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28.01.2020, 10:36 Uhr

Pit und Paule - Kleiner Panda-Knigge

Wenn diese Woche Berlins niedliche Panda-Zwillinge das erste Mal für Besucher zu sehen sind, kann Vorbereitung nicht schaden. Wie sprechen sich chinesische Bärennamen aus - und ist das alles nun Artenschutz oder Zoo-Marketing?

Fleißig, tapsig, neugierig: die Panda-Zwillinge Meng Yuan (l) und Meng Xiang. Foto: Christoph Soeder/dpa

Fleißig, tapsig, neugierig: die Panda-Zwillinge Meng Yuan (l) und Meng Xiang. Foto: Christoph Soeder/dpa

Von Ulrike von Leszczynski und Gisela Gross, dpa

dpa Berlin Flauschig, tapsig, neugierig: Am Donnerstag (30. Januar) sind die kleinen Panda-Zwillinge im Berliner Zoo das erste Mal für Besucher zu sehen.

Die fünf Monate alten Brüder, die bisher hinter den Kulissen aufwuchsen, sind ein Garant für das Rundum-Niedlich-Paket. Aber nicht alle Tierfreunde macht der Rummel um die Pandas glücklich. Eine Übersicht vom Panda-Knigge bis zum Merchandising-Bär.

PANDA-SEX: Ist auf jeden Fall Gesprächsstoff in der Hauptstadt und würde sich auch für einen neuen Aufklärungsfilm von Woody Allen eignen. Kurzfassung: Pandas sind Sexmuffel, die Weibchen nur rund drei Tage im Jahr fruchtbar, ansonsten gehen sich die Tiere aus dem Weg. Nachwuchs ist so keine Selbstverständlichkeit. Der Berliner Zoo hat mit einer Kinderwunschbehandlung nachgeholfen. Das Ergebnis war Ende August die erste Panda-Geburt in einem deutschen Zoo.

BÄREN-KNIGGE: Höflichkeit wird in China groß geschrieben. Wer die junge Panda-Familie korrekt ansprechen möchte, kann üben. Der Name von Muttertier Meng Meng wird Möng Möng ausgesprochen. Die Namen der Jungen, Meng Yuan und Meng Xiang, werden Möng Juan und Möng Tschiang betont. Tierpfleger haben die Sache vereinfacht. Sie sagen Pit und Paule.

NOMEN EST OMEN: Auch die Bedeutung von Namen ist in China wichtig. Meng Meng heißt Träumchen, Meng Yuang bedeutet erfüllter Traum und Meng Xiang ersehnter Traum. Das trifft es ziemlich genau, denn der Berliner Zoo hoffte mit früheren Panda-Paaren immer nur vergeblich auf Nachwuchs. Wer noch Panda-Papa Jiao Qing (gesprochen Dschiao Tsching) begrüßen möchte, der sich naturgemäß nicht um die Aufzucht der Jungen kümmert und lieber kiloweise Bambus kaut, schaut ins Gehege nebenan. Sein Name bedeutet Schätzchen.

REDEN WIR ÜBER GELD: Das Gehege mit grün-rot geschwungenem Ziegeldach mit Drachen als Krönung kostete fast zehn Millionen Euro. Die moderne Anlage war Voraussetzung dafür, dass China Pandas abgab. Sie sind allerdings kein Geschenk, sondern geleast. Die Leihgebühr für die Elterntiere beträgt rund eine Million US-Dollar pro Jahr - Geld, das nach chinesischen Angaben in den Artenschutz fließt. Ob auch für die Zwillinge, die laut Vertrag ebenfalls Eigentums Chinas sind, Dollars fällig werden, verrät der Zoo nicht. So oder so: Allein der Bambus, den die Eltern futtern, schlägt mit rund 200.000 Euro pro Jahr zu Buche.

FREI NACH SCHNAUZE: Lassen sich Panda-Zwillinge auseinanderhalten? Ja, sagen ihre Pfleger. Meng Xiang habe die lange Schnauze und den treuen Blick von seinem Vater. Wie der Papa habe er die Ruhe weg und sei immer für ein Schläfchen zu haben. Meng Yuan komme mit seiner kurzen Schnauze ganz nach seiner temperamentvolleren Mama. Auch er sei ein quirliger Charakter, dem kein Hindernis zu hoch sei.

MARKETING: Knuddelige Zootiere können eine Goldgrube sein. Das zeigte Eisbär Knut ab Ende 2006. Elf Millionen Menschen kamen zum „Knutgucken“, Fan-Artikel brachten Einnahmen über den Eintritt hinaus. Allein 2007 bescherte Knut dem Zoo einen Gewinn von rund fünf Millionen Euro. Heute kostet der Eintritt für Erwachsene 15,50 Euro und der Zoo-Shop ist voller Panda-Stofftiere und anderer Werbeartikel. Der Zoo betont, dass Pandas wichtige Botschafter für den Artenschutz seien.

PANDA-DIPLOMATIE: Kritiker monieren, dass die Panda-Zucht in China von rein kommerziellen Interessen geleitet sei. Ziel sei daneben auch Panda-Diplomatie, bei der die seltenen Tiere nur an Länder verliehen würden, mit denen China gute Beziehungen pflege oder pflegen wolle. Das Berliner Panda-Paar erbat keine Geringere als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie begrüßte die Tiere im Sommer 2017 mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping im Zoo.

AUSGETRICKST: In freier Natur würden Panda-Mütter nur ein Junges aufziehen, um ihre Energie zu bündeln. Der Zoo brachte Bärenmama Meng Meng deshalb zuerst nur ein Jungtier zum Säugen und versorgte den anderen Zwilling so lange in einem Brutkasten, den die Charité auslieh. Meng Mengs Pfleger hatten jedoch den Eindruck, dass die Bärin den Trick durchschaute - und sich sehr schnell bewusst war, dass sie zwei Junge hat. Inzwischen sind die Zwillinge überwiegend zusammen bei ihrer Mutter.

ARTENSCHUTZ: Die Tierrechtsorganisation Peta behauptet, dass Panda-Zucht bisher kaum einen Beitrag zum Artenschutz leiste. 2016 seien in China lediglich sieben Pandas ausgewildert worden, nur fünf hätten überlebt. Der Berliner Zoo verweist darauf, dass es das Auswilderungsprogramm für Pandas erst seit 2003 gebe. Dazu gehöre auch die planvolle Zucht. Auswilderung setze voraus, dass es genügend Lebensraum für Pandas gebe. Erst umfangreiche Naturschutz-Bemühungen hätten dazu geführt, dass die Freilandbestände wieder wachsen könnten. Die Bestandszählung des Naturschutzverbandes WWF geht von rund 1860 ausgewachsenen Großen Pandas im natürlichen Lebensraum aus - ein Zuwachs von rund 17 Prozent seit 2004. Die Art gilt aber weiter als gefährdet.

PROMI-FAKTOR: Hunde haben Besitzer, Katzen Personal. Und Pandas? Im Berliner Zoo haben sie ein Betreuungsteam wie menschliche Promis. Es besteht aus vier Tierpflegern und seit der Geburt aus zwei chinesischen Experten. Dazu kommen der Zoologische Leiter und der leitende Tierarzt, die aber auch für andere Zootiere zuständig sind.