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19.02.2020, 04:50 Uhr

So wird die Kartoffel zum Topmodel

In Salz gekocht, zu Brei gestampft oder gebraten: Kartoffeln spielen als Beilage oft nur eine Nebenrolle. Doch mit einfachen Kniffen werden sie als Hauptgericht oder Dessert zum Star auf dem Teller.

Die Kartoffelspiralen werden auch Twister-Kartoffeln genannt. Sie werden gewürzt und mit Butter bestrichen. Foto: Mathias Neubauer/Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn

Die Kartoffelspiralen werden auch Twister-Kartoffeln genannt. Sie werden gewürzt und mit Butter bestrichen. Foto: Mathias Neubauer/Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn

Von Melanie Öhlenbach, dpa

dpa/tmn München Kartoffeln sind viel mehr als nur eine Sättigungsbeilage zu Fleisch oder Fisch. „Kartoffeln lassen sich auf vielfältige Weise zubereiten. Neben Braten, Dämpfen, Kochen, Frittieren können sie auch zu süßen oder salzigen Teigen verarbeitet werden“:

Das sagt Dominik Klier, der mit Theo Lindinger Kartoffeln und Kartoffelgerichte auf dem Viktualienmarkt in München verkauft. Attraktive Alternativen zu Pommes sind beispielsweise Twister-Kartoffeln, bei denen sich dünne Kartoffelscheiben um einen Spieß wickeln - idealerweise wie an einem langen, spiralförmigen Band. Pro Twister wird eine mittelgroße, festkochende Knolle auf einen Schaschlikspieß gesteckt.

Bei Holzspießen ist dabei eine Mischung aus Kraft und Fingerspitzengefühl gefragt, damit diese nicht abbrechen. Alternativ empfiehlt Ökotrophologin und Kochbuchautorin Inga Pfannebecker Metallspieße zu verwenden oder die Löcher vorzubohren - zum Beispiel mit einem sauberen, spitzen Schraubendreher oder einer Stricknadel.

Kartoffelspirale gelingt mit einem Obstmesser

Zum Schneiden der Spirale - beginnend an einem Ende der Knolle und um den Spieß herum - verwendet sie selbst ein kleines, scharfes Obstmesser: „Mit einem größeren Messer hat man weniger Gefühl und Flexibilität.“ Im Handel sind auch Schneidegeräte erhältlich. „Die billigeren funktionieren meist nicht gut, und richtige Profi-Geräte, wie sie zum Beispiel von Imbissständen verwendet werden, sind teuer. Da muss man schon ein richtiger Twister-Kartoffel-Fan sein, damit sich das lohnt“, sagt Pfannebecker.

Damit die Spirale lang und gleichmäßig dünn wird, hilft ihrer Ansicht nach nur Geduld. „Immer schön langsam und aufmerksam schneiden und die Kartoffel dabei langsam drehen - so geht es am besten. Wenn man zwischendrin ungeduldig wird und versucht, es schneller zu machen, reißt die Spirale oder man schneidet zu breite Scheiben.“

Damit die Twister-Kartoffeln im Backofen knusprig werden, sollten die möglichst dünnen Scheiben auseinandergezogen und zu Beginn und nach Hälfte der Backzeit komplett mit Butter bestrichen werden. Wichtig: Die Spieße müssen quer über den Rand der Auflaufform hinaus aufliegen, sodass die Scheiben frei in die Form hineinhängen - so komme die Hitze rundherum an die Kartoffel, sagt Pfannebecker.

Was im eigenen Saft gart, wird nicht knusprig

„Was aufliegt, gart teilweise im eigenen Saft und wird dann nicht so knusprig.“ Gewürzt werden können die Kartoffelspiralen mit Salz, Pfeffer, Parmesan, Paprika, Chili, Curry oder der süß-scharfen Gewürzmischung Ras el Hanout. „Kräuter eignen sich weniger, die verbrennen zu sehr beim Backen.“

Einfacher in der Zubereitung sind Fächerkartoffeln. Die ungeschälten Knollen werden dafür mit einem Obstmesser quer ein-, aber nicht ganz durchgeschnitten. Für das perfekte Ergebnis sollten die Scheiben zwischen zwei und drei Millimeter dünn sein. Anschließend wird die Kartoffel mit Knoblauchbutter eingepinselt und im Backofen gebacken.

Wer will, kann nach der Hälfte der Zeit in Stücke gerissenen Bacon in die Einschnitte stecken und die Knolle erneut einpinseln. „Der Bacon sorgt für herzhaftes Aroma und macht die Kartoffeln noch knuspriger“, sagt die Kochbuchautorin.

Teige mit Kartoffeln werden schön saftig

Kartoffeln eignen sich aber nicht nur für herzhafte, sondern auch für süße Gerichte. Insbesondere in der niederbayrischen und österreichischen Küche seien sie als Zutat für Lebkuchen, Strudel, Kuchen und Puffer beliebt, sagt Dominik Klier. „Die Kartoffel verleiht den meisten Teigen eine angenehme Saftigkeit.“ Sein Tipp: Kartoffelstrudel - gefüllt mit Mohn, Zwetschgen oder anderem Obst.

Für den Teig werden mehlige, gekochte und abgekühlte Kartoffeln mit einem Ei, Salz, Sauerrahm und Mehl verknetet. Anschließend wird der Teig zu einem Rechteck ausgerollt und mit geschmolzener Butter bestrichen. Die Füllung aus Obst, Zimt, Koriander und Zucker wird am unteren Ende in einer Linie auf dem Teig verteilt und dann nach oben hin zusammengerollt.

Etwa eine Stunde lang backt der Strudel in einer großen, mit zerlassenem Butterschmalz gefüllten Back- oder Auflaufform. Damit er schön knusprig wird, sollte er in Abständen damit bestrichen werden. Servierempfehlung: am besten noch warm und mit einer Kugel Eis.

Die Kartoffelkugeln können mit angebratenem Rinderhack oder Pilzen, Zwiebeln und Mozzarella gefüllt werden. Foto: Mathias Neubauer/Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn

Die Kartoffelkugeln können mit angebratenem Rinderhack oder Pilzen, Zwiebeln und Mozzarella gefüllt werden. Foto: Mathias Neubauer/Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn

Etwas einfacher herzustellen sind die Kartoffelfächer. Die Knollen werden nur ein-, aber nicht durchgeschnitten. Foto: Mathias Neubauer/Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn

Etwas einfacher herzustellen sind die Kartoffelfächer. Die Knollen werden nur ein-, aber nicht durchgeschnitten. Foto: Mathias Neubauer/Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn

Für den Zwetschgenstrudel von Caspar Plautz werden mehlige, gekochte und abgekühlte Kartoffeln verwendet. Foto: Julian Mittelstaedt/August Dressbach Verlag/dpa-tmn

Für den Zwetschgenstrudel von Caspar Plautz werden mehlige, gekochte und abgekühlte Kartoffeln verwendet. Foto: Julian Mittelstaedt/August Dressbach Verlag/dpa-tmn

Mehr Rezeptideen rund um die Kartoffel gibt es in dem Buch „Kartoffeln kreativ“ von Inga Pfannebecker. Foto: Mathias Neubauer/Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn

Mehr Rezeptideen rund um die Kartoffel gibt es in dem Buch „Kartoffeln kreativ“ von Inga Pfannebecker. Foto: Mathias Neubauer/Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn

Inga Pfannebecker ist Diplom-Ökotrophologin, Food-Journalistin und Kochbuch-Autorin. Sie lebt in Amsterdam. Foto: Maja Smend/Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn

Inga Pfannebecker ist Diplom-Ökotrophologin, Food-Journalistin und Kochbuch-Autorin. Sie lebt in Amsterdam. Foto: Maja Smend/Gräfe und Unzer Verlag/dpa-tmn

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Erstellt:
19. Februar 2020, 04:51 Uhr
Aktualisiert:
19. Februar 2020, 04:50 Uhr
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