12.05.2021, 09:20 Uhr

Onlinekurs Platt für (noch) nicht Plattproater

Landschaftspräsident Hermann Bröring und Gesche Gloystein von der Fachstelle Plattdeutsch der Emsländischen Landschaft setzen sich für den Erhalt der Regionalsprache ein. Foto: Emsländische Landschaft

Landschaftspräsident Hermann Bröring und Gesche Gloystein von der Fachstelle Plattdeutsch der Emsländischen Landschaft setzen sich für den Erhalt der Regionalsprache ein. Foto: Emsländische Landschaft

Meppen In Zeiten einer weltweiten Pandemie muss man neue Wege gehen. Auch, oder vielleicht gerade, wenn es um die Arbeit mit der Regionalsprache Plattdeutsch geht. So hat die Emsländische Landschaft ein neues Angebot in Planung: einen Online-Kurs auf und über Platt. Landschaftspräsident Hermann Bröring sagt zu diesem Wagnis: „Plattdeutsch und Digitalisierung schließen sich nicht aus, im Gegenteil! Dieser Kurs zeigt, dass wir die regionale Sprache auch in hochaktuellem Kontext nutzen können und müssen, um ihr Bestehen zu sichern.“

Unter dem Titel „Platt för di! Feierabend Onlinekurs“ bietet also Gesche Gloystein von der Fachstelle Plattdeutsch der Emsländischen Landschaft im Mai und Juni an fünf Terminen einen Onlinekurs an. Hierbei handelt es sich nicht um einen klassischen Sprachkurs, sondern eher um eine Art Konversationskurs. Er richtet sich also an Menschen aus der Region, die Plattdeutsch zwar im Ohr und im Herzen tragen, aber noch nicht so auf der Zunge. Gloystein will Mut machen, sich die Sprache auch im Erwachsenenalter anzueignen. „Viele von uns sind mit Platt aufgewachsen, leider wurde es uns durch den damaligen Zeitgeist nicht immer im Elternhaus beigebracht. Das vermehrte Bewusstsein für frühe Mehrsprachigkeit und auch den Erhalt von Regionalsprachen ist noch relativ jung.“ Viele verfügen aber durchaus über passive Sprachkenntnisse, die aktiviert werden können. Oft fehlt auch nur der geschützte Raum, in dem auch Fehler gemacht werden dürfen. „Daran möchte ich arbeiten, dass die Menschen sich einfach mehr trauen, ihr Platt in den Mund zu nehmen. Und bereit sind, noch etwas dazuzulernen.“

Auch darum geht es in dem Online-Kurs: über Platt lernen. Anhand von aktuellen Fragestellungen soll in Gesprächsrunden die Lage des Plattdeutschen in der Region reflektiert werden, wo es geht natürlich auf Platt. Themen sind zum Beispiel die Rolle des Niederdeutschen im Alltag und in den Medien. Auch die Vielfalt der Dialekte und die regionalen Unterschiede werden ein Thema sein: „Wenn man anfängt, Platt zu lernen, wird man oft dadurch ausgebremst, dass die vielen regionalen Mikrodialekte sehr unterschiedlich sind und an Hinweisen darauf auch nicht gespart wird. Das verunsichert. Ich möchte vermitteln, dass die plattdeutschen Dialekte untereinander zwar Unterschiede haben, aber im Grunde viel mehr Gemeinsamkeiten. Sie sind zum Beispiel weniger verschieden als die Dialekte des Hochdeutschen untereinander.“ Auch historisch wird das Plattdeutsche eingeordnet, es geht um die Franzosenzeit und ihren Einfluss auf die Sprache, oder auch die Auswanderung. So finden sich zum Beispiel in Südamerika heute ganz eigene Formen des Niederdeutschen. Über diese Themen sollen die Teilnehmer ins Gespräch kommen, sich trauen Platt zu sprechen und dabei ihre Sprachfähigkeit verbessern. Auch Grammatik wird ein Thema sein. Gesche Gloystein hat selbst erst als Erwachsene Platt gelernt: „Es ist möglich. Man kann auch später im Leben noch Platt lernen oder aktivieren.“ Sie selbst hat es an der Universität Oldenburg gelernt. Darum sagt sie selbst, ist ihr Platt auch nicht streng regional zuzuordnen. „In diesem Kurs sind alle Varianten willkommen, wir werden die oft sehr ähnliche Grundgrammatik betrachten, die dann auf die individuellen Dialekte angewendet werden kann.“ Außerdem wird in diesem Teil des Kurses auf häufige Fehler und „falsche Freunde“ im Plattdeutschen eingegangen. „Ich habe sie alle gemacht. Aber wenn man die darunterliegende Struktur einmal genauer anschaut, versteht alle gemacht. Aber wenn man die darunterliegende Struktur einmal genauer anschaut, versteht man die Sprache sehr viel besser.“

In den fünf Kurseinheiten wird man sicher nicht vollständig Plattdeutsch sprechen lernen. Aber es ist ein Angebot der Landschaft, sich damit auseinanderzusetzen und Platt in den eigenen Alltag zu bringen. Als Feierabendkurs am Montagabend will die Kursleiterin es nicht zu streng angehen lassen: Ich wünsche mir etwas Stammtischatmosphäre dabei. Man darf gern ein Getränk seiner Wahl parat halten, wenn wir uns in unseren digitalen Wohnzimmern begegnen.

Die Termine im Überblick: Montags, 18.30 bis 20 Uhr am 31. Mai, 7., 14., 21. und 28. Juni. Anmeldungen erfolgen bei der Fachstelle Plattdeutsch der Emsländischen Landschaft: gloystein@emslaendischelandschaft.de.

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