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05.03.2019, 10:55 Uhr

So denken unsere Autos bald mit

Mit Künstlicher Intelligenz sollen Autos sicherer und das Fahren einfacher werden. Werden unsere Autos künftig selbst entscheiden, was sie tun?

So denken unsere Autos bald mit

Digitale Fahrschule: Autos müssen fürs autonome Fahren viele Informationen verarbeiten und dazulernen können. Foto: Volkswagen AG

Von Fabian Hoberg, dpa

dpa/tmn Stuttgart Die Heizung weiß, wann sie die Temperatur hochdrehen muss, die Kaffeemaschine, mit welchem Wasserhärtegrad sie wie lange den Kaffee aufbrüht. Im Haushalt gibt es Beispiele, wie Künstliche Intelligenz (KI) Bewohner unterstützt. Warum also nicht auch im Auto?

Nach Meinung von Ingenieuren werden Autos künftig dem Fahrer in vielen Bereichen Vorschläge unterbreiten - nach einem intelligenten Logarithmus. KI soll bei Komfort, Steuerung und Navigation helfen, fast alle großen Hersteller forschen daran.

Sprach- und Bilderkennung

„Künstliche Intelligenz nimmt schon heute einen enormen Stellenwert in der Automobilbranche ein“, erklärt Jan Burgard, Partner der Strategieberatungsfirma Berylls Strategy Advisors. „Aktuell konzentrieren sich Hersteller unter anderem auf natürliche Spracherkennung für die Infotainment-Steuerung sowie auf Bilderkennung, die in Fahrassistenzsystemen zum Einsatz kommt.“

KI kann helfen, Entscheidungen zu überprüfen und zu treffen, um in kürzerer Zeit optimale Ergebnisse zu erzielen. „Letztendlich braucht KI aber immer die Beteiligung des Menschen und fußt auf menschlicher Entwicklung“, sagt Steven Peters, KI-Entwicklungsingenieur bei Daimler. Der Name Künstliche Intelligenz führe in die Irre, KI beruhe auf menschlichem Lernen und sei nur so gut, wie die Datenfütterung.

Für Fahrassistenzsysteme

Das maschinelle Lernen spiele eine wichtige Rolle. Bei der automatischen Bild- und Mustererkennung für Fahrassistenzsysteme und autonom fahrende Autos analysiert das Fahrzeug künftig Verkehrssituationen und trifft Voraussagen über das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Und zwar auf Grund vorher gelernter Daten. Anschließend entscheidet es über das eigene Verhalten. So erkennt das System unter anderem Gebäude, Fahrzeuge, Menschen, Bäume, Gehwege, lokalisiert Ampeln und kleinere Hindernisse auf der Straße.

Besitzer einer neuen A-Klasse mit dem Entertainmentsystem MBUX bekommen heute schon automatisch Vorschläge, die das System im Lauf der Zeit erlernt hat. „Wer beispielsweise häufig dienstags auf dem Nachhauseweg mit seiner Mutter telefoniert, bekommt an diesem Wochentag deren Telefonnummer auf dem Display vorgeschlagen“, sagt Peters. Wer regelmäßig zu einer bestimmten Zeit zu einem Radiosender mit Nachrichten wechselt, bekommt dies ebenfalls als Vorschlag. So mache KI das Auto zu einem persönlichen Assistenten des Fahrers.

Autonom fahrende Autos

„Zu den Vorzügen von Systemen, die mit KI ausgestattet sind, gehört ihre grenzenlose Belastbarkeit. Das System lässt sich nicht ablenken, wird nicht müde und bleibt auch in unübersichtlichen Situationen voll konzentriert“, erklärt Andre Roskopf, KI-Experte bei BMW. Erst die KI ermögliche das autonome Fahren. Dazu zählt auch das Erstellen hochgenauer Straßenkarten mit dynamischen Inhalten wie temporären Hindernissen oder dem aktuellen Verkehrsaufkommen.

Für Audi ist die KI eine Schlüsseltechnologie für automatisiertes Fahren sowie für andere technische Bereiche wie neue Mobilitätsdienste und Bilderkennung. Mittelfristig will Audi KI mit konventionellen Technologien kombinieren, um maximale Sicherheit zu bieten und das Vertrauen der Kunden in die Technologie zu stärken.

Sicherheit mit Blockchain-Technologie

Dazu passe auch die Blockchain-Technologie. Sie bezeichnet eine ständig erweiterbare Liste von Datensätzen, die miteinander verknüpft sind. Verschlüsselung macht sie sehr sicher. Auch im Fahrzeugbereich kommt Blockchain zum Einsatz.

VW erprobt ein Kilometerstandsystem, das Manipulationen erschweren soll: Jeder Kilometerstand kann unveränderbar gespeichert werden. Porsche entwickelt eine Technologie, die das Fahrzeug vor Hackern besser schützt und bei dem Besitzer einen virtuellen Schlüssel an andere Personen geben können, die damit das Auto starten können.

So denken unsere Autos bald mit

Je mehr Assistenz, desto mehr Intelligenz: Je fortgeschrittener Fahrzeugsysteme bis hin zum autonomen Fahren werden, desto intelligenter müssen sie mit Daten umgehen können. Foto: Audi AG

So denken unsere Autos bald mit

Elektronenhirn: Für die komplexe Arbeit von Fahrerassistenzsystemen sind auch heute schon zentrale Steuergeräte wie etwa bei Audi im Einsatz. Foto: Audi AG

So denken unsere Autos bald mit

Künstliche Intelligenz will zuvor mit vielen Daten gefüttert werden, wie etwa hier in einem Forschungslabor von BMW. Foto: BMW AG

So denken unsere Autos bald mit

Moderne Zeiten: Systeme wie das MBUX-Infotainment von Mercedes können auch heute schon automatisch Vorschläge machen, etwa aufgrund des Telefonierverhaltens. Foto: Daimler AG

So denken unsere Autos bald mit

Schulung am lebenden Objekt: Das typische Bewegungsmuster von Fußgängern wird Computern im Data Lab von VW in München beigebracht. Foto: Volkswagen AG