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18.09.2019, 00:02 Uhr

Promi-Geburtstag vom 18. September: Gunther Emmerlich

Sein sonorer Bass ist in Konzert, Oper und TV zu hören. Längst im Rentenalter, legt Gunther Emmerlich die Hände nicht in den Schoß. Er singt, inszeniert, moderiert und schreibt – auch nach dem Motto: Wer rastet, der rostet.

Promi-Geburtstag vom 18. September: Gunther Emmerlich

Sänger Gunther Emmerlich wird 75. Foto: Robert Michael

Von Simona Block, dpa

dpa Dresden Opernrollen, Liederabende, Konzerte, Moderationen: Obwohl er inzwischen zehnfacher Opa und längst im Rentenalter ist, kommt beruflicher Ruhestand für Gunther Emmerlich nicht in Frage.

Das Portfolio des Sängers und Entertainers, der am Mittwoch (18. September) in Dresden seinen 75. Geburtstag feiert, wird nicht schmäler. Neben Singen, Inszenieren, Moderieren und dem Ausflug in die Schauspielerei ist das Schreiben zur weiteren Leidenschaft geworden. „Ich arbeite gerade an meinem vierten Buch“, sagt der gebürtige Thüringer und sinniert über den Titel: „Vielleicht unvollendet“. Weil die Zeit vergeht, enthält es wie schon die drei Vorgänger neu Erlebtes und Gelebtes.

Aufhören ist für Emmerlich wie für andere Künstler in diesem Alter keine Option. „Diesen Beruf kann man nicht zur Hälfte machen.“ Auch das gewollte Kürzertreten klappt nicht so richtig. Seit einer Herz-OP 2007 lebt der 1,93 Meter-Mann aber gesünder. „Ich habe über 20 Kilo abgenommen in anderthalb Jahren“, sagt der zehnfache Großvater stolz. Und über die Enkel: „Alles Mädchen, ich mag Frauen“.

Die Auszeit mit seiner Frau, der Schauspielerin Anne-Kathrein, dauert aber an - mit Rückkehroption. Eine Scheidung ist kein Thema. „Lieber Eintracht unter zwei Dächern als Zwietracht unter einem“, zitiert sich der frischgebackene Urgroßvater selbst.

Emmerlich wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern bei seiner Schwester und seinem Schwager auf, die ihm das Waisenhaus ersparten. Mit 22 begann der ausgebildete Bauingenieur ein Studium des Operngesangs an der Weimarer Musikhochschule Franz Liszt. 1972 engagierte ihn das Nachwuchsstudio der Dresdner Oper - kurz darauf wurde er ins Ensemble übernommen. Daneben gründete der Banjo-Spieler und Jazzsänger 1985 mit gleichgesinnten Musikern der Staatskapelle die Semper HouseBand.

Ab 1987 eroberte Emmerlich dann den TV-Bildschirm in der DDR und bot mit „Showkolade“ - einem Mix aus Glitzer, Zeitkritik und Kabarett - sogar Thomas Gottschalks „Wetten, dass...? “ im Westen Paroli. Die Neigung zu aufmüpfigen politischen Randbemerkungen brachte ihn ins Fadenkreuz der DDR-Kulturbehörden, die ihn wegen „staatsfeindlicher Betrachtungen“ zeitweise mit Auftrittsverbot belegten. 1992 löste er seinen Vertrag mit der Semperoper, um frei zu arbeiten. Mit Sendungen wie „Nimm Dir Zeit“, „Gunther und drüber“ und „Zauberhafte Heimat“ avancierte er dann zu einem Liebling deutscher Fernsehzuschauer in Ost und West.

Nach wie vor ist der Künstler, der eigentlich Pilot werden oder zur See fahren wollte, das halbe Jahr unterwegs. Der Terminkalender ist randvoll: Konzerte mit der Semper HouseBand, Duette mit Deborah Sasson - mit ihr debütierte er 2008 erfolgreich in der New Yorker Carnegie Hall - und Eva Lind, Auftritte in Kirchen und im Theater, TV-Moderationen. Sein Musik-Repertoire reicht von Kirchenmusik über Lieder-Zyklen, Arien und Duette bis zu Dixieland und Swing - und zum „Bettelstudent“ bei den Bad Hersfelder Festspielen, wo er auch zu erleben ist.

Daneben ist Emmerlich Weinbotschafter und Ehrenbraumeister sowie vielfacher Schirmherr, etwa für die Sanierung der Schlosskirche Wittenberg, in der Luther erstmals predigte. Ansonsten genießt er das Leben. „Man muss sich des Moments erfreuen.“ Für die Fitness spielt er Tischtennis und geht wandern, nur sind die Touren mit seinem Trupp „Bündnis 98 Die Blauen“ rarer geworden - „und die Abstände zwischen den Gaststätten dabei kürzer“.

In seiner Jugendstilvilla im Dresdner Stadtteil Weißer Hirsch sorgt die jüngste Enkelin Mia für Leben in der Bude. Die Kleine stehe immer staunend neben dem Klavier, wenn er übt, erzählt Emmerlich stolz. „Ich bin dem Herrgott unendlich dankbar, dass ich nach wie vor bei Stimme bin.“ Das Alterstremolo hat sich noch nicht gemeldet. „Die Töne kommen noch so, wie ich sie will.“ Er müsse nicht mehr wegen des Geldes arbeiten, „sondern weil es mir Spaß macht“, betont er. „Und so lange es Leute gibt, die diese Freude teilen, gibt es keinen Grund zum Aufhören.“