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23.09.2020, 09:58 Uhr

Schirach-Stück „Gott“ im Theater in Meppen

Die Darsteller diskutieren über eine hochaktuelle Debatte. Foto: T.Behind

Die Darsteller diskutieren über eine hochaktuelle Debatte. Foto: T.Behind

Meppen In seinem zweiten Theaterstück nach „Terror“ widmet sich Ferdinand von Schirach erneut einem Thema von höchster gesellschaftspolitischer Relevanz: Der Sterbehilfe. Sein neustes Schauspiel mit dem nicht unbescheidenen Titel „Gott“ stellt Fragen, die die menschliche Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung betreffen. Fragen, die im Spannungsfeld von Moral, Christentum und Politik seit Jahren unterschiedlich und leidenschaftlich diskutiert werden. Wie schon in „Terror“ muss der Zuschauer seine moralischen Wertvorstellungen im Hinblick auf die im Grundgesetz garantierte Würde des Menschen und die Verantwortung jedes einzelnen für jeden einzelnen überprüfen. „Gott“ will eine Debatte anstoßen, die der Gesetzgeber und die Gesellschaft öffentlich führen müssen.

Am Mittwoch, 30. September, um 20 Uhr tagt im Theater Meppen unter Einbeziehung des Publikums kein Gericht, sondern der Deutsche Ethikrat, der am Beispiel eines älteren gesunden Mannes die Frage um die Rechtmäßigkeit von Sterbehilfe und damit nach dem Recht auf einen selbstbestimmten Tod berät. Unser Tod soll nicht erschrecken, er soll andere nicht behelligen, er soll selbstbestimmt und friedlich sein. Können wir diese Entscheidung für uns treffen und auf Beistand hoffen? Also: Wahltod statt Qualtod? Bis vor Kurzem war dies nach geltendem deutschem Recht nicht möglich. Paragraf 217 des Strafgesetzbuches vom Dezember 2015 verbot die „geschäftsmäßige Förderung“ von Suizid. Dagegen hatten Ärzte, Privatpersonen, Sterbeorganisationen, Pfleger und Rechtsanwälte Verfassungsbeschwerde eingelegt. Das Verbot – so die Beschwerdeführer – verletze ihre Grundrechte. Denn wenn der Staat Sterbehilfe verbiete, so verwehre er das Recht auf selbst bestimmtes Sterben. Am 26. Februar 2020 hat das Verfassungsgericht dieses Verbot nun für verfassungswidrig erklärt. Doch was bedeutet das für unsere Zukunft? Wie wird der Gesetzgeber handeln, um die Suizidhilfe mit Erlaubnisvorbehalten, Aufklärungs- und Wartepflichten etc. zu regulieren? Und: Ist das Ganze überhaupt wünschenswert, ethisch vertretbar und zukunftsweisend — oder treten wir damit eine Lawine los, deren Ausmaße wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht absehen können…?

Karten für dieses hochaktuelle Schauspiel mit Ernst Wilhelm Lenik in der Titelrolle sind bei der Theatergemeinde Meppen, Kirchstraße 1a, 49716 Meppen, Telefon 05931 153378, bei der Tourist Information Meppen, Markt 4, 49716 Meppen, Telefon 05931 153153, bei allen bekannten Vorverkaufsstellen der Theatergemeinde und online auf www.theater-meppen.de erhältlich.

Bedingt durch Covid-19 wird das Stück ohne Pause gespielt. Des Weiteren wird es keinen Garderoben- und Gastronomieservice geben und die Besucher sind verpflichtet, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen, bis Sie Ihren zugewiesenen Sitzplatz eingenommen haben.

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