22.04.2021, 08:40 Uhr

Schloss Clemenswerth erhält Schenkung

Werner Gergaut (links) mit seiner Frau Jutta sowie Museumsdirektor Oliver Fok bei der Vernissage auf Schloss Clemenswerth. Foto: Emslandmuseum Schloss Clemenswerth

Werner Gergaut (links) mit seiner Frau Jutta sowie Museumsdirektor Oliver Fok bei der Vernissage auf Schloss Clemenswerth. Foto: Emslandmuseum Schloss Clemenswerth

Sögel Wieder konnte das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth eine großzügige und herausragende Schenkung erhalten. Der bei Hamburg lebende Künstler Werner Gergaut (*1941 in Danzig) und seine Frau Jutta haben der Sammlung des Museums 33 Gemälde und 14 kinetische Objekte aus Holz und Draht als Schenkung übergeben. ForumFormClemenswerth-Kennern ist Gergaut kein Unbekannter: 2009 zeigte das Museum eine große Werkschau des Künstlers im Pavillon Clement August. Museumsdirektor Oliver Fok freut sich, dass das Museum damit ein weiteres bedeutendes zeitgenössisches künstlerisches Werk in die Sammlung des Museums aufnehmen konnte. Es verstärkt den neben der Barockthematik wichtigen Sammlungsbereich der zeitgenössischen Kunst am Emslandmuseum und bietet ein weiteres Highlight für das Publikum.

Die Schenkung ist der langen und vertrauensvollen Verbindung zwischen dem Künstler-Ehepaar und Oliver Fok zu verdanken, die an der vorherigen Wirkungsstätte des Museumsdirektors, der Kunststätte Bossard in Jesteburg, mit einem Ausstellungsprojekt begann. „Eine Schenkung ist neben dem Renommee eines Museums immer auch eine Frage des persönlichen Vertrauensverhältnisses“, erklärt Hermann Bröring, Vorsitzender des Emsländischen Heimatbundes. Es ist die zweite große Schenkung eines lebenden Künstlers, die das Museum in den letzten Jahren erhalten hat und die Sammlung bereichert. Bereits im Jahr 2013 konnte Fok das aus 260 Unikat-Glasobjekten bestehende Lebenswerk des Hamburger Künstlers und Dozenten der Kunsthochschule Hamburg, Wolfgang Pohl, entgegennehmen und in einer Dauerausstellung dem Publikum präsentieren. Nach Meinung von Prof. Rüdiger Joppien, angesehener Kunsthistoriker und Kurator, ist die am Emslandmuseum präsentierte Glas-Sammlung in Deutschland einmalig. Anders als die Pohl-Schenkung, die seit ihrer Übergabe Teil einer Dauerausstellung ist, muss die Gergaut-Schenkung – unter anderem durch die Absage des Baus des Besucherzentrums – noch auf eine Präsentation in den Räumlichkeiten des Schlosses warten. Die kinetische Holzfigur „Stier“ wird aber über die Saison im Medienraum präsentiert und informiert so Besucher über die bereichernde Schenkung, die – so die Planung – ab November in einer Sonderausstellung zu sehen sein könnte. Mit der Pohl-Schenkung, der Schenkung einer Reihe von Gemälden von Sigrid Oltmann, der Schenkung der umfangreichen Keramik-Sammlung von Prof. Manfred und Barbara Stockhausen, und nun den Werken von Werner Gergaut konnten in den letzten zehn Jahren über 1800 Objekte in den Inventarbestand des Museums übernommen werden.

Werner Gergaut hat eine klassische Künstlerausbildung erfahren, unter anderem bei Hans Thiemann, der Bauhaus-Schüler von Paul Klee und Wassily Kandinsky war. Als freier Künstler nahm er auch Lehraufträge an der Fachhochschule für Gestaltung an und unterrichtete Zeichnen an der Volkshochschule Hamburg. Seine künstlerischen Fähigkeiten sind vielfältig. „Es ist nicht häufig, dass sich ein Künstler mit so unterschiedlichen Techniken beschäftigt und in jeder dieser Techniken eine so hohe Perfektion erreicht“, so Fok. Dabei stehen bei Gergaut die angewandten Techniken nicht für sich allein, sondern sind in verschiedenster Weise miteinander verbunden, inhaltlich und formal. Der Künstler schafft sich in seiner Kunst seine eigene Welt. Alltagsgegenstände werden aus dem vertrauten Zusammenhang herausgelöst und in seinen Bildern in eine neue, surreale Traumwelt überführt. Fast ebenso verfährt er bei seinen kinetischen Objekten, deren Bewegung Gergaut zur Perfektion bringt. In seinen Gemälden trifft der Betrachter seine geschaffenen Draht- und Holzfiguren, wie den „Stier“, wieder. Gergaut lässt sich dabei vor allem von seinem künstlerischen Duktus leiten. „Kunst ist nicht die Wiedergabe dessen, was wir sehen, sondern das Gleichnis dazu.“

Bis zur Präsentation auf Schloss Clemenswerth können Interessierte unter dem Suchbegriff „Werner Gergaut“ auf Youtube seine mechanisch-kinetischen Figuren bereits jetzt in Bewegung erleben.

Werner Gergaut, „1789“. Foto: Emslandmuseum Schloss Clemenswerth

Werner Gergaut, „1789“. Foto: Emslandmuseum Schloss Clemenswerth

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