18.02.2020, 11:38 Uhr

Neue Kirchenverfassung hat auch regionale Auswirkungen

Mehr Flexibilität in der lutherischen Landeskirche soll deren neue Verfassung schaffen, die Anfang des Jahres nach dreijähriger Beratungsdauer in Kraft getreten ist. Die alte Verfassung von 1965 war nach Ansicht vieler Kirchenleute nicht mehr zeitgemäß.

Superintendent Dr. Bernd Brauer sieht Potenzial in der neuen Kirchenverfassung. Foto: Kirchenkreis

Superintendent Dr. Bernd Brauer sieht Potenzial in der neuen Kirchenverfassung. Foto: Kirchenkreis

Nordhorn Zum 1. Januar 2020 ist in der lutherischen Landeskirche eine neue Kirchenverfassung in Kraft getreten. Die Verfassung war auf der Synode, dem Parlament der Kirche, im Mai 2019 nach dreijährigen Beratungen einstimmig beschlossen und von jedem einzelnen Mitglied der Synode unterzeichnet worden. Über die neue Kirchenverfassung hatten mehrere Tausend Nutzer über eine Internet-Plattform mit diskutieren können. „Die alte Verfassung aus dem Jahr 1965 bildete an vielen Stellen nicht mehr die Wirklichkeit des kirchlichen Lebens und die Stellung in der Gesellschaft ab. Deshalb war uns wichtig, dass auch Kirchenmitglieder ohne einen Sitz in irgendeinem Gremium ihre Anregungen miteinfließen lassen konnten“, so Ulrich Hirndorf, Pastor für Öffentlichkeitsarbeit im lutherischen Kirchenkreis Emsland-Bentheim.

Die neue Verfassung bildet die Grundlage für das kirchliche Leben mit seinen rund 2,5 Millionen Mitgliedern in 1248 Gemeinden und 48 Kirchenkreisen in Niedersachsen. Superintendent Bernd Brauer sieht in der neuen Kirchenverfassung eine Menge Potenzial: „Kirche wird flexibler und mobiler, weil auch die Menschen mobiler und flexibler werden. Deshalb ist eine wichtige Neuheit die „Personalgemeinde“. Darunter versteht man eine neue Form von Gemeinde, wo sich Menschen nicht in erster Linie nach einem festen Ort zusammenfinden, sondern nach Themen und Gelegenheiten rund um Personen, die etwas auf die Beine stellen. Auf diese Weise wären auch echte „ökumenische“ Gemeinden zum Beispiel Im Kloster Frenswegen und anderen Orten wie etwa den Studierendengemeinden möglich.“

Wichtige Änderungen sind laut Hirndorf größere Gestaltungsspielräume für Gemeinden, mehr Beteiligungsmöglichkeiten in den Gremien für Jugendliche sowie mehr Mitwirkung von Kirchengemeinden und Kirchenkreisen bei wichtigen Entscheidungen innerhalb der Landeskirche. Auch die hiesige Region wird von den Möglichkeiten der neuen Verfassung profitieren, ist sich Hirndorf sicher: „Die neue Verfassung betont den Einsatz für Ökumene und Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen und tritt ausdrücklich jeder Form von Judenfeindlichkeit entgegen. Auch der Öffentlichkeitsauftrag von Kirche wird neu definiert. Das zeigt sich beispielsweise am Projekt Popularmusik und Kirche, das in unserer Region mit Gospel- oder Bandworkshops zugangsoffen und kostenlos angeboten wird. Auch wird Superintendent Bernd Brauer, der seinen Amtssitz in Meppen hat, zukünftig die älteste lutherische Kirche des Kirchenkreises in Lingen als Predigtkirche nutzen. Am 23. Februar wird zunächst sein letzter Gottesdienst in der Meppener Gustav-Adolf-Kirche sein, danach dann immer zum 2. Advent. In der Kreuzkirche Lingen wird Bernd Brauer dann am Ostersonntag seine regelmäßige Predigttätigkeit aufnehmen.“ Verbunden mit der neuen Verfassung seien auch Begriffssänderungen. So heiße der Landessuperintendent des Sprengels nun Regionalbischof und der Kirchenkreistag tage am 29. Februar erstmals als Kirchenkreissynode in Neuenhaus.

Ems-Vechte