16.02.2021, 11:19 Uhr

Schleiereulen in Not: BUND bittet Bauern um Scheuenöffnung

Schleiereulen sind eigentlich gut an winterliche Verhältnisse angepasst. Eine dicke Schneedecke macht den Beutejägern die Nahrungssuche allerdings schwer. Foto: Steve Brace

Schleiereulen sind eigentlich gut an winterliche Verhältnisse angepasst. Eine dicke Schneedecke macht den Beutejägern die Nahrungssuche allerdings schwer. Foto: Steve Brace

Grafschaft Die Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bittet Grafschafter Landwirte um Unterstützung für die Schleiereule. Denn der Wintereinbruch in der vergangenen Woche macht den gefiederten Jägern die Suche nach Beute schwer. „Grundsätzlich sind die in unserer Region überwinternden Eulenarten gut an winterliche Verhältnisse angepasst“, sagt Walter Oppel von der BUND-Kreisgruppe. „Aber eine dicke Schneedecke wird für die Tiere zum Problem. Mäuse als Beute? Fehlanzeige. Für die Schleiereule bedeutet das bittere Not.“

Kulturfolger mit gutem Gehör

Schleiereulen jagen Oppel zufolge nach Gehör und können Mäuse sogar unter einer Schneedecke hören. So hat der geschickte Mäusejäger normalerweise im Winter keine Probleme, wenn die Schneedecke nicht zu dick ist. „Eine mächtige geschlossene Schneedecke wie derzeit nimmt den Schleiereulen aber die Möglichkeit, in freier Landschaft Mäuse zu jagen. Da wird es schnell eng für die Eule“, erklärt der Naturschützer. „Sie kann im Gegensatz zu vielen anderen Tieren nämlich keine Fettreserven aufbauen und speichern. Wenn der regelmäßige Zugriff auf Mäuse fehlt, verhungern viele Tiere.“ Laut Oppel wurden dem BUND allein von einem Landwirt in den vergangenen Tagen drei tote Schleiereulen gemeldet, die offensichtlich verhungert waren.

„Dass die Bestände über Jahre hinweg schwanken, ist normal“, berichtet Oppel. Es komme sogar vor, dass während lang andauernder Frostperioden ganze Populationen flächendeckend zusammenbrechen. „In guten Mäusejahren allerdings kann sich der Bestand dank der dann großen Zahl an Nachkommen wieder erholen. Als Kulturfolger sind die Schleiereulen stark vom Menschen abhängig. Sie suchen in exponierten Gebäuden wie Kirchtürmen, Scheunen oder auch Ruinen nach Unterschlupf und Nistmöglichkeiten.“

Eulen beim Überwintern helfen

Oppel gibt folgende Tipps zur Unterstützung der Eule. „Damit Eulen in schneereichen Wintern nicht verhungern, sollten Bauern Tore und Luken ihrer Scheunen offenhalten, wobei ein Spalt von 20 bis 25 Zentimetern durchaus reicht. In der Nähe von Eulenbrutplätzen können die Landwirte außerdem Flächen von Schnee befreien und mit Heu und Stroh auslegen. Körner locken die Mäuse zusätzlich an, die den Nachtgreifen als Beute dienen können.“ Darüber hinaus empfiehlt er, an schneefreien Stellen entlang von Hecken Körner auszustreuen, die Kleinnager unter dem Schnee hervorlocken.

Auch der Bau einer „Mäuseburg“ habe sich bewährt und sei ganz einfach. „Es genügt, aus einigen Brettern einen Würfel ohne Dach zu bauen. Dieser Kasten wird mit alten Steinen und Druschabfall schichtweise gefüllt. Über der Burg wird eine Stange mit Querholz als Ansitzwarte für die Eulen angebracht.“ Eine solche „Mäuseburg“ soll Oppel zufolge viele Kleinnager anlocken. Er rät, den Druschabfall von Zeit zu Zeit zu erneuern.

Ein weiteres Problem sieht Oppel in mangelnden Nistplätzen. „Nachdem man vielerorts Einfluglöcher in die Dachstühle gegen Tauben vergittert hat. Um ein Schleiereulenpaar anzusiedeln, kann man entsprechende Nisthilfen bauen, deren Anleitung in Internet zu finden sind und die auf die jeweilige Situation des Gebäudes zugeschnitten werden können“, rät der Tierfreund.

Naturnahe Landschaften fördern

„Langfristig kann ein intakter Lebensraum gerade im Winter entscheidend sein“, so die Kreisgruppe des BUND. „Ganz allgemein geraten Greifvögel und Eulen in Jahren mit witterungsbedingten Extremverhältnissen in einer vielfältigen, naturnahen Landschaft weniger in Bedrängnis als in großflächigen, eintönigen und strukturarmen Agrarlandschaften. Hecken und Buntbrachen bieten vielen Kleintieren Unterschlupf. Greifvögel und Eulen können hier auch in strengen Wintern noch Beute schlagen. Das Fördern von Ufergebüschen, Niederhecken und Baumhecken, Altgrasstreifen, Hochstamm-Obstbäumen, Bunt- und Rotationsbrachen ist eine langfristige Hilfe für Taggreifvögel, Eulen und andere Tiere.“

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