21.10.2020, 14:04 Uhr

Regionale Unternehmer fürchten Schaden bei „No Deal“-Brexit

Die Zeit für ein Brexit-Abkommen läuft ab. Laut einer Umfrage der IHK wünscht sich die große Mehrheit der regionalen Unternehmer ein Last-Minute-Abkommen zwischen der EU und Großbritannien, befürchtet jedoch gleichzeitig einen harten „No Deal“-Brexit. Archivfoto: dpa

Die Zeit für ein Brexit-Abkommen läuft ab. Laut einer Umfrage der IHK wünscht sich die große Mehrheit der regionalen Unternehmer ein Last-Minute-Abkommen zwischen der EU und Großbritannien, befürchtet jedoch gleichzeitig einen harten „No Deal“-Brexit. Archivfoto: dpa

Osnabrück Die große Mehrheit der regionalen Unternehmen (90 Prozent) wünscht sich auch im letzten Augenblick noch den Abschluss eines Handelsabkommens mit Großbritannien. Allerdings halten gleichzeitig über 80 Prozent der Unternehmen ein solches Last-Minute-Abkommen für unwahrscheinlich oder sogar sehr unwahrscheinlich. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim. „Der Schaden eines ,No Deal’, also eines EU-Austritts Großbritanniens ohne Abkommen, wäre erheblich“, erklärt Frank Hesse, Geschäftsbereichsleiter International der IHK, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse.

Hoffnung auf Einigung in letzter Minute

Mehr als die Hälfte der Unternehmen befürchtet erhöhten bürokratischen Aufwand (59 Prozent), gut ein Drittel erwartet Umsatzrückgänge und gut jedes fünfte Unternehmen rechnet mit Gewinneinbußen. „Ein Abkommen zwischen der EU und Großbritannien sollte daher auch auf den letzten Metern noch das Ziel der europäischen Politik sein“, so Hesse. Im IHK-Bezirk seien immerhin 417 Unternehmen in Großbritannien aktiv, 32 sogar mit einer eigenen Niederlassung. Für diese Unternehmen brauche es schnellstmöglich Planungssicherheit.

Schon in diesem Jahr habe sich das Großbritannien-Geschäft verschlechtert. Drei von vier Betrieben stufen es als mäßig bis schlecht laufend, nur 28 Prozent als gut ein. Zum Vergleich: Bei einer IHK-Umfrage im Jahr 2018 bewerteten noch 42 Prozent ihr Großbritannien-Geschäft als gut. Für die Zukunft erwarten 58 Prozent der befragten Unternehmen, dass die Bedeutung des Marktes Großbritanniens für ihr Unternehmen abnimmt. Immerhin 33 Prozent rechnen nicht mit Änderungen hinsichtlich der Bedeutung des Großbritannien-Marktes für ihr Unternehmen.

Folgen des Brexit ungewiss

Ein großer Teil der Unternehmen (40 Prozent) hält sich für gut vorbereitet für den Fall eines ungeregelten Brexits. Allerdings geben auch fast 40 Prozent an, die konkreten Auswirkungen nicht abschätzen zu können, sodass Vorbereitungen schwierig sind. Sofern es zu einem Brexit ohne Abkommen kommt, rechnen die Betriebe vielfach damit, ihre Geschäftsbeziehungen zu britischen Partnern neu verhandeln zu müssen. 51 Prozent der Betriebe befürchten, dass es bei Preisen zu Nachverhandlungen kommen wird, 24 Prozent erwarten das bezüglich der Lieferkonditionen.

Weitere Informationen erteilt Yunus Güngördü von der IHK unter Telefon 0541 353-125 oder per E-Mail an gungordu@osnabrueck.ihk.de.

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