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14.08.2020, 13:49 Uhr

Schwieriges Jahr für Weißstörche in der Grafschaft Bentheim

„Willi-Walter“ hat Unterschlupf bei „Oma“ gefunden. Foto: Juerges

„Willi-Walter“ hat Unterschlupf bei „Oma“ gefunden. Foto: Juerges

Nordhorn Es wiederholt sich jedes Jahr, die Jungstörche in unserer Region sind flügge und haben sich größtenteils schon wieder auf den Weg in ihre Winterquartiere gemacht oder suchen auf umliegenden Flächen noch nach Nahrung für den Flug dorthin.

Aber in diesem Jahr war alles etwas anders, wie Wilfried Jürges, Weißstorchbetreuer der Arbeitsgruppe Weißstorchschutz Niedersachsen/Bremen nach Abschluss seiner Zählung festgestellt hat. „Obwohl mehr Störche in der Grafschaft Bentheim anwesend waren, hat sich die Zahl der ausgeflogenen Jungstörche stark reduziert“, resümiert Jürges das Jahr 2020.

Der Großteil der regionalen Wildstorchenpopulation hat ihr Zuhause im Tierpark Nordhorn gefunden. Hier sind die meisten Nester der freilebenden Störche aus dem Landkreis zu finden. Warum sich die Wildstörche ausgerechnet im Tierpark niedergelassen haben, weiß keiner so recht. „Nachdem es an wenigen Stellen langsam anfing, hatten wir 2012 plötzlich sehr viele Wildstörche im Tierpark, die zum Teil vorhandene Reihernester besetzt und dann selber dort gebrütet haben“, so Pressesprecherin Ina Deiting. „Am Futter liegt es jedenfalls definitiv nicht. Bei uns bekommen sie keinen Bissen, wir wollen keine künstlich hohe Population unterstützen.“ Dem Tierpark ist wichtig, dass die Wildstörche sich selbst in der Umgebung versorgen müssen. Durch Zufütterung würde die Storchenpopulation größer werden, als Nahrungsressourcen in der Landschaft zur Verfügung stehen. „Deshalb sieht man in der ganzen Grafschaft mittlerweile Störche auf frisch gemähten Wiesen und Feldern nach Futter suchen. „Die Tiere müssen zum Teil weit fliegen, um ausreichend Futter zu finden“, so Deiting weiter. Die Wildstorchenpopulation ist deshalb auch stark vom Nahrungsangebot und vielen weiteren natürlichen Faktoren in der Region abhängig.

Wurden im Tierpark 2019 noch 61 Jungstörche groß, waren es in diesem Jahr nur 38. „Ein Grund war vermutlich die Unerfahrenheit vieler Störche, die sich das erste Mal gepaart haben und die Nester nach kurzer Zeit wieder aufgegeben haben“, vermutet Wilfried Jürges. „Aber der Hauptgrund war wohl die schlechte Futtersituation in der Grafschaft. Keine Regenwürmer wegen der Trockenheit im Frühjahr und später vermutlich zu wenig Mäuse“, ergänzt der Experte.

Das war nicht überall so. In den Regionen, in denen es in diesem Jahr die Mäuseplage gab, haben sich die Weißstorchbestände sehr gut entwickelt. Das Konzept des Tierpark Nordhorn, die Störche als Wildstörche zu akzeptieren und auch in Jahren mit einer für die Störche schlechten Futtersituation nicht zu füttern, wird auch von der LAG Weißstorchschutz begrüßt. Eine Zufütterung würde das natürliche Verhalten der Störche verändern und langfristig zu Problemen führen. Es gibt aber eine Ausnahme. Die Storchendame „Oma“, die mit ihrem Partner das Nest auf dem Vechtehof besetzt hat, wird zugefüttert. Es handelt sich bei Oma um einen Storch, der am 23. Mai 1999 hier im Tierpark, in Gefangenschaft geboren wurde. 2004 wurde er in den sogenannten „Freiflug“ gebracht und genießt seitdem das Privileg der regelmäßigen Fütterung.

Einer der vielen Jungstörche, die in diesem Jahr von ihren Eltern wegen des Futtermangels aus dem Nest geworfen wurden, war „Willi-Walter“. Während der erfolgreichen Aufpäppelung in der Auffangstation des Tierparks hat er von den Pflegern diesen Namen und viel Aufmerksamkeit erhalten. Da Willi-Walter aber nicht als zahmer Zoostorch enden sollte, wurde er im Zuge einer Beringungsaktion, in das Nest von Oma gesetzt. Oma konnte offensichtlich nicht zählen, hat nichts gemerkt und Willi-Walter aufgenommen. Mit seinen Stiefgeschwistern hat er das Nest bereits verlassen. Da er einen Ring trägt, ist es gut möglich, dass man nochmal etwas von ihm hören wird.

Ab Februar werden die Störche dann wieder im Tierpark eintreffen. In der Hoffnung, dass die Futtersituation besser ist, gibt es dann ja vielleicht wieder ein besseres Ergebnis bei den Bestandszahlen. Um den Weißstorchbestand auf dem heutigen Niveau zu halten, ist eine Quote von mindestens zwei Jungstörchen je Brutpaar erforderlich.

Informationen über die Störche in der Grafschaft Bentheim gibt es auf www.stoerchegrafschaft-

bentheim.de

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