20.12.2021, 08:46 Uhr

Nordhorner genießen die LiLa Spätlese in der Alten Weberei

Mathias Meyer-Langenhoff, Martin Liening und Arno Heilgenberg mit ihren Gästen Gille W. Kuhr, Renate Kuhr und Meike Blunk. Foto: privat

Mathias Meyer-Langenhoff, Martin Liening und Arno Heilgenberg mit ihren Gästen Gille W. Kuhr, Renate Kuhr und Meike Blunk. Foto: privat

Nordhorn Eingetaucht in lila Scheinwerferlicht ging kürzlich die 32. LiLa Spätlese über die Bühne.

Erneut war das bekannte Nordhorner Literaturformat von der Kornmühle in die Alte Weberei umgezogen, weil dort mit einem entsprechenden Hygienekonzept und dem größeren Platzangebot die Durchführung der Veranstaltung pandemiebedingt sicherer war. Die geladenen Autoren Meike Blunk aus Lingen und Gille W. Kuhr aus Gildehaus überzeugten mit ihren Auftritten die zirka 60 Literaturfans, die sich an den Vierer-Tischen bei Getränken und gemütlichem Kerzenlicht sichtlich wohl fühlten.

Blunk präsentierte sich dem Publikum mit Lyrik und kurzen einführenden Worten. Gerade in schwierigen Zeiten, so die Autorin, müssten Künstlerinnen und Künstler ihren Visionen und Träumen folgen und sie in die Welt tragen. Und diesem Anspruch wurde sie gerecht, mit Gedichten, unter anderem inspiriert von Hilde Domin und Franz Wittkamp, die, wie sie selbst sagte, aus ihr „herausflossen“. „Ich sehe das warme goldene Licht und höre, wie ein Saxophon die Weite erklimmt“, so eine Zeile aus einem ihrer Werke, die die Zuschauer mitnahmen in eine Welt ohne Viren und sonstige Schrecken. Dankbarer Applaus belohnte Blunk für ihren Vortrag.

Gille W. Kuhr, Künstler und Autor aus Gildehaus, gelang es auf satirische Weise, das Publikum in eine Traumwelt zu entführen. Schon für die wegen Corona 2020 ausgefallene Jubiläumsfeier der LiLa Spätlese hatte er seine Geschichte „Voll vernetzt“ verfasst und für den Abend aktualisiert. Das moderne, eben total vernetzte Zeitalter, beginnt für die Familie in seinem Beitrag mit der Anschaffung eines „einen Meter großen TÜV-geprüften elektronischen Haushaltsroboters Modell XY-2030-Z – made in China – mit integriertem Sprachassistenten, vier Radaren, fünf Laser-Scannern, sechs Ultraschall-Sensoren, sieben hochauflösenden Kameras und zwei langlebigen austauschbaren Akkus.“ Die neue Haushaltshilfe, Mr. Butt getauft, bringt Eltern wie Kinder zunehmend in absurde Situationen. Allein das Codewort Rhabarberkompott wird zu einem Running Gag. Die von Renate Kuhr gesprochenen Passagen ließen inklusive eines immer wieder läutenden Telefons den Vortrag wie ein lebendiges Rollenspiel erscheinen. Auch der Bezug zur LiLa Spätlese amüsierte das Publikum, da sogar öffentliche Protagonisten wie die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel auftraten, der zur Freude der Macher des Literaturformats ihre Veranstaltungsreihe zumindest in der Geschichte Kuhrs bekannt war.

Humorvoll ging es nach der Pause weiter. Meyer-Langenhoff ließ seine Lehrerfigur Alex Wittig ein weiteres Abenteuer bestehen und erntete immer wieder Lachen und Glucksen im Publikum, dem offenbar einiges vertraut war, denn der Protagonist berichtete von seinen Erfahrungen bei einer Darmspiegelung. Im Anschluss unterhielt Martin Liening das Publikum mit kleinen Alltagsbeobachtungen und zwei seiner Geschichten aus verschiedenen Anthologien. In der einen ging es um das viel bemühte Gesprächsthema „Wetter“, die andere hatte in Anlehnung an Grimms Märchen „Hans im Glück“ die Entstehung des Bürgerradios zum Inhalt. Liening selbst moderiert regelmäßig seine Sendung „Radio Südwind“ auf der Ems-Vechte-Welle.

Wie immer betätigte sich Arno Heilgenberg mit seiner Gitarre zwischen den einzelnen Beiträgen als musikalischer Begleiter und beendete gemeinsam mit Liening den gelungenen Abend mit dem traditionellen Abschlussblues.