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22.01.2019, 18:38 Uhr

Streit um den Dortmunder „Tatort“

Über den Dortmunder „Tatort“ wird gestritten. Die Stadt moniert üble Ruhrpott-Klischees. Was dürfen Krimis, wie beeinflussen sie die Vorstellung von einer Metropole? Und was hat das mit Kult-Kommissar Schimanski zu tun?

Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon, M) mit dem ehemaligen Bergmann Stefan Kropp (Andreas Döhler) in einer Szene des "Tatort: Zorn" Foto: Martin Valentin Menke

Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon, M) mit dem ehemaligen Bergmann Stefan Kropp (Andreas Döhler) in einer Szene des "Tatort: Zorn" Foto: Martin Valentin Menke

Von Yuriko Wahl-Immel, dpa

dpa Dortmund Der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat die jüngste „Tatort“-Ausgabe „Zorn“ als klischeehaft und als „Mobbing“ gegenüber Stadt und Bewohnern kritisiert.

In einem Brief an den WDR-Intendanten Tom Buhrow schrieb der SPD-Politiker, auch ein Krimi-Drehbuch müsse „ein Mindestmaß an Bezug zur Realität vorweisen“. Aber: „Es ist eine plumpe Darstellung ohne jedwede regionalen Kenntnisse.“

Eine Sprecherin des Senders bestätigte am Dienstag den Eingang des Schreibens, das die Stadt am Vorabend auch an die Medien verschickt hatte. „Der Tatort ist Fiktion - aus dramaturgischen Gründen wird auch verdichtet und zugespitzt“, erklärte der Sender außerdem in einer Stellungnahme. Dadurch könnten Szenen von den einen als Klischees empfunden werden, von anderen als realitätsnahe Darstellungen. „Das polarisiert, löst Debatten aus - das ist aus unserer Sicht nicht negativ, sondern bereichernd.“

Sierau monierte, über die Handlungsorte Dortmund und Marl und die gesamte Region sei ein nicht zutreffendes Bild vermittelt worden. Der Strukturwandel werde ausgeblendet. „Die Macher dieser Folge geben die Menschen einer Region der Lächerlichkeit preis, indem sie diese Bier trinkend in Trainingsanzügen vor heruntergekommenen Häusern herumstehen lassen.“ Der WDR disqualifiziere auch „sich selbst als produzierender Sender“. Gedreht worden sei der Film zudem in Duisburg.

„Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn Sie den Dortmund-Tatort einstellen und Kommissar Faber und sein Team in den vorzeitigen Ruhestand schicken würden“, schreibt Sierau an Buhrow. Der WDR kommentierte das auf Anfrage nicht.

Die Dortmunder „Tatort“-Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) ermitteln in „Zorn“ den Mord an einem früheren Bergmann. Durchschnittlich 9,22 Millionen Zuschauer hatten die Folge am Sonntag im Ersten verfolgt.