08.12.2020, 08:38 Uhr

Schüler des Gymnasiums Nordhorn besuchen Kulturhaus „NIHZ“

Bobby Rootveld im Gespräch mit den Schülern. Foto: Wörsdörfer

Bobby Rootveld im Gespräch mit den Schülern. Foto: Wörsdörfer

Nordhorn Schüler des Religionskurses der Q1.2 des Gymnasiums Nordhorn besuchten vor Kurzem das von Bobby Rootveld und seiner Frau Sanna van Elst betriebene Kulturhaus NIHZ. Die beiden Künstler leben seit einigen Jahren in Nordhorn, weil sie hier ein Haus gefunden haben, das ihnen in Grenznähe (die beiden kommen aus den Niederlanden) die Möglichkeit gibt, selbst Musikveranstaltungen anzubieten und auch andere Künstler einzuladen, um ihr Können vorzuführen.

Bobby Rootveld hat seit seiner Kindheit das Bedürfnis gehabt, die Wurzeln seiner jüdischen Familie zu erforschen, von der er weiß, dass zirka 120 Personen, die zu seiner Verwandtschaft zählen, durch das nationalsozialistische System in Deutschland verfolgt und ermordet worden sind. Dass Nordhorn hier auch eine Rolle spielt, hat Bobby Rootveld erst spät herausgefunden. Der Bruder seines Großvaters wurde im KZ Blechhammer ermordet, vermutlich durch den als besonders brutal geltenden Kommandanten Dr. jur. Erich Hoffmann selbst. Dieser wurde erst 1947, zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in Nordhorn verhaftet. Bis dahin hatte er sich bei einer Nordhorner Familie versteckt. Für seine Taten wurde er 1948 in Polen als Kriegsverbrecher hingerichtet. Bobby Rootveld hat die Schüler des Religionskurses mit auf die Spurensuche zum KZ Blechhammer genommen, die er auch in einem Film (Youtube: „Between Blechhammer and Nordhorn“) dokumentiert hat.

Derzeit beschäftigen sich beide auch mit Liedern, die in den KZs von den Verfolgten verfasst und überliefert wurden, weil sie dort heimlich gesungen wurden.

Bedrückend für die Teilnehmer der Veranstaltung war es zu erfahren, dass Bobby Rootveld sagte, dass er sich auch in Deutschland heute nicht sicher fühle. Angriffe auf Menschen jüdischer Religionsangehörigkeit fanden in den letzten Monaten an mehreren Orten in Deutschland immer wieder statt. Obwohl Bobby als junger Mensch nicht als religiöser Jude aufgewachsen ist, hat er im Laufe der Jahre ein Gefühl für Tradition und Religion erfahren und entwickelt, wenngleich er sich selbst auch nicht als gläubiger Jude bezeichnen würde. Die eigene Beschäftigung mit der Verfolgung und Vernichtung der Juden während des Nationalsozialismus hat ihn aber offenbar auch dahin geführt, die Traditionen seiner Kultur aufzunehmen. Er sagt heute, dass er kulturell jüdisch sei. So zum Beispiel wird der Sabbath ebenso rituell begrüßt, wie auch die wichtigen Zimmer im Haus durch eine Mesusa am Türrahmen geschmückt und geschützt werden. Die Beziehung zu Israel, die vor sechs Jahren durch eine Auftrittsreise begann, ist inzwischen für ihn und seine Familie sehr wichtig geworden, sodass sie nun Teile des Jahres in Israel verbringen und sich durch dieses Land sehr angezogen fühlen.

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