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12.04.2019, 16:30 Uhr

Schutzstreifen außerorts der Kreisstraße 40 wird beseitigt

„Damit ist nun unsere allerletzte Hoffnung zunichte, die Schutzstreifen für Radfahrer an der K40 zwischen Halle und Getelo zu erhalten“, bedauerte Landrat Friedrich Kethorn ein Antwortschreiben aus dem niedersächsischen Verkehrsministerium.

Schutzstreifen außerorts der Kreisstraße 40 wird beseitigt

Das endgültige Aus des Projektes Schutzstreifen ist besiegelt. Foto: privat

„Wir werden nun also zeitnah die Demarkierungsarbeiten ausschreiben und ausführen lassen“, so der Landrat. Trotz positiver Erfahrungen des Landkreises und entsprechender Rückmeldungen von Bürgern hatte das Bundesverkehrsministerium (BMVI) das Projekt im September 2018 negativ bewertet. Nach Angaben des BMVI bestätigte der Schlussbericht des Projektes aus dem Land Mecklenburg-Vorpommern, wo ebenfalls eine Versuchsstrecke bestanden hatte, „dass sich die Kraftfahrzeugführer an der Leitlinie orientieren und dadurch oftmals näher an die Radfahrer heranfahren.“

Landrat Kethorn war darauf unter Anlage einer Resolution des Kreistages pro Schutzstreifen an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer herangetreten. Aus Berlin ging dazu im Januar eine erneute Absage ein – mit dem Hinweis, dass für die „Durchführung, den Vollzug und die Überwachung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften“ allein die Länder zuständig seien. Daher unternahm der Landkreis einen weiteren Versuch, eine Ausnahmegenehmigung zum Erhalt der Schutzstreifen zu erhalten, beim Landesverkehrsministerium. Hannover sah aber nach der ablehnenden Haltung aus Berlin keine Möglichkeit, diesem Anliegen zu folgen.

Der Landkreis Grafschaft Bentheim beteiligte sich als ein Projektteilnehmer an dem bundesweiten Projekt „Schutzstreifen außerorts – Modellversuch zur Abmarkierung von Schutzstreifen außerorts und zur Untersuchung der Auswirkungen auf die Sicherheit und Attraktivität im Radverkehrsnetz“. Die regionalen Projektpartner setzen sich aus den Ländern beziehungsweise Kommunen, die Untersuchungsstrecken in das Vorhaben eingebracht haben, zusammen. Dies waren neben dem Landkreis Grafschaft Bentheim das Land Mecklenburg-Vorpommern, das Amt Dömitz-Malliß, der Rhein-Erft-Kreis, der Landkreis Northeim und der Landkreis Ostprignitz-Ruppin mit der Fontanestadt Neuruppin. Im Verlauf des Projektes kamen noch weitere Teilnehmer aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin, der Stadt Köln und dem Landkreis Stormarn dazu.

Das Projekt wurde von renommierten Planungsbüros begleitet. Ebenfalls wurde eine Lenkungsgruppe eingerichtet, in der alle regionalen Partner, die Ministerien der betroffenen Bundesländer, alle relevanten Referate des BMVBS (jetzt BMVI), das Umweltbundesamt, die Bundesanstalt für Straßenwesen, der Deutsche Landkreistag sowie der ADAC und der ADFC vertreten waren. Die praktische Umsetzung der Projektstrecken (Markierung der Schutzstreifen) erfolgte im Jahr 2013.

Die Projektstrecke des Landkreises Grafschaft Bentheim ist die Kreisstraße 40. Sie ist circa sieben Kilometer lang und befindet sich in den Gemeinden Halle und Getelo. Die Fahrbahnbreite beträgt circa 5,25 Meter. Beidseitig wurden die Schutzstreifen mit einer Breite von jeweils 1,25 Meter abmarkiert, sodass eine Kernfahrbahn von 3,75 Meter verbleibt. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wurde außerorts auf 70 km/h reduziert. In engen Kurven und bei Kuppen erfolgte eine weitere Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit außerorts auf 50 km/h.

Auch in deutschen Fachkreisen zum Radverkehr wird die Wichtigkeit dieser Führungsform für den Radverkehr gesehen. Sie stellt neben dem finanziellen aufwendigen konventionellen Radwegebau eine Möglichkeit dar, attraktive Radverkehrsführungen, (auch zudem dort zu schaffen, wo die Platzverhältnisse konventionellen Radwegebau nicht ermöglichen) vorzuhalten. Schutzstreifen können kurzfristig umgesetzt werden und die Baukosten betragen circa ein Zehntel im Vergleich zum konventionellen Radwegebau. Außerdem sind Einsparungen durch deutlich geringere zukünftige Unterhaltungskosten zu generieren.