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18.04.2019, 15:30 Uhr

NABU warnt: „Die Grafschaft hat ein Gülleproblem“

Kreisgruppe sieht Auswirkungen auf Grundwasser, Natur, Tiere und Umwelt. Landwirten werde eine Bewirtschaftung aufgezwungen, die sich nicht Natur- und Umweltschutz vereinbaren lässt.

NABU warnt: „Die Grafschaft hat ein Gülleproblem“

Ein Landwirt bringt auf einem Acker am Kreisel Euregiostraße/Postdamm Gülle auf einen Acker aus. Archivfoto: J. Lüken

Schüttorf Der Naturschutzbund Grafschaft Bentheim (NABU) beklagt, dass im Landkreis zu viel Gülle ausgebracht wird. Die dadurch entstehenden Umweltschäden ließen sich nicht nur auf die Trinkwasserbelastung reduzieren, heißt es in einem Schreiben des NABU-Kreisvorsitzenden Gerhard Busmann aus Schüttorf. Die Naturschützer stellen fest: „Die Grafschaft Bentheim hat ein Gülleproblem.“

Gülle sei zu einem Reizthema geworden. Bürger teilten dem NABU regelmäßig ihre Sorgen über den Artenrückgang mit: „Hierfür werden insbesondere Massentierhaltung und Monokulturen verantwortlich gemacht.“ Selbst kleinste Flächen im Landkreis würden inzwischen bis an die Grundstücksgrenzen bewirtschaftet, nachdem sie vorher mit Gülle gedüngt worden seien: „Doch gerade kleine Flächen und unbehandelte Randstreifen braucht die Natur zum Schutz und zur Entwicklung von Insekten, Vögeln und so weiter.“

Überschüssige Gülle werde vor Ort entwässert und die eingedickten Mengen per Lastwagen nach Ostdeutschland gebracht, berichtet der NABU: „Diese Maßnahme hat jedoch kaum einen Effekt bezüglich der Stickstoffbelastung, da der Stickstoff fast vollständig in der flüssigen Phase enthalten ist, die in unserer Region verbleibt.“ Und diese Mengen Stickstoff könne der Boden nicht mehr verkraften.

Auch werde das Trinkwasser belastet: „Um den Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Nitrat überhaupt noch einhalten zu können, musste der Wasser- und Abwasser-Zweckverband Niedergrafschaft bereits neue Brunnen in relativ unbelasteten Bereichen bauen. Auch in der Obergrafschaft mischt der Trink- und Abwasserverband das Grundwasser aus mehreren Brunnen“, berichten die Naturschützer.

Die Nachbehandlung des belasteten Grundwassers in den Wasserwerken und die Gesundheitsbelastung durch Feinstaub in der Atmosphäre werde den Bürger eines Tages noch viel Geld kosten. „Wenn dieser Fall eintritt, sinkt die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber der Landwirtschaft als Verursacher gegen Null“, erklärt der NABU.

Eine Verbesserung sei nur möglich, wenn die Tierzahlen reduziert würden, doch danach sehe es in der Grafschaft nicht aus: „Es werden weiterhin Anträge zum Bau neuer Massentierställe gestellt. Leider ist festzustellen, dass seitens des Landkreises oftmals keine strengen Prüfkriterien anlegt werden“, beklagt der NABU. Auch die Politik habe den Ernst der Lage nicht erkannt: An Stelle einer Ausweitung müssten die Rahmenbedingen für eine nachhaltige und umweltschonende Landwirtschaft verbessert werden. Die Landwirte selbst seien nicht allein für alle Umweltbeeinträchtigungen verantwortlich, betont der NABU: „Ihnen wird eine Bewirtschaftungsweise aufgezwungen, die sich immer weniger mit den Zielen des Natur- und Umweltschutzes vereinbaren lässt.“ NABU-Webseite