05.03.2021, 12:03 Uhr

Senfkorn startet Umfrage über „Digitale Bildung im Alter“

Interviewpartner über 65 Jahre in der Samtgemeinde Emlichheim werden gesucht. Foto: dpa

Interviewpartner über 65 Jahre in der Samtgemeinde Emlichheim werden gesucht. Foto: dpa

Emlichheim „Spätestens seit Beginn der Pandemie zeigen sich auch Senioren gegenüber neuen Technologien sehr offen“, urteilt Melanie Breukelman. Die Geschäftsführerin des Mehrgenerationenhauses Senfkorn in Emlichheim weiß aber auch, dass vor allem ältere Menschen und Menschen mit geringer Bildung hinsichtlich Dynamik und Komplexität in der Digitalisierung überfordert seien.

Im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit an der Saxion-Hochschule in Enschede befasst sie sich mit Thema. Aus der Praxis erzählt sie, dass viele ältere Menschen sich abgehängt fühlen hinsichtlich des digitalen Fortschritts. In der jetzigen Situation wäre beispielsweise ein virtuelles Senioren-Café absolut notwendig, denn viele der Besucher sprechen von fehlenden Kontakten und Vereinsamung. Breukelman hat das Gefühl, dass ein Teil der Senioren gar keinen Zugang zu Medien habe, aus den verschiedensten Gründen. „Wir wollen mehr darüber erfahren und den Dingen nachgehen, um zu erforschen, wie ein mögliches Konzept zur digitalen Bildung innerhalb der Samtgemeinde Emlichheim aussehen kann“, führt sie weiter aus. Weitere Grundlage der Forschungsaktivität seien das neue Bundesprogramm der Mehrgenerationenhäuser mit dem Schwerpunkt „Digitale Bildung“ sowie der achte Altersbericht mit dem Thema „Ältere Menschen und Digitalisierung“, erläutert sie.

Als angehende Sozialarbeiterin geht es ihr darum, Chancenungleichheit zu reduzieren und die Lebenssituation eines jeden Einzelnen zu verbessern. Neben der Erweiterung von Handlungsspielräumen könnte unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens die Autonomie und Selbstbestimmung gefördert werden. „Die Digitalisierung können wir nicht aufhalten“, meint sie. Dennoch sieht sie Chancen und benennt das Online-Banking, die e-Patienten-Akte oder das Online-Shopping beim Emlichheimer Schuhhändler während der Pandemie.

„Es gibt so viele Möglichkeiten, die Technik im Sinne der Senioren zu nutzen“, erklärt Daniela Kaspers-Wehle, die als Mit-Studentin das Forschungsprojekt begleitet. Perspektivisch können Kompetenzen hinsichtlich digitaler Bildung Strukturprobleme im ländlichen Raum abschwächen oder aufheben sowie eingeschränkte Mobilität verringern. „Mit einem gewissen Know-how können sich auch Senioren, die nur wenig Kenntnisse haben, vernetzen“, so Kaspers-Wehle. Das schaffe Verbindung für die Zukunft und trage zur Selbstbefähigung bei.

Die Interviewfragen befassen sich sowohl mit den Wünschen und Bedürfnissen als auch mit den Ressourcen und Kompetenzen der älteren Menschen. In Bezug auf das Senfkorn können die Ergebnisse dazu beitragen, im Sinne der Gemeinwesenarbeit Möglichkeiten für Teilhabe und Partizipation zu schaffen und Aktivierung und Empowerment zu forcieren. Mit den Ergebnissen aus der Lebenssituation der Senioren heraus können relevante Themen hinsichtlich der Inhalte der Bildungsangebote als auch Art, Struktur und Aufbau möglicher Angebote berücksichtigt werden. Die Interviews sollen in Hausbesuchen oder auf Wunsch der Senioren im Senfkorn durchgeführt werden.

Interessierte InterviewpartnerInnen aus der Samtgemeinde Emlichheim über 65 Jahre können sich unter der Rufnummer 05943 98589-0 oder an info@mgh-senfkorn.de bis zum 31. März melden.

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