07.06.2019, 10:17 Uhr

Referent spricht über die Dauerkrise der EU

Ehemaliger ARD-Korrespondent Rolf-Dieter Krause plädiert für ein Kerneuropa

Der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung, Klaas Johannink, die Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung, Jutta Lübbert, und Referent Rolf-Dieter Krause, ehemaliger Leiter des ARD-Studios in Brüssel. Foto: Wala-Eichhorn

Der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung, Klaas Johannink, die Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung, Jutta Lübbert, und Referent Rolf-Dieter Krause, ehemaliger Leiter des ARD-Studios in Brüssel. Foto: Wala-Eichhorn

Recht deutliche Worte zum Thema Europa sprach Rolf-Dieter Krause, ehemaliger Leiter des ARD-Studios in Brüssel, der auf Einladung der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim nach Nordhorn gekommen war.

Mit einem plastischen Bild machte er klar, wohin sich Europa entwickeln könnte, wenn die Dauerkrise der EU nicht bald gelöst wird. Man stelle sich vor, Cristiano Ronaldo wäre ein Weltklassespieler, würde aber nur in der Kreisklasse spielen, der Rasen wäre von schlechter Qualität und Möglichkeiten der Vermarktung eher gering. Ergebnis: Ronaldo wäre immer noch ein Weltklassespieler, würde sich aber nie entfalten können. So müsse man sich Europa vorstellen, wenn es wieder zur Nationalstaatlichkeit zurückkehren würde, sagt Krause mit Blick auf rückwärts gewandte Entwicklungen, die sich bei der Europawahl gezeigt hätten. Er verwies auf die Wahlergebnisse von Rechtspopulisten beispielsweise in Frankreich, Italien und England, die ein Europa der Nationalstaaten wiederhaben wollen.

Ein weiteres Bild aus dem Fußballsport: Was passiert mit Spielern, die ständig und mit Absicht Eigentore schießen? Dieses Bild verwendet Rolf-Dieter Krause für das Verhalten vieler EU-Länder, die sich nicht an die Regeln halten, zu deren Einhaltung sie sich mit dem Eintritt in die EU verpflichtet haben. Die Palette der Verfehlungen, die er anspricht, reicht von der Einschränkung der Unabhängigkeit der Justiz über mangelnde Pressefreiheit bis hin zu Korruption, die Liste der Länder, die für solches Verhalten stehen, von Polen über Ungarn bis hin zu Rumänien und Malta. Nicht einmal Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes würden von diesen Ländern anerkannt.

Was passiert also mit Spielern, die ständig Eigentore schießen? Normalerweise würden sie ausgewechselt werden und nie wieder auf den Platz gekommen. Das Problem der EU: Die Gründerväter, sagte Krause, haben bei der Unterzeichnung der Europäischen Verträge aus Naivität einen Fehler gemacht, indem sie bei bestimmten Entscheidungen die Einstimmigkeit aller Länder zur Voraussetzung gemacht haben. Damit verbunden ist nach den Ausführungen des Referenten ein großes Problem: Es müssen viele Hürden überwunden werden, um Länder aus der EU auszuschließen, die sich nicht an die vereinbarten Regeln halten.

Krause erinnerte bei aller zum Teil auch berechtigten Kritik an der EU, wofür diese Gemeinschaft eigentlich steht: Für über 70 Jahre Frieden, für wirtschaftliches Wachstum und für den Schutz von europäischen Interessen in einer globalisierten Welt. Umso unverständlicher ist für ihn das Verhalten vieler Akteure in der Europäischen Union. Gerade vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas, der Krisen in der Ukraine oder im Nahen Osten sowie der nationalstaatlichen Politik der USA, der als transatlantischer Partner kaum noch eine Rolle zu spielen scheint, ist es für Krause umso wichtiger, für den Erhalt eines starken Europa und einer starken EU zu kämpfen.

Um diesen Kampf aufzunehmen, sieht der ehemalige ARD-Korrespondent als einzige Lösung ein sogenanntes Kerneuropa, bei dem vor allem Deutschland und Frankreich eine große Rolle spielen werden. Auf viele kleine Akteure könne man verzichten.

Nähere Informationen: www.wirtschaft-grafschaft.de

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