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26.06.2020, 12:59 Uhr

NABU: Schildkröten sorgen für exotische Anblicke in Region

Diese Rotwangenschildkröte wurde in der Vechte gefunden, sie lebt jetzt in einer Privathaltung in Schüttorf. Foto: Suntrup

Diese Rotwangenschildkröte wurde in der Vechte gefunden, sie lebt jetzt in einer Privathaltung in Schüttorf. Foto: Suntrup

Meppen So mancher, der jetzt im Sommer an den Ufern der Hase, der Dinkel oder anderer Gewässer im Emsland und der Grafschaft entlang geht, kann sich schon einmal in die Sümpfe Floridas versetzt fühlen: Es kann tatsächlich sein, dass man eine Schildkröte auf angeschwemmtem Holz oder Steinen die Sonne genießen sieht. In der Regel handelt es sich dabei um Amerikanische Schmuckschildkröten. Die Tiere stammen NABU-Biologin Jutta Over zufolge meist aus Aquarienhaltung, wurden als winzige Tiere angeschafft und den Besitzern irgendwann zu groß oder zu alt. Sie wurden dann einfach ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen. „Viele Winter überleben die Tiere in der freien Natur meistens nicht, allerdings könnte sich das durch den Klimawandel ändern. Mildere Winter verringern die Mortalität, höhere Temperaturen verlängern die Aktivitätsperiode und fördern den Reproduktionserfolg“ erläutert Over.

„Schmuckschildkröten verbringen die meiste Zeit des Tages damit, sich zu sonnen. Zwischendurch halten sie Ausschau nach Fressbarem, das sind vor allem Larven von Fröschen, Kröten, Molche oder Fische. Manchmal stehen auch Wasserpflanzen auf dem Speiseplan“, weiß die Biologin. Da die aus Amerika stammenden Schmuckschildkröten andere Tierarten verdrängen könnten, wurden sie auf die sogenannte Unionsliste gesetzt, das ist eine Liste der EU, auf der invasive gebietsfremde Arten aufgeführt sind, die europaweit Probleme in den Ökosystemen bereiten und daher zurückgedrängt werden sollen. Zucht und Handel mit diesen Tieren sind verboten, private Haltungen sind genehmigungspflichtig. Dies gilt für die Gelbwangen-Schmuckschildkröte und die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte. Unter anderem steht auch die Schnappschildkröte auf der Beobachtungsliste, die Badenden gefährliche Bisswunden zufügen kann.

„Vor allem unsere heimische Schildkrötenart, die Europäische Sumpfschildkröte, ist durch die Konkurrenz aus Amerika bedroht. Sie gehört zu den am stärksten gefährdeten Tierarten Deutschlands und galt bis vor Kurzem in Niedersachsen als ausgestorben. Zwischen 2013 und 2016 wurden am Steinhuder Meer wieder Tiere angesiedelt“ berichtet Over. Das Niedersächsische Umweltministerium und der NABU führten dieses Wiederansiedlungsprojekt durch, nachdem dort umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen wie die Anlage von Kleingewässern und Feuchtgebieten erfolgt waren. Der NABU interessiert sich für Beobachtungen von Schildkröten in freier Wildbahn und bittet um Mitteilung solcher Sichtungen per E-Mail an nabu@nabu-emsland.de.

Diese Amerikanische Schmuckschildkröte lebt seit 40 Jahren im Teich eines Privatgartens in Haren. Foto: Nerger

Diese Amerikanische Schmuckschildkröte lebt seit 40 Jahren im Teich eines Privatgartens in Haren. Foto: Nerger

Junge Sumpfschildkröten aus einem Wiederansiedlungsprojekt des NABU. Foto: Breitfeld

Junge Sumpfschildkröten aus einem Wiederansiedlungsprojekt des NABU. Foto: Breitfeld

Ems-Vechte