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01.10.2019, 20:30 Uhr

Schimpansen verlassen Nordhorner Tierpark

Die beiden Schimpansen bekommen demnächst in Antwerpen ein neues Zuhause. In den letzten Jahren gab es schon viele Optionen, die vom Zuchtbuch zusammen mit den beteiligten Zoos ernsthaft geprüft wurden.

Lomela wurde in diesem Jahr 30 Jahre alt. Foto: Franz Frieling

Lomela wurde in diesem Jahr 30 Jahre alt. Foto: Franz Frieling

Bei diesen Überlegungen steht immer das Wohl der Tiere an erster Stelle. Manch eine Option wurde deshalb in der Vergangenheit nach gründlicher Prüfung auch wieder verworfen. Im Juni vergangenen Jahres wurde der Schimpansenmann Lukani auf Empfehlung des Zuchtbuches zum Beispiel nach Beekse Bergen (Niederlande) vermittelt. Für Nancy und Lomela, die beiden jetzigen Nordhorner Schimpansinnen, hat das Zuchtbuch mit dem Zoo Antwerpen in Belgien nun aktuell auch eine neue Gruppe empfohlen.

Für Nancy war der Tierpark Nordhorn fast 32 Jahre lang ihr Zuhause. Im November 1987 kam sie zusammen mit Schimpansin Biene in den Zoo. Beide Tiere stammten aus einem Zirkus, der die Menschenaffen nicht mehr halten konnte. Für Nancy steht das Geburtsjahr 1979 in den Akten. Demnach ist sie 40 Jahre alt. In der Regel werden die Tiere im Freiland maximal 30 bis 40 Jahre alt, viele sterben bereits im Kindesalter. Denn wie bei fast allen Tierarten ist die Jungtiersterblichkeit hoch. In menschlicher Obhut dagegen können Schimpansen auch das 50. Lebensjahr erreichen. Aus den Jahren ihrer Jugendzeit im Zirkus hat sich Nancy eine besondere Eigenart bewahrt, das Grimassen schneiden. Überhaupt ist sie auf Menschen bezogen. „Das macht die Arbeit und das Training mit ihr deutlich leichter als zum Beispiel mit Lomela, sagt Gwen Bron, Revierleiterin des Affen-Vogel-Reviers. Die Niederländerin hat zusätzlich zur Tierpflege eine Tiertrainer-Ausbildung abgeschlossen. Ihr Verhältnis zu den Schimpansen in Nordhorn ist sicher am intensivsten. Auch wenn natürlich andere Tierpfleger ebenfalls mit den Menschenaffen trainieren und diese versorgt haben. Nancy vertraut ihrer Pflegerin Gwen so sehr, dass diese bei der Schimpansin sogar Fieber messen oder eine Spritze geben kann.

Mit Lomela klappt das nur bedingt. Sie ist deutlich autarker, selbstbewusster, misstrauischer und auch etwas schlauer als Nancy – sofern man das so vermenschlicht sagen kann. Lomelas Geburtsdatum ist genau bekannt. Sie wurde in diesem Jahr 30 Jahre alt und stammt aus dem Allwetterzoo in Münster. Leider hat Lomela viermal tote Jungtiere zur Welt gebracht. Warum, konnte nicht herausgefunden werden. Sie war immer sehr an Jungtieren interessiert und hätte sich höchstwahrscheinlich auch gut um ihren eigenen Nachwuchs gekümmert, wenn der denn lebend zur Welt gekommen wäre. „Diesmal wird der Umzug klappen, alle Beteiligten sind sich einig“, freut sich die Zootierärztin und Kuratorin Dr. Heike Weber.

Seit 17 Jahren arbeitet sie im Tierpark Nordhorn. Und von Beginn an hat sie zusammen mit dem Zuchtbuch versucht, für die verschiedenen Nordhorner Schimpansen geeignete Gruppen zu finden. Dass das nicht einfach war, zeigt die Zeit, die seither vergangen ist. „Man will ja auch sicher sein, dass es den Tieren in einer neuen Gruppe besser oder zumindest genauso gut geht wie bei uns“, erklärt sie. „Und diese beiden Schimpansen sind aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters, der unbekannten Herkunft und Genetik bei Nancy beziehungsweise der Totgeburten bei Lomela auch keine einfachen, geschweige denn züchterisch interessanten Tiere. Aber sie sind echte Persönlichkeiten und umso glücklicher sind wir mit dem Zoo Antwerpen in Belgien, einen richtig guten Ort für die beiden gefunden zu haben“, erklärt sie.

Nancy ist seit 1987 im Nordhorner Tierpark. Foto: Franz Frieling

Nancy ist seit 1987 im Nordhorner Tierpark. Foto: Franz Frieling