17.11.2022, 11:00 Uhr

Neues Buch zur Regionalgeschichte erschienen

Blick in den Websaal einer Gildehauser Weberei. Foto: W. Hoon

Blick in den Websaal einer Gildehauser Weberei. Foto: W. Hoon

Im neuen Band 29 der „Emsländischen Geschichte“, herausgegeben von der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte, die sich mit der Vergangenheit, Natur und Kultur der Region Emsland/Grafschaft Bentheim befasst, untersucht der Bentheimer Historiker Dr. Udo Schwabe auf über 100 Seiten die Geschichte der Textilfabriken in Schüttorf, Gildehaus und Bentheim in den politisch wie wirtschaftlich äußerst bewegten Jahren des Ersten Weltkriegs bis zum Ende der Weimarer Republik.

Neben einer allgemeinen Darstellung der textilwirtschaftlichen Lage im Ersten Weltkrieg, der Nachkriegs- und Inflationszeit, in den kurzen „Goldenen Zwanzigern“ sowie der Weltwirtschaftskrise untersucht er die ökonomische Situation der einzelnen Betriebe wie etwa in Schüttorf „Schlikker & Söhne“, „G. Schlikker & Co.“, „Schümer & Co.“ oder „C. Remy“, „Krabbe & Co.“ in Bentheim oder „Gebr. Hoon“, „Geschwister Hoon“ und „Kamping & Co.“ in Gildehaus.

Nicht nur für Obergrafschafter interessant ist der mit ausdrucksstarken Farbbildern illustrierte Artikel von Gerhard Busmann über die Geschichte der NABU-Naturschutzstation „Weiße Riete“ in Schüttorf, wo aus einer monotonen Ackerfläche ein kleines Paradies aus Menschenhand zum Nachmachen geschaffen wurde.

Außerhalb von Neuenhaus und Georgsdorf, wo er Mitbesitzer eines Torfwerkes war, ist Arnold Brill weitgehend vergessen. Der Neuenhauser Fabrikant war ein Jugendfreund des als NS-Gegner hingerichteten Obersten Wilhelm Staehle und gehörte einem konservativen Grafschafter Widerstandskreis an, der sich vor allem mit der Herstellung von Kontakten von Berliner Widerstandsgruppen mit dem niederländischen Untergrund und dem Verteilen von Flugblättern beschäftigte.

Der aus Wietmarschen stammende Historiker Dr. Helmut Lensing untersucht die Politik der katholischen Zentrumspartei in der Provinz Hannover von 1924 bis 1927. Dabei nimmt er die Stellung der Partei zum Begehren einer Trennung Hannovers von Preußen in den Blick. Weiterhin thematisiert er die schweren Auseinandersetzungen zwischen Heuerleuten und Bauern in der Partei, die auch im Bentheimer Land ihre Spuren hinterließen, wie der Wietmarscher Pfarrer in der Pfarrchronik festhielt, und die Kontroversen um eine entschädigungslose Enteignung der ehemaligen Fürsten.

Heinz Kleene untersucht, warum nach dem Zweiten Weltkrieg in der Region Emsland/Grafschaft Bentheim die Zentrumspartei nicht wie andernorts in die CDU aufging, sondern noch für ein Jahrzehnt ein Ernst zu nehmender Widerpart der Christdemokraten blieb.

Manfred Fickers und Erik Kleine Vennekate legen dar, wie der Inhaber eines Baggerwerks, das aus dem Ruhrgebiet nach Meppen zog, die Wirtschaftsförderung im Rahmen des Emslandplans mehr als ausnutzte. Die regionale Wirtschaftsgeschichte erhellt ebenfalls ein Artikel von Hans-Hagen Nolte, der das bedeutende Papenburger Segelschiffwerk Abr. (Abram) Beckmann und die dort gebauten Frachtsegler beleuchtet.

Die gebürtige Schüttorferin Stefani Uchtmann zeigt den aktuellen Forschungsstand zur schon lange zerstörten Schärpenburg in Heede mit ihrer 1000-jährigen Linde auf, während Manfred Fickers ein gescheitertes britischen Kommandounternehmen am Ende des Zweiten Weltkriegs am Küstenkanal in Börgerwald vorstellt.

Prof. Dr. Volkmar Lent präsentiert – auch mit vielen farbigen Fotos – Leben und Werk der Lathener Malerin Antonie Müller. Und im Rahmen der Vorstellungen von Museen gibt Burghardt Sonnenburg Einblick in Aufbau, Konzeption und Arbeit des neuen Meppener Stadtmuseums an der Koppelschleuse.

Abgerundet wird das Buch mit Gedichten der Neuenhauser Lyriker Karl Sauvagerd, Carl van der Linde, Ludwig Sager und Wilhelm Elias Hana.

Emsländische Geschichte 29, Meppen 2022, 540 S., 25 Euro, ISBN 978-3-9821831, wie Altexemplare auch zu bestellen unter „kontakt@emslandgeschichte.de“ (zuzüglich Versandkosten)