26.11.2021, 15:20 Uhr

Naturdenkmal „Egger Riese“ wird ökologisch aufgewertet

Die Offenfläche des Naturdenkmals soll nach Norden hin um einige Meter erweitert werden. Foto: Bruchmann

Die Offenfläche des Naturdenkmals soll nach Norden hin um einige Meter erweitert werden. Foto: Bruchmann

Itterbeck Brombeeren, aufwachsende junge Gehölze, Verfilzung, Beschattung und Eintrag von Nährstoffen durch Laub- und Nadelfall - die Liste der Beeinträchtigungen auf der wertvollen Heidefläche des Naturdenkmals „Egger Riese“ ist lang. Deshalb initiiert der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küstn- und Naturschutz (NLWKN) zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) der Grafschaft Bentheim Maßnahmen zur Stabilisierung des kleinen Juwels.

Die Fläche des Naturdenkmals gehört der Naturschutzstiftung des Landkreises Grafschaft Bentheim, die die Maßnahme begrüßt. Die Arbeiten finden im Rahmen des EU-geförderten Integrierten LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ statt. Aktuell sind bereits größere Maschinen im Einsatz, die die Naturschutzmaßnahme durchführen. „Um heutzutage wertvolle Lebensräume zu erhalten oder zu entwickeln, ist der Einsatz von schweren Gerätschaften leider oft notwendig“, erklärt Leonie Braasch, Projektmitarbeiterin beim NLWKN.

Die Situation, für die dort vorkommenden trockenen Sandheiden soll deutlich verbessert werden. Diese Sandheiden gehören zu einem seltenen und geschützten Lebensraum, den Binnendünen, die sich während der letzten Eiszeit vor mehr als 10.000 Jahren durch Wind gebildet haben. Auf den nährstoffarmen Standorten findet sich eine Vielzahl an spezialisierten Pflanzen- und Tierarten wie zum Beispiel Besenheide, Wildbienen und Schwebfliegen. Heute gehören die Sandheiden zu den europaweit gefährdetsten Lebensraumtypen.

Konkret soll vor Ort ein Dünenrücken im Norden des Naturdenkmals freigestellt und dafür einzelne Bäume in den Randbereichen entnommen werden. Ein lichter Schirm aus Kiefern bleibt aber erhalten. Die widerspenstigen Brombeeren sollen samt Wurzeln beseitigt und die Strukturvielfalt der Heidefläche durch eine bodennahe Mahd verbessert werden. Um übermäßige Nährstoffe aus dem Gebiet zu entfernen, soll an bestimmten Stellen der Oberboden abgezogen und dann abgefahren werden.

„Nach der Umsetzung kann die Fläche erst einmal einen recht wüsten Eindruck machen“, warnt Christian Kerperin von der UNB. „Aber Pionierstandorte wie offene Sandbereiche sind für viele Tier- und Pflanzenarten von hoher Bedeutung, und ohne die Maßnahme hätte sich die negative Entwicklung der Fläche weiter fortgesetzt.“ Das Naturdenkmal wird zwar regelmäßig von Schafen beweidet, aber gegen die vielen Beeinträchtigungen kommen die fleißigen Tiere ohne Hilfe des Menschen aktuell nicht an.

„Die Geschichte des Egger Riesen, des großen Findlings im Naturdenkmal, reicht übrigens sogar noch länger zurück als die Entstehung der Binnendünen“, erzählt Christian Kerperin: „Bereits vor etwa 180.000 Jahren wurde der schwere Stein während der Saaleeiszeit durch die Gletscher von Skandinavien bis nach Itterbeck transportiert“.

Durch die Beschattung und den Laubeintrag der Bäume kann hier die Heide nicht wachsen. Foto: Bruchmann

Durch die Beschattung und den Laubeintrag der Bäume kann hier die Heide nicht wachsen. Foto: Bruchmann