26.06.2019, 12:00 Uhr

Nordhorner Anwalt vertritt Klaus-Peter Wolf

Erfolgsschriftsteller („Ostfriesenkrimi-Reihe“) sieht sich Rufmord ausgesetzt.

Der Nordhorner Anwalt Wolfgang Weßling und der in Norden lebende Krimiautor Klaus Peter Wolf haben sich durch das Projekt „99 Künstler“ kennengelernt. Foto: Meistermann

Der Nordhorner Anwalt Wolfgang Weßling und der in Norden lebende Krimiautor Klaus Peter Wolf haben sich durch das Projekt „99 Künstler“ kennengelernt. Foto: Meistermann

„Früher hätte man solche Nestbeschmutzer bei Nebel ins Watt gejagt“ – dieser Satz brachte das Fass zum Überlaufen. Er stammt von dem ehemaligen Norder Ratsherren Gerdo Brauer und wurde im Rahmen eines Leserbriefes in der Ostfriesen-Zeitung veröffentlicht. Mit dem „Nestbeschmutzer“ ist der Erfolgsautor Klaus-Peter Wolf gemeint, der mit seiner Ostfriesen-Krimireihe Millionen von Büchern verkauft. Gerdo Brauer wollte, wie seinem Leserbrief weiter zu entnehmen ist, Klaus-Peter Wolf zum Vorwurf machen, dass er mit seinen Krimis ein falsches Bild von Ostfriesen als „Mördern und Banditen“ zeichne.

Inzwischen sind drei Sachen geklärt. Die FDP hat sich von der Äußerung Brauers distanziert, Brauer ist aus dem Ortsverband und von seiner Tätigkeit als Ratsherr zurückgetreten, und OZ-Chefredakteur Joachim Braun bezeichnete es als Fehler, dass der Satz vom Nestbeschmutzer im veröffentlichten Leserbrief nicht gestrichen wurde.

Das aber reicht Klaus-Peter Wolf vor dem Hintergrund von zunehmenden Hassattacken insbesondere im Internet nicht mehr. Wie er in einer persönlichen Erklärung mitteilt, hat er sich zum ersten Mal entschieden, gerichtlich gegen eine „Schmähschrift“ vorzugehen.

Inzwischen hat Klaus-Peter Wolf den Nordhorner Anwalt Wolfgang Weßling engagiert, der Gerdo Brauer eine Unterlassungserklärung zugeschickt hat. In seiner persönlichen Erklärung schreibt Wolf zum weiteren Verlauf folgende Zeilen: „Herr Brauer war allerdings nicht bereit, sie zu unterschreiben. Ich muss also damit rechnen, dass es weitergeht. Deswegen hat mein Anwalt eine Klageschrift verfasst und ans Landgericht Aurich geschickt.“

Wolfgang Weßling und Klaus-Peter Wolf haben sich über das Internet-Projekt „99 Künstler“ kennengelernt. Bei diesem Projekt, das Wolfgang Weßling gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Andreas Cordes durchführt, werden deutsche Künstler aus den unterschiedlichsten Bereichen in Wort und Bild vorgestellt.

Inzwischen hat sich aus diesem Kontakt eine gute Freundschaft entwickelt, und Wolfgang Weßling wurde von Klaus-Peter Wolf in zwei Ostfriesen-Krimis auch als literarische Figur verewigt, natürlich als Anwalt.

Die Auseinandersetzung zwischen Wolf und Gerdo Brauer hat weitere Kreise gezogen. Das Präsidium des PEN-Zentrums Deutschland, der führenden Vereinigung von Schriftstellern, hat sich mit dem Autor solidarisiert. „Die Grenze zwischen zu ertragenden und unerträglichen öffentlichen Äußerungen wird genau da überschritten, wo die Würde der Person und die Freiheit der Kunst und Meinungsäußerung verletzt werden. Der Hinweis, dass man Andersdenkende früher ermordet hätte („bei Nebel ins Watt gejagt“), verwirklicht das genaue Gegenteil von Meinungsfreiheit. Es handelt sich um eine Todesdrohung, die einschüchtern und freies Sprechen unmöglich machen soll“, heißt es in einer Erklärung des PEN.

Klaus-Peter Wolf hat die Hoffnung, dass das Gericht in Aurich bei dem anstehenden Prozess eine klare Trennungslinie ziehen wird. „Ich habe häufig Debatten angestoßen. Ich hoffe, dass mir genau dies auch jetzt gelingt. Ich streite hier für einen anständigen Umgang miteinander“, so Wolf.