23.07.2019, 13:00 Uhr

Reallabor der Energiewende - Salzbergen erhält Zuschlag

Die „H2-Region Emsland“ zählt zu den Gewinnern des Ideenwettbewerbs „Reallabore der Energiewende“, die Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in der vergangenen Woche bekanntgab.

Die Raffinerie in Salzbergen soll zum Reallabor im Emsland werden. Foto: Konjer

Die Raffinerie in Salzbergen soll zum Reallabor im Emsland werden. Foto: Konjer

„Das ist ein Riesenerfolg für uns und wir freuen uns, dass wir künftig ein Reallabor im Landkreis Emsland haben werden, um von hier die Energiewende und den Klimaschutz vorantreiben zu können“, begrüßte Landrat Reinhard Winter die Entscheidung. Berücksichtigt worden ist das Projekt „Sektorenkopplung“ der H&R Chemisch Pharmazeutischen Spezialitäten GmbH in Salzbergen. In dem Projekt wird es darum gehen, das klimaschädliche Kohlenstoffdioxid (CO2), das in unterschiedlichsten Produktionsprozessen entsteht, für verschiedene Sektoren im industriellen Maßstab zu erschließen.

Bisher ungenutztes, breit verfügbares CO2 soll damit unter anderem als Rohstoff verwertbar gemacht werden. Zum anderen soll es dazu beitragen, erneuerbare Energien in das Energieversorgungsnetz zu integrieren. Dazu wollen die Partner mithilfe eines Prototyps das von der Salzbergener Müllverbrennungsanlage ausgestoßene CO2 im industriellen Maßstab abscheiden und mit „grünem“ Wasserstoff, hergestellt aus Ökostrom, in synthetisches Methan umwandeln. Dieses soll in das bestehende Erdgasnetz eingespeist werden. Zudem können andere Anlagen versorgt werden, die mit CO2 und „grünem“ Wasserstoff synthetische Kraftstoffe herstellen. Auch können Industrieunternehmen das CO2 zur Herstellung von Spezialchemikalien verwenden und dabei letztlich Erdgas oder Erdöl ersetzen. Wissenschaftliche Begleitforschung durch die TU Clausthal stellt sicher, dass das Projekt als Blaupause für weitere Vorhaben dienen kann.

Bis 2050 soll Deutschland fast vollständig klimaneutral wirtschaften. „Der grüne Wasserstoff bildet einen wesentlichen Bestandteil, um dieses Ziel zu erreichen. Das jetzt mit einer Förderung bedachte Projekt ,Sektorenkopplung´ ist eines von weiteren innovativen Vorhaben im Emsland für klimafreundliche Produktion und die vermehrte Nutzung regenerativer Energien“, so Winter. Nennen wolle der Landrat hier das 3N Kompetenzzentrum in Werlte, die Audi-e-gas-Anlage in Werlte zur Erzeugung von synthetischem Methan als Kraftstoff sowie Pilotversuche von BP Lingen „grünen“ Wasserstoff für die Entschwefelung von Kraftstoffen einzusetzen.

Unterstützt von der Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft war die „H2-Region Emsland“ mit vier Projekten beim Ideenwettbewerb angetreten, wovon nun eines den Zuschlag erhielt. Bundesweit hat Altmaier 20 Reallabore ausgerufen, die Hälfte davon in Strukturwandelregionen wie die östlichen Bundesländer oder das einstige „Kohleland“ Nordrhein-Westfalen. Zum Ideenwettbewerb waren insgesamt 90 Vorschläge eingereicht worden. Das Bundeswirtschaftsministerium stellt jährlich 100 Mio. Euro Fördermittel für die Reallabore zur Verfügung. Die Reallabore in Strukturwandelregionen sollen mit weiteren 200 Mio. Euro unterstützt werden.

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