30.04.2021, 13:30 Uhr

Nordhorn verabschiedet langjährige Schiedsmänner

Die Ehrenamtler mit Gratulanten vor dem Nordhorner Rathaus (von links): Lüdiger Liehmann (BDS), Patryk Tyrtania (Ordnungsamt der Stadt Nordhorn), Edeltraut und Clemens Dust, Angelika und Hermann Schoo sowie Amtsgerichtsdirektor Arno Vos und Bürgermeister Thomas Berling. Foto: Stadt Nordhorn

Die Ehrenamtler mit Gratulanten vor dem Nordhorner Rathaus (von links): Lüdiger Liehmann (BDS), Patryk Tyrtania (Ordnungsamt der Stadt Nordhorn), Edeltraut und Clemens Dust, Angelika und Hermann Schoo sowie Amtsgerichtsdirektor Arno Vos und Bürgermeister Thomas Berling. Foto: Stadt Nordhorn

Nordhorn Im Rahmen einer Feierstunde im Rathaus wurden vor Kurzem die beiden Nordhorner Schiedsmänner Clemens Dust und Hermann Schoo verabschiedet. Dust hat das Ehrenamt 30 Jahre lang ausgeübt, Schoo war zehn Jahre lang als Schiedsmann tätig.

Schlichter bei Streitigkeiten und kleinen Strafsachen

Ehrenamtliche Schiedspersonen können in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten und in sogenannten „kleinen“ Strafsachen angerufen werden. Dazu zählen insbesondere Nachbarschaftsstreitigkeiten, beispielsweise um Grundstücksgrenzen oder Ruhestörungen. Hier ist der Gang zu den Schiedsleuten seit einigen Jahren oft sogar rechtlich vorgeschrieben, bevor Klage eingereicht werden kann. Weitere typische Streitfälle betreffen zum Beispiel Hausfriedensbruch, Beleidigung oder Sachbeschädigung. Nordhorn ist in zwei Schiedsamtsbezirke eingeteilt, für die jeweils eine Schiedsperson zuständig ist. Der Stadtrat bestimmt alle fünf Jahre, wer das verantwortungsvolle Ehrenamt ausführen soll.

„Als Vertrauenspersonen in Nordhorn bekannt und anerkannt“

Im großen Sitzungssaal des Rathauses wurden Clemens Dust und Hermann Schoo unter Wahrung der notwendigen Corona-Schutzmaßnahmen verabschiedet. Erster Gratulant war Arno Vos, Direktor des Nordhorner Amtsgerichts. Er überreichte den beiden scheidenden Schiedsmännern die offiziellen Urkunden des Landes Niedersachsen und dankte ihnen auch im Namen des Präsidenten des Landgerichts für die geleistete Arbeit. „Zusammengerechnet haben Sie 40 Jahre lang einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft geleistet, fast ein halbes Leben lang“, stellte Vos fest. Der Blick auf die Statistik der Schiedsverfahren zeigt, dass die Nordhorner Schiedsmänner besonders häufig im Einsatz waren: Während eine Schiedsperson im Oberlandesgerichtsbezirk Osnabrück durchschnittlich 3,8 Zivilverfahren im Jahr betreut, waren es bei Dust zuletzt sechs und bei Schoo sieben. Bei den sogenannten „Tür- und Angelgeschäften“, in denen Bürger die Schiedsleute außerhalb von Schiedsverfahren um Rat fragen, liegt der Bezirksdurchschnitt bei 6,2 im Jahr. Dust verzeichnete hier zuletzt 14 Anfragen, Schoo sogar 39. „Das weist darauf hin, dass sie als Schieds- und Vertrauenspersonen in Nordhorn bekannt und anerkannt sind und ihr Ehrenamt in hervorragender Weise ausgeführt haben“, lobte Vos.

Dank für langjähriges Engagement und gute Zusammenarbeit

Dieser Einschätzung schloss sich auch Lüdiger Liehmann an, Vorsitzender der Bezirksvereinigung Osnabrück des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS). Er hat den Vorsitz der Interessenvertretung kürzlich von Clemens Dust übernommen. „Die Streitigkeiten anderer Leute zu schlichten und den Frieden am Gartenzaun wiederherzustellen, dazu braucht es besondere Persönlichkeiten“, so Liehmann. Umso wichtiger und anerkennenswerter sei es, dass Dust und Schoo sich stets mit den anderen Schiedspersonen im Land auf fachlicher und persönlicher Ebene ausgetauscht und das Schiedswesen so vorangebracht haben.

Bürgermeister Thomas Berling dankte neben den beiden Schiedsmännern auch deren Ehefrauen Angelika Schoo und Edeltraut Dust: „Ehrenamtliche Arbeit gelingt nur dann so gut, wenn sie auch von der Familie mitgetragen wird“, stellte er fest. Gerade im Schiedsamt sei das ganz besonders so, weil vieles über das Telefon laufe und man nie wisse, wann sich ein neuer Fall ergibt. Berling verwies auch auf Dusts Engagement im städtischen Arbeitskreis Ehrenamt. „Wir sind uns bei der Stadt Nordhorn absolut bewusst, dass das Ehrenamt keine Selbstverständlichkeit ist und fördern es daher nach Kräften.“ Auch die stets gute Zusammenarbeit zwischen Schiedspersonen, Ordnungsamt und Amtsgericht hob Berling hervor.

„Man muss den Leuten gut zuhören“

Dust und Schoo sagten einstimmig, dass ihnen die Arbeit als Schiedsmann viel Spaß gemacht habe. Zwar gebe es auch ärgerliche Momente, wenn beispielsweise die Streitparteien zum vereinbarten Termin einfach nicht erscheinen. Doch die positiven Momente überwiegen deutlich, berichtet Schoo: „Besonders schön ist es, wenn man einen Streitfall gütlich lösen kann, der anfangs noch unlösbar erschienen.“ Dust ergänzte: „Man muss den Leuten gut zuhören, denn viele wollen sich vor allem ihren Frust von der Seele reden. Danach liegt die Lösung oft schon ganz nah, sofern beide Parteien bereit sind, sich zu bewegen“.

Clemens Dust, hier mit Ehefrau Edeltraut, hat das Ehrenamt des Schiedsmannes 30 Jahre lang ausgeübt. Foto: Stadt Nordhorn

Clemens Dust, hier mit Ehefrau Edeltraut, hat das Ehrenamt des Schiedsmannes 30 Jahre lang ausgeübt. Foto: Stadt Nordhorn

Hermann Schoo war zehn Jahre lang als Schiedsmann tätig. Im Beisein seiner Frau Angelika nahm er im Rahmen einer Feierstunde seine Verabschiedungsurkunde entgegen. Foto: Stadt Nordhorn

Hermann Schoo war zehn Jahre lang als Schiedsmann tätig. Im Beisein seiner Frau Angelika nahm er im Rahmen einer Feierstunde seine Verabschiedungsurkunde entgegen. Foto: Stadt Nordhorn