. Bremen - Musikfest, 04.09. Berlin - Quasimodo, 05.09. Münster - Hot Jazz Club, 06.09. Neumünster - Kunstflecken

Aktuell zum Weiterhören für Female-Soul-Fans:

JAMILA WOODS - „Legacy! Legacy!“, erschienen am 10. Mai über Jagjaguwar/Cargo

LYDIA PERSAUD - „Let Me Show You“, erschienen am 10. Mai über Next Door Records/H'art

MICHELLE DAVID & THE GOSPEL SESSIONS - „Vol. 3“, erschienen am 31. Mai über MDGS/RecordJet/Edel

Soulige Stimmgewalt: Mavis Staples und Shayna Steele

Shayna Steele ist mit einer gewaltigen Stimme gesegnet. Foto: Anna Webber