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24.09.2020, 12:45 Uhr

Nordhorner Tierpark tauscht Waldrapp-Gruppe aus

Die neue Waldrapp-Gruppe ist Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes. Foto: Frieling

Die neue Waldrapp-Gruppe ist Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes. Foto: Frieling

Nordhorn Ein langer, gebogener Schnabel, schwarz-schillerndes Gefieder und ein nackter Kopf mit Federschopf verleihen dem Waldrapp ein markantes Aussehen. Einige der auffälligen Ibisvögel leben seit sechs Jahren gemeinsam mit Gänsegeiern, Sibirischen Steinböcken und Europäischen Sumpfschildkröten im „Geierfelsen“, der großen Voliere des Nordhorner Tierparks.

Zwei Aussichtspunkte ermöglichen den Zoobesuchern die Beobachtung der Tiere in der naturnahen Felslandschaft ohne trennende Gitter.

„Der Waldrapp, einst ein in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Spanien und im Westen des Balkans häufig anzutreffender Vogel, starb im 17. Jahrhundert in Mitteleuropa aufgrund intensiver Bejagung aus, da sein Fleisch als besonders schmackhaft galt“, erklärt Ina Deiting, Leiterin der Zooschule. „Heute laufen verschiedene Wiederansiedelungsversuche, um den Waldrapp als Brutvogel in Europa wieder zu etablieren. In freier Wildbahn lebten im Jahr 2019 nur noch etwa 700 Vögel in Marokko und etwa 250 halbwild in der Türkei“, ergänzt Deiting.

Artenschutzprogramm

In zoologischen Gärten wird der stark gefährdete Waldrapp Deiting zufolge hauptsächlich aus Artenschutzgründen gehalten. Da der Wildbestand klein und auf wenige Orte begrenzt ist, soll so langfristig eine Reservepopulation in Gefangenschaft erhalten werden. Der Bestand in den Zoos wird in einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) von Innsbruck aus koordiniert. „Insgesamt 108 Europäische Zoos beteiligen sich an dem Programm und halten etwa 1350 Vögel in ihren Einrichtungen – eine stolze Zahl“, findet Deiting.

Die Nordhorner Waldrappe kamen vor sechs Jahren aus dem schleswig-holsteinischen Sankt Peter-Ording. „Schon damals war es ein großer Wunsch des Tierparks, die gesamte Gruppe, wenn möglich, in das EEP zu integrieren. Leider war dies nicht erfolgreich, da die Zuchtlinien nicht nachvollziehbar waren“, führt Deiting weiter aus. Damit war eine wichtige Voraussetzung zur Teilnahme am EEP jedoch nicht gegeben. „Als wissenschaftlich geführter Zoo haben wir aber natürlich ein Interesse daran, am EEP mitzuwirken“, so Kurator Dr. Dirk Wewers. „Nachzuchten von EEP Tieren können mitunter in die bestehenden Auswilderungsprojekte in Österreich, Deutschland und Italien gehen, was für uns ein erklärtes Ziel wäre,“ so Wewers weiter. Dass dies durch den Austausch der Vögel nun gelungen ist, freut den neuen Kurator des Zoos.

Von Duisburg nach Nordhorn

Am 17. September zogen 18 neue Waldrappe aus dem Zoo Duisburg auf den „Geierfelsen“ in der Grafschaft Bentheim. Fünf weibliche Nordhorner Tiere durften bleiben, sodass die Waldrapp-Gruppe auf insgesamt 23 Tiere angewachsen ist, während die übrigen Nordhorner Tiere in den Eifelzoo zogen. „Die Duisburger Waldrappe gehen auf die Innsbrucker-Ursprungszuchtgruppe aller im Zoo geborenen Waldrappe zurück. Zwei der Tiere sind mit 44 und 45 Jahren sogar die ältesten Vögel im EEP. In freier Wildbahn erreichen die Ibisvögel lediglich ein Alter von 15 bis 20 Jahren“, erklärt Deiting abschließend. Nun ist man im Tierpark gespannt, ob die beiden hochbetagten Tiere noch für Nachzuchten im Tierpark Nordhorn sorgen und somit zum Erhalt der seltenen Ibisvögel beitragen können.

Auffälliges Aussehen: Kennzeichnend für die Ibisvögel sind der lange Schnabel, das metallisch glänzende Gefieder, das nackte Gesicht und der Federschopf am Hinterkopf. Foto: Frieling

Auffälliges Aussehen: Kennzeichnend für die Ibisvögel sind der lange Schnabel, das metallisch glänzende Gefieder, das nackte Gesicht und der Federschopf am Hinterkopf. Foto: Frieling

Auswilderungsprojekte sollen für eine Wiederansiedlung der Vögel in freier Wildbahn sorgen. Foto: Frieling

Auswilderungsprojekte sollen für eine Wiederansiedlung der Vögel in freier Wildbahn sorgen. Foto: Frieling

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