12.02.2020, 13:09 Uhr

NABU: Geltendes Naturschutzrecht ist einzuhalten

In Georgsdorf soll ein Windpark entstehen. Der Naturschutzbund (NABU) weist in einer Pressemitteilung darauf hin, das geltendes Naturschutzrecht bei den Planungen einzuhalten sei. Er spricht sich gegen den Bau des Windparks in Georgsdorf aus.

Der Kranich ist eine Vogelart, die nach Auffassung des NABU durch den Bau eines Windparks in Georgsdorf gefährdet ist. Foto: Wilfried Jürges

© WILFRIED JUERGES

Der Kranich ist eine Vogelart, die nach Auffassung des NABU durch den Bau eines Windparks in Georgsdorf gefährdet ist. Foto: Wilfried Jürges

Georgsdorf Vehement widerspricht der Naturschutzbund (NABU) angeblichen Unterstellungen in dem am 8. Februar in den Grafschafter Nachrichten erschienenen Artikel „Beim Ausbau der Windenergie mutiger sein“, wonach der NABU grundsätzlich gegen neue Windparks sei und die Argumente gegen den Windpark Georgsdorf nur vorgeschoben seien. „Genau das Gegenteil ist der Fall“, erklärt Gerhard Busmann, erster Vorsitzender der NABU Kreisgruppe. „Schon aus Gründen des Klimaschutzes ist der NABU grundsätzlich für den Ausbau der Windkraft.“ Beleg dafür seien die zahlreichen Windparks in der Grafschaft wie beispielsweise bei Hohenkörben, Emlichheim, Esche, Ohne, Wilsum/Gölenkamp und Wietmarschen, die alle vom NABU mitgetragen wurden.

„Allerdings ist auch beim Bau von Windkraftanlagen geltendes Naturschutzrecht zu beachten“, so der Umweltschützer. „Deshalb gibt es durchaus Standorte, die für Windkraftanlagen nicht in Frage kommen. Und genau dies ist beim Windpark Georgsdorf der Fall.“ Darauf wiesen Naturschützer auch bereits seit den ersten Überlegungen im Jahr 2007 hin. Denn der Windpark liege genau zwischen den beiden Teilen des EU-Vogelschutzgebietes „Dalum-Wietmarscher Moor und Georgsdorfer Moor“. Insbesondere viele Vogelarten, die zwischen den beiden Gebietsteilen pendeln, würden durch einen Windpark massiv beeinträchtigt. „Bei manchen seltenen und stark gefährdeten Arten wie dem Seeadler ist zu befürchten, dass sie beim Durchflug durch den Windpark durch die Rotoren verletzt oder getötet würden. Andere Arten wie Kraniche meiden Windparks und könnten Teillebensräume nicht mehr erreichen. Der Kranich wurde in den letzten Jahren regelmäßig in beiden Mooren beobachtet“ heißt es in der Pressemitteilung des NABU. Relevante Artenschutzbelange würden aber von den Befürwortern des Windparks wegen der wirtschaftlichen Vorteile nicht ausreichend berücksichtigt.

Dass zurzeit landesweit Bestrebungen bestehen, die Errichtung Windkraftanlagen im Wald zu ermöglichen, sieht der NABU kritisch. „Im Hinblick auf den Klimaschutz ist die Errichtung von Windkraftanlagen im Wald ein Schildbürgerstreich. Wälder sind bedeutende CO2-Speicher, bei denen 55 Prozent des Kohlendioxids in der lebenden Biomasse der Bäume, 45 Prozent im Waldboden gespeichert ist. Für den Bau der Windkraftanlagen müssen große Flächen für Erschließungsstraßen und ausgedehnte Baufelder gerodet werden. Erst wird also ein CO2-Speicher vernichtet, um dann CO2 bei der Energieerzeugung zu sparen. Außerdem gibt es große Probleme mit dem Artenschutzrecht, weil viele waldbewohnende, geschützte Greifvögel und Fledermäuse Schlagopfer der Rotoren werden können. Für den Windpark Georgsdorf ist die Diskussion um Windkraft im Wald – mangels Wald in der Nähe - ohne Belang. Auch sonst dürfte diese Diskussion im Landkreis Grafschaft Bentheim mit seinem im bundes- und landesweiten Vergleich unterdurchschnittlichen Waldanteil von etwa 15 Prozent (bundesweit gibt es 32 Prozent, landesweit 25 Prozent) eher von untergeordneter Bedeutung sein. Es würde auch den Vorgaben des landkreiseigenen Regionalen Raumordnungsprogramms widersprechen, das vielmehr ausdrücklich eine Vergrößerung der Waldflächen fordert. Und auch aus Klimaschutzgründen besteht kein besonderer Handlungsdruck gerade in der Grafschaft die Windenergie in besonderer Weise voranzubringen, da die Stromeinspeisung der in der Grafschaft erzeugten erneuerbaren Energie bereits jetzt den Stromverbrauch im Landkreis zu etwa 100 Prozent deckt“, so Gerhard Busmann.